Ich stehe auf der Wiese vor dem Bundestag und halte ein blaues Schild mit Autokorrektur.

Lohnt sich ein Elektroauto ohne eigene Lademöglichkeit? Und wer bezahlt das alles?

Vorweg: Die Mobilitätswende ist keine Antriebswende, sondern ein globales Gerechtigkeitsprojekt, das neben lokalen sicheren Radwegen und komfortablem, bezahlbarem ÖPNV auch den Willen enthält, nicht für ein Ding, das 23 Stunden und 15 Minuten am Tag rumsteht, weiter Ressourcen aus dem Globalen Süden zu rauben, Menschen auszubeuten und Natur zu zerstören.


Immer wieder höre ich dasselbe Argument: „Ein Elektroauto lohnt sich doch nur, wenn man zuhause laden kann.“ Und ja – wer eine Wallbox hat, fährt günstiger. Aber stimmt es wirklich, dass ohne privates Laden gar nichts geht? Und warum stellen wir uns überhaupt die Frage, wer das alles bezahlen soll, wenn das Geld längst da ist – nur an der falschen Stelle?


Wer ausschließlich an öffentlichen Ladesäulen lädt, zahlt derzeit zwischen 40 und 79 Cent pro Kilowattstunde – je nach Anbieter und Ladegeschwindigkeit. Zuhause liegt der Vergleichswert bei etwa 25 bis 30 Cent. Ein spürbarer Unterschied, keine Frage.

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Aber: Selbst mit öffentlichem Laden ist ein Elektroauto in vielen Szenarien günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner. Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 km und ausschließlichem AC-Laden entstehen Energiekosten von rund 1.200 Euro im Jahr. Ein Benziner kommt auf 1.800 bis 2.200 Euro – bei aktuellen Spritpreisen, ohne Wartungskosten, ohne Ölwechsel, ohne die externen Kosten, die wir alle gemeinsam tragen.

Wer also kein Einfamilienhaus mit Garage hat – und das ist in Deutschland die Mehrheit der Menschen in Städten –, ist nicht automatisch vom Elektroauto ausgeschlossen. Die Wirtschaftlichkeit hängt stark vom Fahrprofil ab: Wer viel fährt, profitiert stärker. Wer wenig und kurz fährt, könnte perspektivisch auch über Carsharing oder den ÖPNV nachdenken.

Praktische Rechner, die das durchkalkulieren:


Und wer bezahlt das alles?

Diese Frage höre ich oft – und ich verstehe sie. Aber sie stellt die Dinge auf den Kopf.

Denn wir bezahlen bereits. Nur leider die falschen Dinge.

Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, erarbeitet u.a. vom Öko-Institut und 2024 veröffentlicht, beziffert die klimaschädlichen Subventionen im Verkehrssektor auf knapp 25 Milliarden Euro jährlich. Konkret:

  • 9,6 Mrd. € – Energiesteuervergünstigung für Diesel
  • 6,1 Mrd. € – pauschale Besteuerung privat genutzter Dienstwagen (fossil)
  • 5,3 Mrd. € – Entfernungspauschale (überproportional für Besserverdiener*innen)
  • 3,1 Mrd. € – Steuerbefreiung für Kerosin und internationale Flugtickets

Transport & Environment berechnet allein die Förderung fossiler Dienstwagen auf 13,7 Milliarden Euro jährlich, wenn man alle Vergünstigungen zusammenzählt.

Das ist kein Naturgesetz. Das sind politische Entscheidungen, die jedes Jahr neu getroffen werden.


Was wäre die Alternative?

Stellen wir uns vor, wir schichten nur einen Teil davon um:

Das Deutschlandticket könnte dauerhaft finanziert und günstiger werden. Die Bahn könnte in Infrastruktur, Takt und Zuverlässigkeit investieren. Städte könnten öffentliche Ladeinfrastruktur aufbauen – für alle, die keine Garage haben. Und der Radverkehr könnte endlich die Mittel bekommen, die ihn wirklich zur echten Alternative machen.

Mobilität zu Fuß und auf dem Rad kostet wenig und bringt viel: Gesundheit, Fläche, Lebensqualität, Klimaschutz. Wir wissen das. Wir handeln nur noch nicht danach.


Mein Fazit

Die Frage „Wer bezahlt das?“ ist berechtigt. Aber die Antwort lautet nicht: „Wir haben das Geld nicht.“ Die Antwort lautet: „Wir geben es gerade für die falschen Dinge aus.“

Ein Elektroauto ohne Wallbox kann sich lohnen – abhängig vom Fahrprofil. Aber die eigentliche Frage ist eine andere: Warum gestalten wir Mobilität immer noch so, dass das Auto – und vor allem das fossile Auto – der Maßstab bleibt?

Solange 25 Milliarden Euro jährlich in klimaschädliche Verkehrssubventionen fließen, ist die Debatte über die Finanzierung von Alternativen eine politische Entscheidung. Keine Frage des Geldes.


Quellen:

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