Ich mache mir viele Gedanken, wo die Ansatzpunkte sind, aus dem Verkehr rauszukommen und Mobilität für alle zu erreichen. Ich habe im Kopf acht “Mangelszenarien”, die die Verkehrswende bedingen und bremsen. Es mangelt uns an #Mut. Mut vor allem auch zur Wiederbelebung. Zum einen der einst weit verbreiteten nachhaltigen Mobilität in der Stadt per Fuß und Rad sowie ÖPNV, als auch des Stadtraums an sich, der wieder den Menschen zugeführt wird, die nicht alleine in zwei Tonnen Stahl sitzen, sondern den Raum wertschätzen, indem sie ihn wahrnehmen. Zurück zu unseren Wurzeln als langsames Subjekt, das für fünf km/h geboren wurde – und nicht für mehr als das Zehnfache. Darum geht es im nächsten Teil: Unser Mangel an #Zeit.

Es fehlt uns aber an #Mut zu echten Maßnahmen und nicht Pflastern auf Wunden. Ja, es hängt viel dran an diesem Wandel, doch wenn wir nicht allmählich den Startschuss geben, verlieren wir auch wirtschaftlich den Anschluss an Länder, die „einfach machen“. Wir haben Klimaverträge unterzeichnet und scheinen diese NULL ernst zu nehmen. 2017 wurden 171 Millionen Tonnen CO²  durch privaten PKW-Verkehr ausgestoßen (Quelle Umweltbundesamt). Und damit mehr als in den letzten 19 Jahren. Verhöhnung der Klimaziele kann nicht deutlicher gezeigt werden. Dennoch gilt, seitdem ich lebe: „Freie Fahrt für freie Bürger.“ Zulassungszahlen steigen, weil Frauen auch arbeiten und ihre Wege mit dem PKW machen – 45 Minuten im Durchschnitt am Tag bewegen sich diese Autos. Autohersteller setzen auf immer wuchtigere SUV-Ungeheuer – und nichts passiert. Im Gegenteil: Noch weniger Platz im urbanen Gelände ist die Folge. Dabei wünschen sich 82 Prozent der Bevölkerung, in Städten und Gemeinden zu leben, in denen man nicht auf ein eigenes Auto angewiesen ist.

Beispiel Schweiz (und ja: NICHTS lässt sich eins zu eins übertragen, aber anregen lassen könnten wir uns doch mal) – Quelle VÖV:

„Die Nachfrage im öffentlichen Verkehr der Schweiz wird bis 2040 um 51 Prozent zunehmen, im Schienengüterverkehr sind es deren 45 Prozent. Damit diese Nachfrage … auch künftig bewältigt werden kann, braucht es – neben einer effizienteren Auslastung der bestehenden Infrastruktur – einen Ausbau des Fahrplanangebotes. Damit dies ermöglicht werden kann, werden große Investitionen in die Infrastruktur benötigt. 12.89 Milliarden Franken.

  • Der Schienenverkehr in der Schweiz zeichnet sich aus durch eine flächendeckende Versorgung – auch in die entlegensten Täler und Regionen.
  • Durchgehende Billette und kundenorientierte Angebote, wie das General- und Halbtaxabonnement, gewähren hohen Komfort.
  • Das öV-System der Schweiz ist offen: Ein Billett von A nach B ist unabhängig von Zugtyp und Tageszeit auf allen Zügen gültig.
  • Der vernetzte Taktfahrplan schafft eine durchgehende Transportkette über alle Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Schiff, Seilbahn).

Damit bekennt sich die Schweiz eindeutig zu menschen- und nicht technikzentrierter Mobilität. Unsere deutsche Begeisterung für das Auto liegt in einer industriellen DNA – die uns momentan enorm lähmt, Verkehr in Mobilität zu überführen. Wir scheinen unter einem genetischen Defekt zu leiden, auch nur ansatzweise Mobilität ohne private PKW zu denken. Das liegt an mangeldem Mut, deutlich in nachhaltige Verkehrsträger zu investieren und diese zukunftsfähig und attraktiv zu machen. Ohne Moos nix los.

Irland lässt ab 2030 keine Verbrenner mehr zu. Blick zu den Nachbarn: Norwegen plant, das bereits von 2025 an, Dänemark, Schweden und Island ziehen ebenfalls ab 2030 nach. Großbritannien und Frankreich wollen 2040 folgen.

Und das ist nur eine von 180 irischenMaßnahmen – von Gebäudeeffizienz bis zu einem Bann von Einwegplastik. Denn: Zu 85 Prozent hängt Irlands Wirtschaft grad von fossilen Brennstoffen ab. SO erreicht sich kein Klimaziel. Daher: Es werden Fakten geschaffen, Strafen auferlegt und ein Zieljahr formuliert. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich alle vorzubereiten, ihre Produktion entsprechend umzustellen.

https://static.rasset.ie/documents/news/2019/06/climate-action-plan.pdf