Solidarisch sein, gerade wenn es unbequem wird. Das Schlimmste, was geschehen kann? Für immer Recht behalten, aber nie erhalten.

Solidarisch sein, gerade wenn es unbequem wird

Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, der für Gerechtigkeit einsteht? Für immer Recht behalten, aber nie Recht erhalten. Ich denke das immer öfter, weil ich es immer wieder erlebe – bei mir selbst und bei den Menschen, mit denen ich zusammenstehe.

Ich war solidarisch mit der Letzten Generation, als andere sich in Talkshows und Timelines eilig distanzierten. Und nein, es geht nicht darum, ALLES richtig zu finden. Auch bei mir beginnen SO viele Gespräche mit „Frau Diehl, alles, was sie so machen, finde ich ja nicht gut, aber….“. Als ob ich mit der Katja von vor zehn Jahren in allem einig sein würde, als ob ich mit mir 100 % einig wäre. Darum geht es nicht, mich verwirrt dieser Anspruch auch, oder legt ihr diesen auch an Freundschaften an? Also dann wäre ICH ziemlich einsam 😀

INSERT_STEADY_NEWSLETTER_SIGNUP_HERE

Ich bin dennoch mit diesen Menschen bedingungslos solidarisch, weil ich weiß, wie schnell Protest kriminalisiert wird, sobald er unbequem wird – und eher von „links“ kommt, was auch immer das sein soll. Denn „links“ ist für mich vor allem der Wunsch, dass es allen Meschen gleichermaßen gut geht. Das ist etwas, was rechts total fehlt – und uns damit fundamental unterscheidet. Ich bin 100 % Menschenrechts-, Grundgesetz-, Solidaritäts- und Empathieultra, diese Eigenschaft fehlt Menschen mit völkischem und rechtem Gedankengut. Ich bin solidarisch mit BIPoC, mit trans Personen, mit Armutsbetroffenen, mit Kindern, mit Queeren, mit Alten und Kranken – Marginalisierten. Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind – manche gleich mehrfach, weil sich Ungleichheiten überlagern und verstärken.

Das ist der Kern dessen, was ich unter Intersektionalität verstehe: Klimagerechtigkeit ist nie nur eine Frage von CO2-Bilanzen, sie ist immer auch eine Frage davon, wer die Folgen unserer Lebensweise am härtesten trägt.

In den letzten Tagen von Lützerath war ich vor Ort. Ich habe dort neben Pablo gestanden. Pablo kann nicht mehr nach Hause – weil er gegen RWE protestiert hat. Von seinem Volk leben noch 84 Menschen. Er hat mich etwas gefragt, das ich seitdem nicht mehr loswerde: Das CO2 von hier bleibt nicht hier. Was in einem rheinischen Braunkohleloch verbrannt wird, heizt den ganzen Planeten auf – und trifft zuerst die, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Diese Ungerechtigkeit ist für mich der eigentliche Skandal von Lützerath, mehr noch als der Verlust des Dorfes selbst. Und auch das Framing dieses Ortes als „leeres Dorf“ hat mich wütend gemacht. Denn dort lebten Hunderte Menschen. Ohne Mietverträge, ohne Lohnarbeit, in Tauschlogik mit den Einwohner*innen vor Ort. Deshalb waren sie unsichtbar für ein kapitalistisches System, dem sie sich bewusst entzogen. Aber sie waren da! Und ihnen wurde die Heimat genommen.

Und während Hitzewelle nach Hitzewelle über Europa und die Erde rollt, erlebe ich, wie selbst einst progressive Unternehmen und Parteien nicht nur beim Verbrenner den Rückwärtsgang einlegen. Klimaschutz wird verhandelbar, sobald er ins Geschäftsmodell oder in die Wahlumfrage eingreift. Genau deshalb braucht es jetzt mehr Haltung, nicht weniger. Haltung, die dagegenhält, wenn der gesellschaftliche Konsens wieder aufweicht. Haltung, die auch dann trägt, wenn sie unbequem ist – für mich selbst genauso wie für die Menschen und Organisationen, mit denen ich zusammenarbeite.

Genau das ist meine Arbeit: für eine Mobilitätswende einzustehen, die klimagerecht und sozial gerecht zugleich ist. Die nicht nur fragt, wie wir weniger CO2 ausstoßen, sondern auch, wer heute schon unter dem Status quo leidet – und wer morgen unter den Folgen unseres Zögerns leiden wird. Wenn dir meine Arbeit etwas wert ist, dann unterstütze sie. Und wenn du selbst gerade überlegst, ob du dich mit einer unbequemen Position solidarisch zeigen sollst: Tu es. Lieber jetzt unbequem als später Recht behalten, ohne dass es noch etwas geändert hätte. #Degrowth

Hier kannst du meinen Newsletter abonnieren. Einmal die Woche sende ich dir Neuigkeiten und Erkenntnisse rund um die intersektionale Mobilität – und kann davon meine Arbeit finanzieren.

Dir gefällt was ich tue?
1 × wöchentlich schaue ich in den Rückspiegel: Wo stehen wir in der Mobilitätswende? Und gebe Abonnent:innen exklusive Inhalte mit meinen Steady-Paketen:
INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dir gefällt, was ich tue?

Unterstütze mich gern! Du und ich: Wir sind ein Kollektiv!

Detailbeschreibung ausklappen

Ich freue mich sehr, wenn meine Arbeit dir Mehrwert bietet und du mich dabei unterstützen möchtest!

Um meine Projekte langfristig fortsetzen zu können, möchte ich mir ein Grundeinkommen sichern. Seit einiger Zeit habe ich ein unterstützendes Team um mich aufgebaut: Jemand kümmert sich um meine E-Mails, eine andere Person übernimmt meinen Instagram-Account, und ein weiterer Mensch mixt meinen Podcast ab. Auch mein Steuerberater und meine Rechnungsfee gehören dazu. Dieses Outsourcing entlastet mich enorm, bringt aber natürlich auch Kosten mit sich. Deshalb möchte ich im ersten Schritt diese Kosten decken und freue mich über jede Unterstützung.

Exklusive Inhalte und virtuelle Treffen

1 × wöchentlich schaue ich in den Rückspiegel: Wo stehen wir in der Mobilitätswende? Und gebe Abonnent:innen exklusive Inhalte.

Detailbeschreibung ausklappen

Für nur fünf Euro pro Monat erhältst du meinen wöchentlichen Steady-Newsletter. Es gibt auch weitere Pakete, die Gastzugänge oder größere Pakete für Unternehmen beinhalten, die bis zu 20 Zugänge für Mitarbeiter:innen oder Kolleg:innen bieten. Bei den größeren Paketen ist ein virtuelle