SZ Plan W – Erster Kongress des Magazins in Berlin

Es war fast wenig lustig, wie viele Nachrichten mich besorgt erreichten, als ich diese Woche Dienstag auf Social Media aktiv war. Ich zeigte Bilder von Annegret Kramp-Karrenbauer und Julia Klöckner, was meine Filterblase besorgt nachfragen ließ, ob es mir gut geht. Denn ich falle ansonsten nicht damit auf, Fan dieser beiden Ladies zu sein. Aber ich habe ein Credo: Wenn ich Menschen, die in vielen Dingen anders denken als ich, treffen und ihnen zuhören kann, dann finde ich das ein echtes Privileg, das ich gerne wahrnehme.

Denn diese Konflikte, die zu Lösungen und Anregung zum Einblick in die Sicht anderer führen können, sind wertvoll. Social Media macht diesen Austausch auf eine gewisse Weise möglich, die reale Begegnung obsiegt für mich jedoch immer in Sachen Wahrnehmung und Einordnung auch von zwischenmenschlicher Chemie. Ich war auf dem ersten Kongress von SZ Plan W, dem feministischen Magazin, weil ich eine Karte gewonnen hatte. Danke an Digital Media Women für diese Möglichkeit des Austausches.

Was bringen solche Kongresse?

Sie bieten einen guten Überblick. Doch zukünftig wären auch interaktive Formate wünschenswert. Die Diskussion fand in den Pausen und am Abendtisch statt – aber leider ohne die Hochkaräterinnen auf den Panels. Das hätte ich spannend gefunden. Und ich muss sagen: In den Schuhen von Klöckner und AKK stehend möchte ich anerkennen, dass das, was ich aktuell auch in Sachen Andrea Nahles mitbekommen habe, auch ihnen widerfahren ist. Dennoch haben sie sich an die Spitze gekämpft. Und dabei weit mehr leisten müssen, als Männer es in ihren politischen Bündnissen tun. Das darf nicht klein geredet werden.

Inhaltich jedoch war ich vor allem von Julia Klöckner entsetzt. Zum einen durch die Dinge, die sie als Vertreterin eines wichtigen Ministeriums im Lobbyismus für furchtbaren Konzerne tut, sondern auch im thematischen Abgleiten am Dienstag von einer landwirtschaftlichen Betrachtung von Digitalisierung hin zu einer Kopftuch- und Kulturdebatte, die nie gut verlaufen kann, wenn sie so verkürzt dargestellt wird wie an diesem Morgen in Berlin. Annegret Kram-Karrenbauer (und bitte lasst mir die Option, nur den mit ihr geteilten Moment zu betrachten) schaffte es hingegen viel mehr, auf die Rolle von Frauenquoten als Krücke und dem Missverhältnis von Diversität im Bundestag hinzuweisen.

Ich sehe es zudem genau wie sie als gefährlich an, wenn technische Entwicklungen, auf denen unsere Zukunft fußt, ausschließlich von Männern aus einem gewissen sozialisierten Bereich unserer Gesellschaft stammen. Ja. Frauen gründen zu wenig. Und verpassen damit die Chance, bessere Unternehmen zu schaffen. Ja. Frauen scheuen zum Teil auch Macht, weil sie das System nicht akzeptieren wollen, dass sie damit in Kauf nehmen müssten. Auch ich bin nicht mehr in Konzernen tätig. Und fasse mir an die eigene Nase: Wie ändern wir diese mächtigen Strukturen zum Besseren, wenn nicht durch unsere Anwesenheit und unser Mitwirken?

„Uns droht der Tech-XIT“

Ähnlich zog sich dieser rote Faden der Bedenken auch durch den Panel „Wie modern ist Deutschland?“ der sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigte. „Gute Frauenförderung geht über Förderung der guten Männer“, so Mirja Telzerow. Das stimmt. Bewegung tut gut. Nicht nur dem menschlichen, sondern auch dem unternehmerischen Organismus. Das heißt auch nicht immer gleich, neue Menschen zu suchen, neue Besen, die in den Ecken kehren. Sondern schon die interne Jobrotation kann dazu beitragen, die Dinge neu zu betrachten. Bei der Telekom sind aktuell nur zehn Prozent Frauen in Führung. Es droht die männliche Digitalisierung. Obwohl überall statiert wird: Der alte Typ Manager ist tot, sind immer noch genau diese Männern an der Macht. „Dabei braucht es die Fähigkeit, übergreifend zu denken. Nicht technisch. Sondern den Nutzen vor allem auch für den Kunden im Fokus zu haben. Empathie zu entwickeln für dessen Bedürfnisse und damit erfolgreiche Produkte.“ Claudia Nemat hat eine klare Vision, doch wie kommen wir dahin?

Der anschließende Dialog zwischen Frank Thelen und Doro Bär sorgte dann übergreifend für kollektives Stirnrunzeln. Vor allem Frank Thelen präsentierte sich enorm schwach mit plakativen Aussagen ohne Substanz. Er wünschte sich für Deutschland, drei Jahre China zu sein und dann zurückzukehren in deutsche Systeme. Er forderte die Abschaffung von Föderalismus. Alles sicherlich diskussionswürdig – aber enorm falsch, wenn diese Forderungen keine Tiefe gewinnen. Ich reagiere mittlerweile sehr allergisch auf diese Chinafans, die komplett entkoppeln, mit welchem Preis in diesem Land der digitale Fortschritt bezahlt wird. Dazu bin ich nicht bereit. Da bleibe ich lieber genervt von der Langsamkeit in Deutschland und versuche diese zu beschleunigen.

Doro Bär war in ihren Aussagen zum Bildungssystem deutlich pragmatischer an den Wurzeln unserer Ängstlichkeit gegenüber der Digitalisierung unterwegs. Sie wies darauf hin, dass StartUps nicht immer eine bessere Welt schaffen, sondern im Gegenteil aktuell wegen Sexismus und oftmals mangelnder Diversität eher in den negativen Schlagzeilen stehen. „Wenn ihre Tochter als sprachbegabt gilt, schauen sie doch mal in Richtung Programmiersprachen!“ – fand ich einen guten Hinweis, die Dinge mal anders zu betrachten.

Alles weitere findet sich wie gehabt in meinen Aufzeichnungen. Analog. 😉

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