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Gedanken zur Autokorrektur Nr. 9

Lassen Sie uns diskutieren. Denn keine:r von uns kennt den gesamten Weg, den wir beschreiten müssen, um die Klimakatastrophe abzumildern UND den Umbau der AUTO- zur Demokratie auf der Straße sozial verträglich und barrierefrei zu gestalten.

Das geht nur außerhalb der Komfortzone. Ich selbst habe mal gedacht, dass das, was wir „erfolgreich“ nennen, nur auf harter Arbeit beruhen kann. Was umfassend nicht stimmt. Daher habe ich nicht nur heute bei Twitter geschrieben:

Ich heiße Katja Diehl. Ich bekomme Wohnungen und Jobs wegen meiner Zugehörigkeit zur weißen „Mehrheitsgesellschaft“ – wegen meines Passes lebe ich sicher – in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt. Das wurde mir geschenkt, das habe ich nicht erarbeitet. #WhitePrivilege

Und ja, dabei ist auch ein wenig Schmerz, obwohl dieser komplett irrational ist, weil „Erfolg“ nicht darüber definiert sein kann, dass andere, die das „Gleiche“ unter sehr viel schwierigeren Bedingungen erreicht haben, meine „Leistung“ mindern. Aber es sollte uns, die wir der „Normgruppe“ zugehörig sind, mit Demut erfüllen, dass wir ein großes Geschenk erhalten haben, das auch bedeutet, Verantwortung dafür zu übernehmen, gutes Leben für alle zu gestalten.

Oder haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie Sie Ihre Mobilität mit 40,27 Euro bestreiten könnten?

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Ein völlig anderes, aber auch mit Mobilität verknüpftes Thema enthüllte heute das International Consortium of Investigative Journalists, das auch schon in Sachen Panama Papers erfolgreich recherchierte.

How Uber won access to world leaders, deceived investigators and exploited violence against its drivers in battle for global dominance

Wer meine Arbeit kennt, weiß, wie kritisch ich all diesen aufgeblähten Internetblasen gegenüberstehe. Ich komme mir dabei immer vor, als beobachte ich das Sterben einer eigentlich guten und holistischen Idee, die zu einer milliardenschweren Internetwette wird und ihre Werte dabei verliert, die zu Beginn zu ihrer DNA gehörten.

„Als sich Uber von einem abenteuerlichen Silicon-Valley-Startup zu einem weltumspannenden Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen entwickelte, präsentierte es sich als Vorreiter der digitalen Revolution.

Doch das Tech-Unternehmen verfolgte seine Agenda auf altmodische Weise. Die Skandale und Fehltritte von Uber in den Vereinigten Staaten – von der Bespitzelung von Regierungsbeamten bis hin zu undichten Stellen über das Fehlverhalten von Führungskräften – waren Gegenstand von Büchern, Fernsehserien und Zeitungsuntersuchungen.

Jetzt enthüllt ein neuer Leak, wie die Führungskräfte des Ride-Hailing-Riesen in neue Märkte vordrangen und dann die Folgen bewältigten, indem sie viel Geld für eine globale Einflussmaschine ausgaben, um die Gunst von Politikern, Aufsichtsbehörden und anderen Führungspersönlichkeiten zu gewinnen, die oft bereit waren, mitzuhelfen.

Die Aufzeichnungen, die Uber Files, wurden von der Zeitung The Guardian beschafft und an das ICIJ und 42 weitere Medienpartner weitergegeben. Sie enthalten E-Mails, Textnachrichten, Unternehmenspräsentationen und andere Dokumente aus den Jahren 2013 bis 2017, als Uber unter Missachtung lokaler Gesetze und Vorschriften in Städte eindrang, Steuern hinterzog und versuchte, vor allem das Taxigewerbe, aber auch Gewerkschaftsaktivisten in die Knie zu zwingen.“

Hier gehts zur Story, die hoffentlich dazu beitragen wird, dass wir uns in Europa auf andere, regionale und regelkonforme Systeme beschränken.

Und wor wir gerade bei Stories sind: Diese vermisse ich zunehmend in den klassischen Medien. Ich freue mich daher, wenn Sie folgende drei Projekte finanziell supporten, die ich beispielhaft herausgreifen möchte. Das Erste ist gerade besonders bedroht.

Perspective Daily

Seit 6 Jahren bringen wir die Zukunft zurück in den Journalismus: Für alle, die über Lösungen, statt nur über Probleme nachdenken wollen. Doch dass es uns weiterhin gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Um unseren Journalismus nachhaltig finanzieren zu können, brauchen wir 2.000 neue Mitglieder.

Hilf uns, dieses Ziel zu erreichen: Werde jetzt für 79 Euro Mitglied und sichere gemeinsam mit anderen die Zukunft von Perspective Daily!

Correctiv.org

Recherchen für die Gesellschaft

CORRECTIV ist eine gemeinnützige und unabhängige Redaktion.

Wir bringen systematische Missstände ans Licht und stärken eine demokratische und offene Zivilgesellschaft. Wir stehen für investigativen Journalismus. 

Krautreporter

Unabhängiger, werbefreier Journalismus, das ist unser digitales Magazin. Wir recherchieren gründlich und liefern Qualität. Das Versprechen: Wer Krautreporter liest, ist nicht nur gut informiert, sondern versteht auch die Zusammenhänge hinter den Nachrichten. Ermöglicht durch tausende Mitglieder.

Was mich sehr freut, ist das positive Beben, das im ersten Monat des 9-Euro-Ticket entstanden ist.

Nach der Einführung des 9-Euro-Tickets sollen die Tarife im ÖPNV auch langfristig vereinfacht werden. Der Verkehrsminister fordert eine strukturelle Veränderung. „Wenn die komplizierten Tarifzonen verschwinden und die Tickets bundesweit gelten, wird der öffentliche Nahverkehr sehr viel stärker genutzt. Wir sollten deswegen endlich Wege finden, den Tarif-Dschungel in Deutschland zu beenden.“

Und auch der Minister aufgerufene Preis für eine Verstetigung einer Flatrate in Deutschland scheint leicht finanzierbar: Wissing beziffert den Preis der Verstetigung des #9EuroTickets mit jährlich 10 Milliarden Euro. Klimazerstörerische Subventionen abzubauen, macht dies ad hoc möglich. Z. B. Kerosinsteuer erheben und das fossile Dienstwagenprivileg abschaffen. Das Umweltbundesamt listet weitere Milliardentöpfe auf. Aktuelles Papier zum Thema.

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Ich bin seit heute stolze Kolumnistin im Landbrief. Meinen Text zur Mobilitätswende im ländlichen Raum habe ich auch auf meine Webseite gestellt. Freue mich über Feedback zu meinen Gedanken!

Auszug:

  • Die Anzahl der Wege, die wir am Tag machen, hat sich nicht verändert, aber die Länge unserer Wege. Dementsprechend freue ich mich, wenn ländliche Strukturen wieder dörflich werden, in dem Sinne, dass durch kürzere Wege weniger Autoabhängigkeit entsteht. Ich sehe viele Chancen, indem wirCo-Working auf dem Land etablieren,
  • sichere Radwegesysteme bauen,
  • stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren und
  • die Nahversorgung wieder an die Menschen heranbringen, etwa den Tante-Emma-Laden im Dorfkern.

Was in der Stadt nervt, könnte auf dem Land helfen.

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Sehr motiviert hat mich der Auftakt zur ÖPNV-Strategie 2030 in Baden-Württemberg. Bei allen Reden klang es an: Die Ziele von Verkehrsminister Winfried Hermann seien „ambitioniert“. Ja!!! Bitte!! Wie sonst wollen wir das Wettrennen gegen die Zeit noch gewinnen, wenn nicht mit großartigen Visionen und konkreten Maßnahmenplänen? Baden-Württemberg ist da besser aufgestellt als die Bundespolitik scheint es.

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Auszug aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung:

Die Buchautorin und Verkehrsexpertin Katja Diehl, deren Teilnahme an der Veranstaltung im Vorfeld vonseiten der Landtags-FDP kritisiert worden war, unterstrich in ihrem Vortrag die Notwendigkeit einer „neuen ÖPNV-Kultur“. „Ohne dass gleichzeitig die Privilegien des Autos fallen, wird sich jedoch nichts ändern“, betonte Diehl.

Hier geht es zur Strategie.

Und abschließend mal eine differenzierte Sicht auf Aktivist:innen aus der ZEIT:

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Mehr als nur Selbstdarsteller

Klimaaktivisten wird oft vorgeworfen, sie seien ichbezogen oder ideologisch. Doch die Bewegung treibt etwas anderes an.

Blockaden, Besetzungen, Sabotagen, Hungerstreiks. Das Heer der Umweltaktivisten wächst, mit jedem Sturm, jeder Überschwemmung, jedem Versäumnis der Politik. Doch ist solch ziviler Ungehorsam die richtige Antwort auf die Klimakrise?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man erst einmal ergründen, wo die Klima- und Umweltaktivisten historisch herkommen, welchen Platz sie im Gefüge der Gegenwart einnehmen und was sie für die Zukunft wollen. Erst dann kann man richtig über sie streiten.

Ich hoffe, dass mir eine gute Mischung von Themen gelungen ist.

Freue mich auf Ihre Kommentare, Hinweise, Ergänzungen.

Herzlicher Gruß – Katja Diehl

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