Ausschnitt aus dem am Ende des Beitrages verlinkten Video. Du siehst einen Videocall. Links ein Raum mit mehreren Menschen, rechts Katja Diehl.

Rage becomes us?

Mein Gesichtsausdruck in diesem Video sagt:

„Ich höre aufmerksam zu (und warte auf Verständnis für alle ohne Auto.“ 🧘‍♀️

Mein Inneres sagt:

„Komm von deinem Verständnis für das Kulturgut Auto bitte in das für das Kulturgut Mensch!“ 🧘‍♀️

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Da alles online nachschaubar ist (Link in den Kommentaren), hier ein Ausschnitt aus meinem gestrigen Vortrag bei UTOPIA velo. (Danke an Dorothee Wiebe für die Einladung!) Ich habe gelernt, immer besser zuzuhören, abzuwarten, was mein Gegenüber an Argumenten und eigenen Ideen bringt. Warum? Weil ich immer noch diese kleine Hoffnung hege, dass hinter dem vielzitierten Verständnis für Autokultur vielleicht doch noch echte Argumente für menschenzentriertes Handeln für eine gute Zukunft für alle stecken. Von denen ich lernen kann.

Wie ist es eigentlich mit unserer Wut über ungerechte Zustände versus Wut über den Verlust von Autoprivilegien?

Dem Wunsch zu überleben versus Dominanz des Autos über Lebensräume?

Die Wut der Autofahrenden, wenn ihre Komfortzone gestört wird, wird als legitime Bürger*innenprotest behandelt. Sie sorgt dafür, dass jede Veränderung zum Wohle aller blockiert werden kann. Weil man sie versteht, sie mitnehmen will, sie sorgsam behandeln und nicht stören möchte.

Die Wut der Menschen, die unter Lärm, Smog und Angst leben müssen – also unter der Autodominanz -, wird hingegen oft gemaßregelt. Als „unrealistisch“. Als „zu radikal“.

Das ist dysfunktional. Wir stellen Transportmittel über Menschen. Wir fragen nicht: „Wie kann es allen gut gehen?“, sondern: „Wie können wir so viele Autos wie möglich durch die Stadt bekommen?“ Es wird nicht funktionieren, das Autosystem NICHT zu regulieren UND Verbesserungen für alle zu schaffen, die nicht im Auto sitzen. Von Klimaresilienz will ich gar nicht erst beginnen.

Andere Städte haben das längst begriffen. In Helsinki gibt es seit Jahren keine Verkehrstoten mehr. Durch Priorisierung von Leben statt Stahl. Durch Fokus auf die, die im Autosystem geschwächt und gefährdet werden.

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Als Frau in einem männerdominierten Bereich habe ich jahrzehntelang gelernt, meine Stimme zu senken. Ich hatte den Kontakt zu meiner gesunden Wut verloren – jener Wut, die bei mir entsteht, wenn es im Status Quo NICHT allen gut geht, dieser aber kopflos verteidigt wird. Er ist kein guter Zustand!

Ich bin wieder im Kontakt zu meiner weiblichen Wut, denn seien wir ehrlich: Mit Phlegma verändern wir die Welt nicht. Meine Wut ist faktenbasiert, menschenzentriert, denkt alle mit. Ist sie deswegen illegitimer als die Wut von Automenschen, wenn sie ihre Privilegien verlieren?

Wie seht ihr das?

Ich freue mich, wenn ihr das Snippet ganz schaut. Denn mein Plädoyer für Lebensqualität ist mir wichtig. Aber vielleicht liege ich damit völlig falsch?

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