Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, ein Mann zu sein und „einfach nur“ über Mobilität zu sprechen, ohne dabei erklären zu müssen, warum Frauen und Kinder andere Sicherheitsbedürfnisse im öffentlichen Raum haben.
Ohne parallel erklären zu müssen, warum Frauen und Kinder im öffentlichen Raum andere Sicherheitsbedürfnisse haben.
Ohne Shitstorms managen zu müssen. Ohne Mailbomber. Ohne den nächsten Kommentar abzuwägen, bevor ich ihn poste.
Einfach: Fachmensch. Thema. Publikum. Fertig.
So sieht die Realität vieler meiner männlichen Kollegen aus. Und ich beobachte, was Kapitalismus und unsere Gesellschaft belohnen.
Hyperloops. Flugtaxis.
Große Visionen für eine kleine Gruppe. Damit lässt sich Geld verdienen, Aufmerksamkeit gewinnen und Karriere machen.
Was ich mache, wird hingegen nicht belohnt – im klassischen Sinne, manchmal sogar eher bestraft. Ich denke breiter. Für alle. Für jene, die nicht schwach sind, sondern geschwächt werden. Die oft nicht einmal selbstbestimmt mobil sein können, weil sie bei der Planung von Infrastruktur und Sicherheit systematisch vergessen werden.
Dafür ernte ich regelmäßig den Kommentar:
„Katja, mach doch nicht immer diesen intersektionalen Feminismus!“
„Mach´ doch nur Mobilität!“
„Lass´ diesen und jenen Begriff weckt, der lädt doch aus!“
„Immer findest du einen Fehler!“
Als wäre es eine Marotte. Ein Hobby. Eine Wahl.
Ich mache es trotzdem. Nicht, weil es sich nicht auszahlt, sondern weil es jemand tun muss.
Und ich freue mich über alle, die mich dabei supporten.


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