Die vom Tagesspiegel haben mich für ihren Background Mobilität interviewt. Hier das Interview im Wortlaut – thanks for having me! Ohne dickes Fell geht es nicht – das merkte Katja Diehl schnell, nachdem sie anfing, sich für die Verkehrswende zu positionieren und rege in der öffentlichen Diskussion mitzumischen. Der Gegenwind sei zum Teil heftig gewesen. „Doch ich habe mich bewusst entschieden, diesen Weg weiter zu gehen“, sagt Diehl im Gespräch mit Tagesspiegel Background.

Dazu nutzt sie unter anderem Twitter. Kürzlich hat sie dort ein Foto geteilt, das den Blick von ihrem Balkon zeigt: eine Straße, auf beiden Seiten parken Autos. Unter dem Schlagwort #Autokorrektur ruft sie dazu auf, dieses Bild zu bearbeiten – so dass es zeigt, wie die Straße ohne Autos gestaltet werden könnte. „Mir geht es darum, Sehnsucht nach neuer Mobilität zu wecken“, sagt Diehl. „Dafür müssen wir Bilder erzeugen. Mit Fakten kommen wir hier nicht weit.“

Die 47-Jährige ist Kommunikations- und Unternehmensberaterin mit den Schwerpunkten Neuer Mobilität, Neues Arbeiten und Diversität. Diese Themen gehören für sie zusammen, zum Beispiel bei diesem Punkt: Ein Wandel der Mobilität müsse einhergehen mit Veränderungen im Arbeitsleben, findet sie. Eines ihrer Anliegen ist es, mit der Präsenzkultur in den Büros zu brechen. Denn manchmal sei die beste Mobilitätslösung, dass sich die Menschen gar nicht erst auf den Weg machen müssen.

Seit 2018 im Vorstand des ökologischen Verkehrsclubs VCD

Diehl selbst ist viel unterwegs. Sie sitzt regelmäßig im Zug von ihrer Wahlheimat Hamburg nach Berlin, wo sie in Teilzeit für Door2Door arbeitet. Sie ist verantwortlich für PR und Kommunikation des Start-ups, das mit seiner Softwareplattform On-Demand-Mobilitätslösungen für den öffentlichen Nahverkehr anbietet. Der Münchner Isartiger etwa ist mit der Door2Door-Software unterwegs. Für den Allygator Shuttle in Berlin kooperierte Door2Door mit dem ADAC, der Betrieb pausiert derzeit.

Ihre Fähigkeiten in Sachen Kommunikation möchte Diehl außerdem für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) einsetzen, in dessen Bundesvorstand sie Ende 2018 gewählt wurde. Die Mobilität sei schon immer ein Thema für sie gewesen. Auch beruflich ist sie seit Jahren in der Branche aktiv.

Nach dem Studium absolvierte sie ein PR-Volontariat bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück, später leitete sie die interne Kommunikation der Spedition Hellmann Worldwide Logistics. 2008 wechselte sie zu den Stadtwerken Osnabrück, wo sie insgesamt zehn Jahre blieb. Zuletzt war sie dort Pressesprecherin und Leiterin von Marketing und Kommunikation im Bereich Verkehr.

Diehls erklärtes Ziel ist es, Frauen in der Mobilität sichtbarer zu machen. Für ihren Podcast „She drives mobility“ spricht sie regelmäßig mit Expertinnen aus der Branche – gelegentlich aber auch mit Männern, sagt sie lachend. Regelmäßig hält sie Keynotes, wird auf Panels eingeladen – auch wenn sie vor einigen Monaten beschlossen hat, nicht mehr die ‚Notfallfrau‘ zu sein, die einspringt, wenn den Organisatoren im letzten Moment einfällt, dass sie ein rein männliches Panel zusammengestellt haben. „Das sehe ich nicht mehr ein. Ich bin nicht weniger wert als der CEO von Moia oder der Hamburger Hochbahn.“

In diesem Jahr auch mal offline

Beim Netzwerk Women in Mobility setzt sich Katja Diehl unter anderem dafür ein, dass Branchen-Panels von Anfang an diverser besetzt werden. In Hamburg betreffe das vor allem den ITS-Weltkongress für intelligente Transportsysteme, den die Hansestadt im kommenden Jahr ausrichtet. „Unser konkretes Ziel: den ITS-Kongress weiblicher machen als je zuvor“, heißt es auf der Website der Hamburger Vertretung von Women in Mobility.

Doch Diversität bedeutet für Katja Diehl nicht nur, Frauen und Männer gleichermaßen zu berücksichtigen, sondern auch Menschen, die beispielsweise im Rollstuhl sitzen und andere Bedürfnisse an Mobilität haben als Menschen ohne Behinderung.

Im vergangenen Jahr habe sie so viel um die Ohren gehabt, dass sie keine Zeit hatte, in den Urlaub zu fahren. Dabei reist sie gern – am liebsten mit dem Rucksack, im Zug oder Überlandbus. So ganz abschalten kann sie aber auch dann nicht, denn sie müsse immer genau studieren, wie die öffentlichen Verkehrsmittel im Ausland funktionieren. „Da bin ich ein ziemlicher Nerd.“

Für dieses Jahr hat sie sich vorgenommen, auch mal offline zu sein. Ein weiterer Vorsatz: Sie möchte sich ein Klapprad zulegen, das sie auf ihrer Pendelstrecke mit in den Zug nehmen kann. Aus einem ganz bestimmten Grund: „Damit ich mich auf dem Weg zum Bahnhof mehr bewege.“ Sarah Schaefer

Fahrrad oder Ferrari?
Fahrrad.

Welche Mobilitäts-Apps nutzen Sie und warum?
Den DB Navigator, weil ich mit meiner Bahn Card 100 viel unterwegs bin. Ich schaue oft spontan nach Verbindungen und möchte mich nicht zu lange im Voraus festlegen. Außerdem die HVV-App, Moia, Clevershuttle und Share Now, weil ich regelmäßig Katzenstreu durch die Stadt transportieren muss. Insgesamt habe ich sicher an die 30 Mobilitäts-Apps auf meinem Handy.

Wer gibt in der Mobilitätsbranche das Tempo vor?
Der Kunde und die Kundin. Denn die generieren die Nachfrage. Es ist unsere Aufgabe, Produkte zu entwickeln, die auf Nachfrage stoßen. Dazu dürfen wir uns nicht nur in unserer Bubble bewegen. Der Kunde muss immer mitgedacht werden.

Wo würden Sie gerne das Rad neu erfinden?
Ich möchte dafür sorgen, dass wir von dieser Autoabhängigkeit wegkommen, sowohl mental als auch physisch. Das Auto ist als Statussymbol sehr aufgeladen, teilweise wird es als persönliches Wohnzimmer empfunden. Das würde ich gern durchbrechen mit einer Art Entzugsprogramm, so dass klar wird: Eine gute Mobilität ist für sehr viele Menschen auch ohne Auto möglich.

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