Rassismus und Neurechte auf der Frankfurter Buchmesse: Jasmina Kuhnke sagt Auftritt ab.

Meine Freundin Jasmina Kuhnke veröffentlicht heute ihr sehr persönliches Buch #SchwarzesHerz. Auf eine Lesereise, die neben dem Kontakt zu Leser:innen auch Einnahmen generiert, musste sie auf Anraten von Sicherheitsbehörden „verzichten“ – zu gefährlich ist es in Zeiten wie diesen, über #Rassismuserfahrungen in Deutschland zu sprechen.

Hinter den Kulissen hat sie lange vorbereitet, Gästin der Frankfurt Book Fair / Frankfurter Buchmesse zu sein.
Bei der #ARD Buchnacht und der Diskussionsrunde „Die Streiterinnen“ am Freitag.

Ich zitiere aus ihrem Statement von gestern:
„Ich habe es als große Ehre empfunden meinen Debütroman „Schwarzes Herz“ im Rahmen der Frankfurter #Buchmesse vorstellen zu dürfen. Da die Teilnahme wegen der Bedrohung durch Rechte für mich nur unter besonderen Schutzmaßnahmen möglich ist, wurde diese nicht angekündigt. Es wäre der erste und bisher einzige Live-Auftritt im Rahmen der Veröffentlichung meines Buchs gewesen.
Nun habe ich erfahren, dass der Verlag Jungeuropa „glücklich“ verkündet, dass er in „Halle 3.1 (Stand G1) „direkt neben den großen Bühnen des ZDF“ ausstellen darf. Verleger von Jungeuropa ist Philip Stein, ein Rechtsextremist.
Stein ist Leiter des rechtsextremen Gemeinschafts-Projekts „Ein Prozent für unser Land“ und hat öffentlich geschrieben, dass ich abgeschoben werden solle. Es ist damit absehbar, dass über den Verlag und Autor*innen hinaus weitere Rechtsextreme die Messe besuchen werden, was die Gefahr für mich persönlich gegenwärtig macht. Von der persönlichen Betroffenheit abgesehen empfinde ich es als untragbar, Nazis Raum zu bieten:
Was haben Nazis zu sagen, das wir nicht seit spätestens 1933 nicht schon von ihnen zu hören bekamen?
Ich rede nicht mit Nazis. Ich höre Nazis nicht zu. Ich lese keine Bücher von Nazis. Deshalb habe ich mich entschieden, zum Nachteil für die Präsenz meines Buches und die damit verbundene Werbung für dieses, meine Auftritte im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2021 abzusagen.

Selbstverständlich bedauere ich, dass mir nur das Mittel des Boykotts bleibt, um mich als Schwarze Frau zu schützen. Ich möchte den Verantwortlichen damit aufzeigen, dass die hier getroffene Entscheidung, Nazis den Raum zu bieten sich darzustellen, vor allem Konsequenzen für Betroffene wie mich hat.
Ebenso möchte ich die Verleger*innen und nichtbetroffenen Autor*innen an ihre Mitverantwortung erinnern: Ihr duldet, dass Nazis gemeinsam mit euch ausstellen! Ihr duldet, dass Menschen wie ich deshalb nicht teilnehmen können.

Ihr duldet, dass Menschen mit sichtbarer Migrationshistorie durch die Präsenz von Nazis auf dieser Messe gefährdet werden! Ich verstehe, dass Viele sowohl die finanziellen als auch beruflichen Konsequenzen nicht tragen wollen und können. Allen anderen wünsche ich viel Freude an dem Genuss des Privilegs, an der Frankfurter Buchmesse 2021 ohne Furcht um Leib und Leben teilhaben zu dürfen. Jasmina Kuhnke“

Ich empfehle, das Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.