1994 hat Deutschland Artikel 3, Satz 2 ins Grundgesetz geschrieben:
„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Das ist 32 Jahre her.
Seitdem wurde das iPhone erfunden. Seitdem reden alle über KI. Seitdem ist das autonome Fahren das größte Versprechen der Mobilitätswelt. Und seitdem müssen sich Menschen mit Behinderung immer noch selbst informieren, ob die Wege, die sie zurücklegen wollen, überhaupt möglich sind.
Auf der re:publica habe ich mit Raul Krauthausen darüber gesprochen.
Andere Themen bringen Massen auf die Straße. Für die Exklusion von 13 Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland interessieren sich vor allem – die Betroffenen selbst. Raul hat dafür einen Begriff geprägt, der mich nicht loslässt: interessiertes Desinteresse.
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E-Scooter auf dem Gehweg – und plötzlich kümmert sich alle Welt um Blinde. Gleichzeitig stehen 50 Millionen Autos auf Blindenstreifen und vor abgesenkten Bordsteinkanten. Kein Aufschrei. Neue Infrastruktur wie Ladesäulen sind unter fünf Prozent barrierefrei konzipiert, das autonome Fahren von privatwirtschaftlichen Anbieter*innen wie MOIA schließt Behinderte von Beginn an mit dem Versprechen auf „machen wir später“ aus.
Wenn wir für die designen, die es am nötigsten brauchen, gewinnen am Ende alle.
Es ist bis heute nicht geklärt, wer im autonomen Fahrzeug den Rollstuhl befestigt. Wer hilft, wenn etwas schiefgeht. Die Technik fährt – aber wer kümmert sich um den Menschen?
Das autonome Fahrzeug wird vor allem deswegen gehypt, weil man keine*n Fahrer*in mehr bezahlen muss. Der Mensch im System ist das Teuerste – und das Erste, das wegoptimiert wird. Aber genau dieser Mensch ist oft das, was Barrierefreiheit erst möglich macht.
Was braucht es?
Barrierefreiheit als verbindliche Finanzierungsbedingung für öffentliche Infrastruktur. Vollständige Datentransparenz über den Ist-Zustand. Menschen mit Behinderung nicht als Zielgruppe, sondern als Expert*innen in Planungsprozessen. Konsequente Sanktionen bei Verstößen.
Und: aufhören, Inklusion als Sonderthema zu behandeln.
Danke, Raul, für dieses Gespräch.
Und für unsere Freundschaft.
Foto: Andi Weiland <3


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