#Fairkehrswende jetzt!
Die Niederlande haben die beste Fahrradinfrastruktur der Welt nicht trotz, sondern wegen ihrer Geschichte – und die beginnt mit Wut.
1971 starben in den Niederlanden über 3.000 Menschen im Straßenverkehr, fast 500 davon Kinder. Die Bewegung, die daraus entstand, hieß „Stop de Kindermoord“ – Stoppt den Kindermord. Sie war klug, weil sie sich bewusst an Politiker*innen nicht als Amtsträger, sondern als Eltern wandte.
Und sie war unbequem: Straßen wurden blockiert, der Alltag radikal gestört, bis Gehör erzwungen war.
Zwei Jahre später kam die Ölkrise. 1973 fuhren in den Niederlanden sechs Wochen lang kaum Autos – nicht weil jemand es angeordnet hatte, sondern weil das Benzin fehlte. Die Fahrradverkäufe verdoppelten sich. Und eine Gesellschaft erlebte am eigenen Körper, was es bedeutet, nicht abhängig zu sein.
Städte, die an diesem Punkt begannen, in Radinfrastruktur zu investieren statt in Autobahnen, machten eine einfache Rechnung:
Radwege sind billiger zu bauen, billiger zu unterhalten und billiger für den Staat, weil Radfahrende seltener krank werden und weniger Fläche verbrauchen.
Utrecht spart heute schätzungsweise 250 Millionen Euro jährlich allein durch den Radverkehr.
Das Ergebnis ist keine Askese, sondern Lässigkeit.
Die Niederlande haben nicht das Auto verboten – sie haben eine Wahl geschaffen.
Wer fahren will, fährt. Wer radeln will, radelt sicher, schnell und bequem.
Diese Wahlfreiheit ist das Gegenteil von Zwang.
Deutschland hat den entgegengesetzten Weg gewählt.
Jahrzehntelang wurde systematisch dafür gesorgt, dass Autofahren die einzig „rationale2 Option ist:
– Siedlungsstrukturen, die ohne Auto nicht funktionieren.
– ÖPNV, der nicht mithalten kann.
– Radwege, die aufhören oder gar nicht erst existieren.
Das ist keine Naturgewalt – das sind politische Entscheidungen, die Menschen in Abhängigkeit gebracht haben.
Und jetzt, wo Benzin wieder knapp und teuer wird, stellt sich dieselbe Frage wie 1973: Wer zieht diesmal die sozial gerechten und zukunftspositiven Konsequenzen?


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