Katja Diehl im Gespräch mit Mary Dellenbaugh-Losse

Mary Dellenbaugh-Losse ist Stadtforscherin und Beraterin für gerechte, inklusive und nachhaltige Stadtentwicklung, die Mobilität konsequent aus der Perspektive realer Alltagsbedürfnisse denkt – von Care-Arbeit über Sicherheit bis hin zu Klimagerechtigkeit. Ihre Arbeit treibt die Verkehrswende voran, indem sie die Verteilung knapper urbaner Flächen politisch hinterfragt und für Städte wirbt, die nicht länger vom Auto, sondern vom Menschen her geplant werden.

»Also wir kriegen sehr viele Anfragen, die Interesse ist groß an Diversität, Gender, Inklusion und also ja der Klimawandel, Mobilitätswende.«

Zusammenfassung

In dem Gespräch beschreibt Mary Dellenbaugh-Losse ihren Blick auf Stadt und Mobilität aus einer Diversitäts- und Gerechtigkeitsperspektive (Alter, Gender, Behinderung, Care-Arbeit usw.). Zentral ist die „moralische Ambivalenz“ gegenüber marginalisierten Gruppen im öffentlichen Raum: Mitleid steht neben Unwohlsein, und Verdrängung löst vor allem das Sichtbarkeitsproblem, nicht die Ursachen. Gleichzeitig betont sie reale Nutzungskonflikte und verweist besonders auf Unsicherheits- und Angsterfahrungen von Frauen an ÖPNV-Knoten, die stark durch Sozialisierung geprägt sind. Frauenwaggons lehnt sie als Scheinlösung ab, weil sie Segregation fördern und Verantwortung wieder auf Betroffene verschieben; stattdessen plädiert sie für mehr Zivilcourage, bekannte Notrufmöglichkeiten und Ansätze, die an den Ursachen ansetzen. Bei der Verkehrswende hebt sie die Verteilungsfrage knapper Flächen hervor: Der Status quo sei laut und schwer zu verändern, doch eine Umverteilung zugunsten von Zufußgehenden helfe insbesondere Gruppen, die in Beteiligungsprozessen oft fehlen (u. a. ältere Frauen, Menschen mit Care-Verpflichtungen, junge Menschen). Als positives Beispiel nennt sie Wien, wo genderbezogene Planung pragmatisch in Checklisten und Arbeitsstrukturen verankert wurde.

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