Offener Brief eines Automechantronikers

Bei Twitter hat es für viele immer den Anschein, dass ich das “Auto hasse”, die Autoindustrie als “Feind:in” sehe und destruktiv agiere. Umso mehr freue ich mich, dass “hinter den Kulissen” mit mir viel vertraulicher Austausch gesucht wird. Von jenen, die in dieser Branche tätig und selbst fassungslos sind, in welche Richtung deren oberste Leitung nun aufgrund der Corona-Krise steuert. Der Absender dieser “Briefes” ist mir bekannt, ich halte ihn natürlich anonym, denn seine Worte werden nicht alle begeistern. Aber sie sind wertvoll für einen echten Rundumblick auf den Autogipfel morgen, der exklusiv ist und viele ausschließt. Vor allem auch die Klimazukunft und viele Teile der Gesellschaft. Danke dir, lieber Automechatroniker F., dass du mir vertraust. Ich gebe deine Gedanken hiermit gerne weiter.

Ich halte von einer generellen Abwrackprämie absolut nichts. Es wäre eine extreme Belastung für die Umwelt und eine enorme Belastung für Menschen die in Autohäusern und Werkstätten arbeiten. Ich habe die letzte Abwrackprämie mitgemacht und das war absolut kein Spaß. 

Aber erstmal zur Umwelt.

Bei der Abwrackprämie werden absolut gut funktionierende, alte Autos entsorgt und gegen neue eingetauscht. Klar haben die eine bessere Schadstoffbilanz als die alten Autos, aber gerade bei Benzinern ist das nicht wirklich viel. Zudem ist die Produktion des Autos extrem belastend für die Umwelt, das sind mehrere tausend Tonnen CO2 und andere Schadstoffe, die da in die Welt frei gesetzt werden. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die neuen Autos absolut nicht so lange halten werden, als die, die schon da sind.

Ich kann mal unsere beiden Autos vergleichen.

Meine Frau hat einen alten Golf 3 mit 60PS, der hat jetzt knapp 260tkm runter und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Die Ersatzteile sind extrem günstig, der Verbrauch liegt bei etwa 7-8l auf 100km, das ist für das Baujahr 1995 völlig in Ordnung. Das Auto hat also schon 25 Jahre gute Dienste geleistet, fährt immer noch sicher zur Schule und zu Seminaren.

Ich hingegen habe einen relativ neuen Ford Fiesta, 100PS Ecoboost, den wir aus reinen Kostengründen angeschafft haben. Er war seeeehr günstig und aufgrund der Garantie muss ich mir keine Sorgen machen, wenn mal was kaputt geht. Ja, ich könnte es selber reparieren, aber die Ersatzteile kosten Geld, es ist oft komplizierter als am Golf und die extra Stunden Arbeit sind schon sehr belastend. Das war das Problem mit dem Auto davor. Dieses Auto ist eigentlich einfach zu warten, jedoch bin ich mir bei der Haltbarkeit des Motors extrem unsicher. Es ist ein Turbomotor, das setzt eigentlich schon mal eine andere Fahrweise voraus, um dem Motor keinen Schaden zuzufügen. Diese Änderung der Fahrweise schaffen die meisten Kunden nicht richtig, ergo der Motor/Turbolader geht kaputt und muss ersetzt werden; wieder hohe Umweltbelastung. Erschwerend hinzu kommt, dass der Motor sehr verkompliziert wurde, um Kraftstoff zu sparen und so den Co2 Ausstoß zu minimieren. Der Zahnriemen läuft im Öl, muss nach 210tkm oder 10 Jahren getauscht werden und das wird dann der Punkt sein, wo viele dieser Autos mit diesen Motoren wohl auf dem Schrott oder im Ausland landen und sich ein neues KFZ gekauft wird. Der Wechsel ist so extrem kompliziert, es würde den Kunden knapp 1500€+ kosten, nur um ein Verschleißteil zu tauschen.

So ist es mit vielen neuen Autos.

Ich habe vorher bei Volvo gearbeitet und die haben so an ihrem Diesel festgehalten, dass die nur noch nicht funktionierenden Kram eingebaut hatten. Wir hatte mit extrem vielen Motorschäden zu kämpfen, was für eine enorme Verschwendung.

2009 zur damaligen Abwrackprämie sind Autos verloren gegangen, das hat mir damals das Herz gebrochen, weil ich da noch richtiger Autonarr war. Aber auch heute würde mir das weh tun, weil alte Autos, so lange sie am Leben gehalten werden, besser für die Umwelt sind als neue Autos mit Benzin oder Dieselmotoren.

Bei Elektro bin ich mit momentan noch sehr unsicher, was die Umweltbilanz sagt, wie lange diese Fahrzeuge halten werden, wie sinnvoll das ganze eigentlich ist. Dazu sei auch gesagt, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass alle Leute, die so eine Prämie in Anspruch nehmen werden, auch wirklich ein umweltfreundlicheres Modell kaufen werden. Die Leute kaufen immer und immer schnellere Autos, immer mehr Leistung, was einfach total unnötig ist.

Gedankensprung: ein Tempolimit könnte hier auch das Kaufverhalten beeinflussen. Wer nicht mehr mit 250 fahren kann, kauft vielleicht auch kein leistungsstarkes Auto mehr. So, das sind so meine Gedanken dazu. Kurz: Autos erhalten statt neue kaufen.

PS.: Ja, an der Autoindustrie hängen extrem viele Existenzen, auch außerhalb der Produktion, dem Vertrieb da z.B. kleinere Läden in Industriegebieten von den Menschen abhängen die dort einkaufen. Auf den ersten Blick ist unsere Autoindustrie erhaltenswert, wenn man sieht, was für ein enormer Rattenschwanz an Menschen, die direkt oder indirekt damit zu tun haben, hinten dran hängt, jedoch denke ich, dass gerade die großen Firmen genug Geld haben, um so eine Zeit ganz einfach zu überbrücken.

Beispiel Ford: nach dem Brexit ist die Produktion des Fiestas stark eingebrochen, Arbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt (nur noch vier Tage die Woche) OHNE auf Gehalt zu verzichten, weil Ford enorm viele Rücklagen hat. Vielleicht sollte VW einfach mal auf irgendwelche Prestige-Objekte, wie Bugatti, was deutlich mehr Millarden an Geld schluckt, als das es was bringt, verzichten.
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