Mein Rolemodel-Interview im Handelsblatt

Katja Diehl kommt aus Hamburg und ist Kommunikations- und Unternehmensberaterin mit Schwerpunkten in neuer Mobilität, neuem Arbeiten und Diversität. Sie hält Vorträge, moderiert Events und Workshops und hostet alle 14 Tage den Podcast #SheDrivesMobility, um Frauen in der Mobilität sichtbarer zu machen. 2019 wurde die 47-Jährige zu den „25 Top Voices bei LinkedIn“ sowie zu den „100 Führungsfrauen in der Mobilitätsbranche“ gewählt.

In Hamburg hat Diehl den regionalen Hub von Womeninmobility gegründet. Das Netzwerk engagiert sich für eine bessere Sichtbarkeit von Frauen der in Mobilitätsbranche: in Führungspositionen und Projektleitungen, als Rednerinnen auf Konferenzen oder als Expertinnen in Fachmedien.

Im Bundesvorstand des Verkehrsclub Deutschland treibt Diehl seit 2018 unter anderem die Themen Mobilität 2050 sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit voran. In Teilzeit leitet sie bei der Berliner Door2Door GmbH die Abteilung für Kommunikation und PR. Das Start-up bietet mit seiner Softwareplattform On-Demand-Mobilitätslösungen für den öffentlichen Nahverkehr.

Im Interview sprechen wir mit ihr über ihren Vorsatz, einmal im Monat aus der Komfortzone auszubrechen, über ihre Karrierewende in die Selbstständigkeit und ihre schlimmsten Produktivitätskiller.

Frau Diehl, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Tatsächlich kein konkreter Berufswunsch, sondern eher ein Gefühl. Ich bin in meiner Kindheit viel umgezogen und habe unter anderem über einer sogenannten Kreisbildstelle gewohnt: ein riesiger Dachboden voll mit Filmen für den schulischen Unterricht. Geliebt habe ich die Geschichten des kleinen Maulwurfs, der nicht sprach, aber alles verständlich machen konnte. Diese Fähigkeit fand ich toll. Ich wollte als Kind auch immer Gebärdensprache lernen. Mich hat fasziniert, wie elegant das aussah und dass Menschen, die sich so unterhalten, das in ganz lauten Räumen und auf Entfernung machen können.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Ich habe sehr viel Sport gemacht und alle möglichen Dinge ausprobiert. Von Tennis über Kampfsport bis hin zu Rudern und Turnen. Woran die Vielfalt lag: am Spaß. Der endete für mich allerdings oft, wenn ich zu Wettbewerben gehen sollte. Dann wurde alles um mich herum verbissen, das mochte ich nicht. Richtig gut war ich schon immer im Bücher verschlingen und Menschen kennenlernen. Durch die Umzüge eine geschulte und bis heute wertvolle Fähigkeit: offen gegenüber über neuen Menschen und neuen Dingen zu sein.

Welche Hobbys haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Ich schreibe gern und versuche jeden Tag aufs Neue, meine Sprache so zu reflektieren, damit ich möglichst viele Menschen erreiche, über verschiedene Formate. So mache ich einen Podcast, habe einen Blog, bin viel bei Twitter. Diese Vielfalt reizt mich und hält wach im Kopf. Ansonsten liebe ich das Lesen von Büchern und Magazinen. Und tatsächlich empfinde ich es als Luxus, mal nichts zu tun und mit mir alleine zu sein. Ich habe mehrere Theaterabos und nehme gerne auch mal mir liebe Menschen mit. Manchmal gehe ich aber auch allein, um das Erlebnis einfach nur auf mich wirken zu lassen und in einer anderen Welt zu Gast sein zu können.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Seit ein paar Jahren starte ich jeden Tag mit Meditation. Oftmals geführt per App, weil ich hier etwas gefunden habe, was Ruhe bringt, aber auch Gedanken zum Tag anreizt. Kleine Anekdote dazu: Jüngst sollte ich jemandem, der mir nicht gut gesonnen ist oder den ich nicht aushalten kann, gute Gedanken schicken. Noch vor fünf Jahren hätte ich viele Menschen gehabt, auf die das zutrifft. Dieses Mal ist mir aber niemand ad hoc eingefallen.

Ich führe das auch darauf zurück, dass ich mehr bei mir bin und bleiben kann. Denn auch das hält gesund: zu wissen, wer ich bin und dazu stehen. Das Verbiegen macht krank. Und Menschen, die mich verbiegen wollen, machen krank. Seit ich vor etwa zwei Jahren beschlossen habe, nicht mehr Vollzeitangestellte zu sein, fühle ich mich gesünder.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben und es nun bereuen?
Ich habe zu lange gemieden, konsequent ich selbst zu sein, da ich in Systemen tätig war, die von mir verlangten, dass ich mich anpasse. Ich habe das nicht hinterfragt, sondern gedacht, dass sei die Work-Life-Balance, dieses Trennen von Berufs- und Privatleben. Jetzt, wo ich das nicht mehr tun muss, spüre ich eine enorme Erleichterung und viel Kraft, die ich habe, weil ich mich nicht mehr so extrem anpasse. Das hätte ich auch früher haben können, aber es ist völlig okay. Denn immerhin habe ich es überhaupt erreicht und „durchschaut“ – als für mich falsche Strategie.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Da könnte ich zu jeder Stunde eines Tages jemand anderen benennen. Weil ich mich glücklich schätze, Menschen bei mir zu wissen, die Vorbilder sind. Ich muss nicht auf Promis zurückgreifen. Und die Rolemodels begleiten mich zum Teil schon sehr lange, so auch meine Eltern.

Mein Glücksrad in dieser Frage dreht sich heute auf Anastasia Umrik, einer beeindruckenden Persönlichkeit, die sich nicht scheut, mit großen Unternehmen erfolgreich in den Clinch zu gehen und sich für ihre Rechte stark zu machen. Von ihr lernte ich den Begriff Mutausbruch. Davon brauchen wir sehr viel mehr; von Menschen wie Anastasia (Umrik sitzt wegen Muskelschwund im Rollstuhl, Anm. d. Red.), aber auch von persönlichem Mut. Sie zeigt, dass körperliche Einschränkungen frei machen können, vor allem den Geist. Und die Lust auf ein Leben, das auf andere Weise keine Grenzen kennt.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Ich nenne mein Ein-Frau-Unternehmen „She Drives Mobility“ – und das ist mittlerweile weit mehr als nur ein Slogan. Das „She“ steht für mich – aber auch die Diversität, die ich in der Branche vorantreiben möchte. Nicht nur in der Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern im Losgelöstsein, in der Befreiung von Kategorien, im gemeinsamen Gestalten, in der Begegnung und der Kommunikation zugunsten einer nachhaltigen Mobilität für alle.

Das „Drives“ bin ich. Ich möchte all das Vorantreiben, möchte die richtigen Fragen stellen, möchte in Frage stellen, was wir gewohnt sind. Da draußen droht die Klimakatastrophe, und der Verkehr bekommt seine Emissionen nicht in den Griff. Das muss sich ändern – auch in Sachen Stadtraum und Flächengerechtigkeit. Der Drive soll antreiben, Sehnsüchte zu erfüllen, Orte zu bauen, die nicht durchrast, sondern flaniert werden können.

Was würden Ihre früheren Kollegen oder Ihr ehemaliger Chef sagen auf die Frage…
… was Sie auszeichnet?
Es würde wahrscheinlich ein sehr heterogenes Bild entstehen. Je nachdem, ob Sie Chefs oder Kolleginnen und Kollegen befragen. Dabei wären: Hartnäckigkeit und Loyalität. Ehrgeiz in der Sache. Den Menschen immer im Blick. Großes Netzwerk. Aber auch: Schlechtes Selbstmarketing. Zu wenig Macht- und Statushunger. Unangepasst.

… was Sie besser können als alle anderen im Team?
Vermitteln von unterschiedlichen Sichtweisen, emphatischer Umgang mit allen Hierarchiestufen. Menschenfängerin durch Neugier und echtes Interesse. Talent- statt Karriereförderung.

… was Ihnen schwer fällt?
Routineaufgaben wie Excel-Tabellen pflegen und Standardtage, die immer den gleichen Ablauf haben.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind? Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
Flow stellt sich bei mir vor allem in der Arbeit mit Personen ein, die mit mir auf einer Wellenlänge liegen. Damit meine ich nicht, die gleichen Standpunkte oder Arbeitsweisen zu haben, sondern dasselbe Ziel erreichen zu wollen. Mich bereichert das Querdenken in dem Sinne, das mich Menschen herausfordern, die anders vorgehen als ich. Das finde ich spannend. Flow habe ich aber auch, wenn ich mit meinen Gästen im Podcast spreche. Eigentlich musste ich bisher immer darauf achten, nicht zu viel Zeit aufzunehmen – weil ich die Geschichten so spannend und inspirierend fand.

Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Interessanterweise hat bei mir, seitdem ich nicht mehr IN Konzernen, sondern nur noch FÜR große Unternehmen tätig bin, die Mailflut stark abgenommen. Das ist ein echter Mehrwert. Ebenfalls abgenommen hat der Frust, lange auf Entscheidungen warten zu müssen. Als Abteilungsleiterin hatte ich den Luxus, viel selbst entscheiden zu können – denn nichts nervt mich mehr als die Suche nach den 100 Prozent. Irgendwann muss man Dinge einfach ausprobieren. Das war in vorhergehenden Jobs, wo ich aufgrund der Hierarchie diese Entscheidungen nicht fällen konnte, für mich immer schwer auszuhalten. Als Selbstständige bin ich hier jetzt sehr frei.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Tatsächlich nehmen die Fragen zu, ob ich in die Politik gehen möchte. Ich habe mich 2019 daran gewöhnen müssen, das ich als Aktivistin bezeichnet und somit wohl auch wahrgenommen werde. Das war für mich zunächst sehr befremdlich. Genau wie die Einschätzung, ich sei polarisierend.

Wenn ich aber dann mit den Menschen spreche, was sie mit diesen Begriffen meinen, kann ich damit meinen Frieden schließen. Denn sie sagen mir oft: Du hast eine sehr klare Haltung, die dich von anderen unterscheidet, die nicht so deutlich sind. Und das mit der Politik scheint etwas zu sein, wo andere mich sehen. Ich stelle mir das jedoch noch aufreibender vor als meine jetzige Aufgabe.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Ganz klar Twitter. Viele sprechen mich an und fragen mich, wie kann man nur so aktiv dort sein? Aber Twitter entspannt mich. Die Gedanken, die ad hoc in meinem Kopf sind, kann ich dort in kurzen Statements platzieren und mit anderen diskutieren. Denn ich gehe nicht einfach so durch eine Stadt oder fahre einfach so von A nach B.

Ich schaue mir an, wie Menschen mobil sind. Wie Autos wertvollen Stadtraum kostenlos okkupieren und den Raum für Rollstuhlfahrende, Kinder und Radfahrende einschränken. Das stelle ich dann online. Gleiches gilt für meinen Willen, den Rechtsruck in Deutschland zu bekämpfen und auch hier darauf hinzuweisen, wenn Unsagbares ausgesprochen wird. Haltung ist wichtig in Zeiten wie diesen, genauso wie Solidarität mit von rechtem Hass Verfolgten.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Newsletter finde ich schwierig, ich bin wohl eher der Typ Push-Notifications. Denn lesen möchte ich in Ruhe Magazine und Zeitungen. Abonniert habe ich aber dennoch welche, um kurze Impulse aufzunehmen. Beispielsweise vom Tagesspiegel Background, der ZfK, electrive.net, Gründerszene. Podcasts vom Deutschlandfunk finde ich klasse, vor allem auch „Der Tag“, dann bin ich Fan von „Alles gesagt“, weil Jochen und Christoph von der Zeit ihren Gästen sprichwörtlich Zeit widmen. Webseiten wie das „Mobility Mag“, für das ich auch eine Glosse schreibe, mag ich, weil sie vielfältig auf meine Branche blicken, eben nicht nur technisch.

Was macht Sie stolz?
Dass ich es wage, ich zu sein. Daran habe ich hart gearbeitet und es fällt mir manchmal immer noch schwer, kantig zu sein, weil ich nicht anders kann. Ich bin ein kritischer Geist – so sagt man mir. Ich bin schon etwas älter und freue mich enorm, dass jüngere Frauen selbstbewusst in den Job starten. Selbstbewusst im Sinne von ich kann was, ich will was, ich habe eine Vorstellung von dem, was ich bewirken möchte. Als ich Anfang der 2000er-Jahre in den Job startete, war das noch nicht so Tagesgespräch. Da habe ich viele auch falsche Ratschläge angenommen, weil es keine anderen gab. Zum Beispiel, dass Frauen das Spiel der Männer mitspielen müssen, um erfolgreich zu sein. Bullshit. Dass ich heute bin, wo ich sein will – das macht mich stolz.

Was waren Ihre wichtigsten drei Arbeitsergebnisse der letzten drei Jahre?
Der Entschluss, nicht mehr in der Konzernwelt angestellt zu sein, der Entschluss, mich auf das zu fokussieren, was mir auch persönlich ist: die Welt zu verbessern, mit dem Fokus auf Mobilität, und der Start einer Lifebalance, einer 360-Grad-Welt, die einzelne Bereiche nicht mehr voneinander trennt, sondern vereint. In jeder Facette Katja zu sein, aber natürlich unterschiedliche Rollen darin zu haben, mal als Arbeitnehmerin, mal als Unternehmerin, mal als Keynote-Speakerin, Mentorin, Freundin und Räuberinnenleiter.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend gerne verzichtet?
Meinem Bauchgefühl nicht zu folgen und narzisstische Menschen gutgläubig in mein Leben zu lassen. Narzisstischen Menschen zu vertrauen in der Hoffnung, dass wir ja ein gemeinsames Ziel haben. Diese Persönlichkeiten aus meinem Leben so gut es geht rauszuhalten, ist sehr gesund für mich. Und mittlerweile sehr einfach, weil ich mir aussuchen kann, mit wem ich arbeite.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kolleginnen und Kollegen) in schwierigen Situationen, indem…
… ich diese Situationen anspreche, auch wenn ich erstmal nur das Gefühl habe, dass etwas nicht stimmt. Indem ich sie an meiner Lebenserfahrung teilhaben lasse, ohne zu versprechen, dass meine Lösungen ihre sein müssen. Indem ich vorschlage, auch mal einen Tag oder länger zuhause zu bleiben, um in Ruhe zu sich kommen zu können. Und dann nach Rückkehr nochmal in Ruhe zu reden. Ich mag es, wenn Menschen sich für solche Situationen Zeit nehmen. Das kann ich als Führungskraft aber auch nur, wenn mein Gegenüber das möchte.

Angenommen eine Kollegin oder Kollege oder Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Seit nicht wie ich. Denn genau das war lange meine stärkste innere Stimme: die innere Kritikerin. Mein Rat: Frage andere nach Feedback – und zwar bewusst auch nach gutem, nicht nur nach Feedback an sich. Denn das wird leider hierzulande oft mit Kritik verwechselt. Wir Deutschen sind sehr gut darin, vor allem auf das Schlechte zu schauen, auf die Risiken statt die Chancen. Es braucht aber auch eine Unternehmenskultur, die beides fördert, das Wachstum aber auch das kritische Hinterfragen, um zu lernen aus Fehlern. Frage also nach Feedback und bitte darum, mit dem positiven zu beginnen. Hör zu, was gesagt wird. Und unterbreche dein Gegenüber nicht!

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun sie?
Einen Schritt zurücktreten, gedanklich in den Helikopter steigen und von oben nachschauen: Ist es eine temporäre Stimmung, dann ist es okay. Dann nehme ich mir vielleicht mal frei, um abzuschalten und mich auszuruhen. Eine Jobbeziehung ist eben auch nur eine Beziehung mit manchmal schlechten Zeiten. Ist es schon länger so: Was braucht es, um das zu ändern? Ich spreche mit Vertrauenspersonen darüber, auch um mir selbst zuzuhören, was ich sage. Wenn es sich nicht ändern lässt, dann gehe ich, weil das dann besser ist für beide Seiten.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
Ihre Meinung interessiert mich nicht – Frauen sind für diesen Job einfach nicht geeignet.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen?
Traut euch! Mehr Mensch zu sein, Emotionen zu haben, Unsicherheiten auch mal zu formulieren – und Fragen zu stellen. Da ist so viel Wissen in euren Teams, nutzt es. Stellt Menschen ein, die euch gegebenfalls sogar in einer Sache überlegen sind. Seid stolz, dass dem so ist und ihr Chefinnen oder Chefs seid, die das nicht nur aushalten, sondern auch bewusst fördern. Diverse Teams sind manchmal schwer zu ertragen, aber Gold wert, um erfolgreich zu sein – auf der Langstrecke.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Mach dich schlau, was in deiner Branche üblich ist. Und sprich vor allem proaktiv das Geld an! Viele tun das einfach nicht, dabei gehört das zum Spiel. Leider erhöhen bis heute nur wenige Unternehmen die Gehälter von sich aus. Wenn ein Gespräch mit Vorgesetzten ansteht, bereite dich gut vor. Hab Erfolge parat, über die du berichtest, zeig deinen Mehrwert auf. Sag nicht, ich will mehr, weil der oder die mehr verdient, sondern beweise, welchen Mehrwert du generierst.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem ich…
… aktiv in Netzwerken bin wie zum Beispiel den Women in Mobility, Mentor Me, Panda – aber vor allem auch, weil für mich immer das Geben zuerst kommt. Ich liebe es einfach, andere Frauen groß zu machen, Jobs zu vermitteln, Kontakte und Ideen. Ich bin nicht immer die geeignete Person, wenn ich Anfragen erhalte. Dann sage ich ehrlich ab und empfehle drei Frauen, die statt meiner den Job machen könnten.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Eigentlich alle Jobs, die ich aktuell mache. Meine Arbeit im Bundesvorstand VCD, mein Teilzeitjob bei Door2door und meine Kundinnen und Kunden habe ich über meine Netzwerke erhalten. Bei all diesen Kontakten kamen die Menschen auf mich zu, weil sie mich direkt kannten oder über einen eigenen Kontakt. Aber, was für mich noch viel mehr zählt, aus Netzwerkkontakten sind echte Freundschaften entstanden, die gerade auch in schlechten Zeiten mein Rückhalt sind. Ich hatte 2019 diverse Shitstorms und durfte erleben: Ich bin nicht allein, mir wird sogar proaktiv geholfen – das tat sehr gut.

In den kommenden drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Ich will Kraulen lernen . das ist jetzt wahrscheinlich mega off topic – aber ich bin ein Loser im Wasser. Ich kann überleben, wenn ich im Wasser bin, aber es schwimmen zu nennen, wäre unangemessen. Dabei ist auch das wieder Ausweitung meiner Komfortzone, denn ich hasse Hallenbäder – und dort findet der Unterricht statt. Aber seit letztem Jahr habe ich das Projekt, einmal im Monat etwas echt Unangenehmes zu machen. Kraulen lernen ist das nächste Projekt.

Wie schalten Sie abends ab, und wann gehen Sie ins Bett?
Ich will von zehn Uhr abends bis neun Uhr morgens offline sein. Das steht auf meinem Tagesplan, den ich mir bewusst Anfang des Jahres gemacht habe. Ich cheate aber noch beizeiten, vor allem, weil ich beruflich oft schon vor neun Uhr in der Bahn sitze. Aber ich werde immer besser, diesen Vorsatz einzuhalten. Tatsächlich lese ich abends vermehrt wieder echte Bücher. Ich mag das Anstreichen, Durcharbeiten, das physische Erleben von Lesen. Romane hole ich mir aus meinem Tauschhaus um die Ecke – die bearbeite ich allerdings auch nicht, sondern gebe sie zurück. Schlaf ist nicht vor 12 Uhr meist, aber auch nicht viel später.

Frau Diehl, vielen Dank für das Interview.

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