Mein Rolemodel-Interview im Handelsblatt

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Die Causa #Hopp und wie Männer mir wertschätzend die Welt erklären. Ein Thread bei Twitter. ICH schreibe über Fußball. Oder doch über Rassismus. Zum Hintergrund für Jene, die sich jetzt fragen: Was reitet Katja? Schaut sie jetzt doch Bundesliga!? Wegen Schmähungen durch Anhänger des FC Bayern war am Samstag die Partie der Münchner bei der TSG zweimal unterbrochen worden. Die Bayern-Führungsriege und zahlreiche Spitzenfunktionäre solidarisierten sich mit Hopp. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt. Das DFB-Sportgericht hatte zuletzt Fans von Borussia Dortmund für die nächsten zwei Jahre von Spielen in Sinsheim ausgeschlossen, weil sie Hopp erneut auf einem Plakat im Fadenkreuz gezeigt hatten.

Ich habe mich Samstag, also nach dem Vorfall, in viele Threads bei Twitter eingeschaltet und auch selbst etwas geschrieben. Was dann folgte, erstaunte sogar mich, die ich viel gewohnt bin im öffentlichen Diskurs. Und hatte heute – ein paar Stunden später – das Bedürfnis, noch einmal dezidiert aufzuschreiben, was mich an dem Vorfall rund um Hopp gestört hat. ICH schreibe also über Fußball bzw. das, was ich durch dieses Ereignis durchdacht sehen will.

Ich habe viele Nachrichten erhalten, zum Teil von mir Unbekannten, weil ich mich in “Fussi-Threads” eingemischt habe, zum Teil von Männern, die ich selbst als #Feministen bezeichnen würde. Alle eint das Bedürfnis (und das meine ich in einigen Fällen wirklich ernst, weil sie sich bemühen und mich nicht für doof erklären, wie manch andere), mit das System Fußball zu erklären oder aber mir zu verdeutlichen, wie widerwärtig das gegen #Hopp doch gewesen sei.

Es ist richtig: Einen Menschen in ein Fadenkreuz zu setzen und das Banner in einem Stadion aufzuhängen, ist widerwärtig. Ist es IMMER. Nicht nur, wenn das einen weißen Mann trifft. IMMER. Es ist auch IMMER richtig, hier sofort zu reagieren. Das ist ja auch geschehen. Super.

Die Frage, die ich mir gestern stellte, ist nur: Warum ist das die Ausnahme und nicht die Regel? Warum fiel MIR, die ich Fußball nicht mehr verfolge, seitdem ich da nur Geld und Mafia sehe (ja, überspitzt, aber für mich ist das so), SO SEHR auf, dass da etwas geschah, was ich extrem ungewöhnlich fand? Ich kannte die Ereignisse und die Historie um die Figur Hopp nicht, sie ist mir auch bis heute “egaler”, als die Gedanken, die der gestrige Vorfall in mir auslöste.

Und auch ich – sorry to say – hatte sofort die Assoziation: Der Typ muss eine
besondere Rolle haben, sonst würde das nicht so passieren. So ging es vielen. Wie kann Mann SO missverstehen, was die Causa #Hopp gerade für sehr viele Menschen in unserem Land bedeutet? Es geht nicht darum, dass die Dinge, die der Herr durchleiden muss, nicht daneben sind und geahndet werden sollten.

Es geht nicht darum, dass >wir< nur ausflippen, weil er ein Mann und weiß ist. Es geht um das Missverhältnis, das in deutschen Stadien besteht, weil sie unsere Gesellschaft widerspiegeln. Ich schätze, dass in den Spieltagen mehr als 1/80
unseres Landes auf dem Weg zum Rasen ist. Dort geschehen jedes Wochenende Dinge, die unmachbar, es werden Worte gesprochen, die unsagbar sind. Und es passiert genau!? NIX.

Junge Spieler werden rassistisch beleidigt und müssen das Spiel ohne Unterbrechung fortsetzen. Sie gehen wegen solcher Beleidigungen sogar vom Platz – und nix geschieht.

Es reichen eben nicht ein paar Schweigeminuten nach #Hanau, es ist anerkennenswert, dass manche Vereine sich dem #Rassismus widmen. Aber im Umfeld der Stadien und eben auch IN ihnen gedeihen #Sexismus und Rechtsradikalismus oft unwidersprochen. DAS macht wütend. Und ja, dann bricht sich diese Wut ihren Weg, indem sie es seltsam findet, dass ein sehr reicher, weißer Mann, der sicher auch sehr gute Dinge tut, aber dass dieser den ad hoc Schutz, die ad hoc Solidarität erhält die sich so viele in unseren Stadien wünschen.

Das System Fußball hat gezeigt, was es kann, wenn jemand bedroht wird. Spielunterbrechung, Männer rennen und reißen Banner von den Wänden, ein Stadionsprecher flippt aus, die Mannschaften halten zusammen.

BITTE. Ab gestern jedes Mal, wenn #Rassismus, #Sexismus und #Rechtsradikales an Wänden, in Mündern oder in Verhalten steht. Sofortige Reaktion. Ad hoc. Dann ist alles wieder gut und Herr #Hopp eines der letzten Opfer von zu vielen, die vor ihm leiden mussten. Null Toleranz.

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