„Naming oppressive realities, in and of itself, has not brought about the kinds of changes for oppressed groups that it can for more privileged groups, who command a different quality of attention.“ bell hooks

Wenn dein Feminismus nicht intersektional ist, nenne ihn bitte nicht so.

Ich weiß aus eigener, jahrelanger und bei weitem noch nicht abgeschlossener Wachstumserfahrung, wie schmerzhaft es ist, das loszulassen, was andere als „Erfolg“ vom Schiff aus dechiffrieren können.

– Titel
– Organigrammposition im Unternehmen
– Sichtbarkeit
– Unsichtbarkeit im Sinne von „ich entspreche der Norm und kann mich in vielen Räumen selbstverständlich bewegen“
– Zugang zu vielen Räumen
– Bildung
und so viel mehr.

Ich wurde als cis Kind weißer Eltern mit deutschem Pass in Deutschland geboren. Mein Vater war der Erste, der in seiner Familie als Arbeiterkind studierte und meiner Kernfamilie somit die Grundlage für den Zugang zu Bildung und einer Kindheit ohne Armut legte.
All das habe ich mir nicht verdient oder hart erarbeitet, sondern in der Geburtslotterie gewonnen.

Und das macht mich jeden Tag demütiger, weil ich täglich mehr Lebensgeschichten mitbekomme, die beweisen, dass das Versprechen „von der Tellerwäscherin zur Millionärin“ genauso vergiftet ist wie die Feststellung, dass harte Arbeit ausreicht, um sich in Deutschlands „Mitte“ bewegen zu können.

Ich will jetzt nicht wiederholen, warum es entsetzlich ist, dass Privilegierte auch 2023 erst dann wach werden, wenn es mal an die eigenen staatlichen Leistungen geht.
Ich will vor allem an uns Frauen appellieren, bei jedweder begründeter Wut und der Suche nach einer Aktion gegen Benachteiligung einmal kurz innezuhalten und mich/sich zu fragen:

– Gebe ich oder nehme ich Raum?
– Inkludiert oder exkludiert meine Aktion?
– Handle ich intersektional?
– Nutze ich meine Reichweite für Menschen, die mir ähnlich sind in Status und Zugriff auf Räume, oder ist mein Absatz intersektional?
– Und wenn dem so ist: Sollte ich die Bühne einer anderen Frau* überlassen, die marginalisierter ist als ich, um zu zeigen, dass wir das System hinterfragen und nicht einzelne Symptome.


Mir haben unter anderem die Blickweisen von bell hooks geholfen, die als schwarze Person uns Weißen z. T. sehr schmerzhaft spiegelt, dass wir zu oft noch in der Komfortzone bleiben.
Vielleicht ist diese misslungene Kommunikation rund um das Elterngeld endlich vielen Frauen* ein Anlass, intersektionale Banden zu bilden, um beim nächsten Regierungsfehltritt als Gemeinschaft der vielen aufzutreten. Mit zuvor nicht gekannter Solidarität und Stimme.

Mich würde das freuen uns entlasten.

2 Antworten zu „Wenn dein Feminismus nicht intersektional ist, nenne ihn bitte nicht so.“

  1. Das erinnert mich ein wenig an die reichen Frauen in Chile, die kurz vor dem gewaltsamen Sturz des linken Präsidenten Salvador Allende nach seinem Versuch, Privilegien der Reichen zu kürzen, den Marsch der leeren Töpfe durch die Straßen Santiagos inszenierten. Frauen, die vorher noch nie demonstriert hatten und auch noch nie einen Topf angefasst haben.


    1. Es ist so schade. In Island haben seinerzeit alle Frauen die Arbeit niedergelegt, seitdem wurde Island zum Land ohne Gender Pay Gap.
      Nur zusammen gehts!


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