“Mobilität braucht Diversität – sonst bleibt es beim Verkehr.” 

Diese These habe ich am Samstag beim Urban Mobility Day der BVG auf dem EUREF-Campus in Berlin in einem “Mini-TED-Talk” vertreten. In der Vorbereitung mit den Veranstaltern entschieden wir uns für dieses kurzweilige Format, um die vielen Facetten zur Geltung kommen zu lassen, die Mobilität innehat. Bei den “Future Talks” war ich dann die Erste, die zum Mikro greifen durfte.

Ich bat das Publikum, mit mir zusammen zunächst einen Schritt zurückzugehen. Denn bei aller Diskussion um neue Mobilitätsformen, Freigabe von Fußwegen für neue Transportmittel und Änderung von gesetzlichen Rahmenbedingungen für digitalisierte Angebote im öffentlichen Raum sollten wir uns fragen: Haben wir den Absprungpunkt für neue Mobilität gut vorbereitet? Sind wir kundenzentriert aufgestellt und wissen wir, was Menschen aus PKW holen kann, in denen sie heute noch alleine sitzen während ihrer durchschnittlich 45minütigen Fahrten je Tag?

Ich glaube (Sie ahnen es): NEIN. Es gibt noch einiges zu tun innerhalb der Gruppe von Menschen, die heute die Auto-, ÖPNV-, Fahrrad- und Fernverkehrsmobilität gestaltet. Gerade weil diese Gruppe aktuell noch so homogen ist, sind wir dort, wo wir uns jetzt befinden: Im Stau der Städte trotz vieler innovativer Mobilitätstestangebote und im “abgehängten” ländlichen Raum, dessen Einwohner müde lächeln, wenn vom Umstieg auf digitalisierte Verkehrsangebote die Rede ist. Weil bei ihnen noch nicht mal stündlich ein Bus fährt.

Der Wandel ist natürlich fluide, er geschieht in Produkten, Konzepten, Stadtgestaltung und Anbindung des ländlichen Raumes. Er muss aber auch den Blick auf das verändern, was wir so vollmundig als Mobilität bezeichnen, was aber momentan nur das Auto kann: Kundenbedürfnisse ad hoc befriedigen. Zu wissen, ich komme, wann ich auch immer will zum Zielpunkt meiner Wahl – nur indem ich einen Schlüssel umdrehe, das erweckt hohe Bindung an den PKW. Lust auf Wandel kann daher nur machen, wer “idiotensichere” und spannende Konzepte entwickelt, die eine echte Alternative zum Auto darstellen. Dazu bedarf es der Menschen, die ihre Silos verlassen. Die mit anderen Mobilitätsanbietern kollaborieren, obwohl zuvor Zusammenarbeit undenkbar war. Die als Gruppe alte und junge, männliche, weibliche und diverse Menschen mit unterschiedlichen Bildungs- und Kulturhintergründen zusammenbringt, um Mobilität neu zu denken. Nicht in Fahrzeugen, sondern in Bewegung.

Mein Gedanke: Erst wenn die Anforderungen einer berufstätigen Mutter an ihre Mobilität erfüllt werden (und diese wechseln aufgrund alter Rollen momentan noch viel öfter als beim Mann multimodal zwischen Einkauf, Pflege, Kindergarten und damit zwischen Transport, Sicherheit, Verlässlichkeit), können wir selbstbewusst von Mobility-as-a-Service sprechen.

Der Text erschien zunächst im Rahmen meiner “Insider-Tätigkeit” für Xing.

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