Ich kann das einfach alles nicht so stehen lassen. Der Kampf um eine gute Zukunft für alle ist ein Kampf FÜR, während Jene, denen der Status Quo passt, gegen jedwede Veränderung kämpfen, Bücher schreiben, sich als die Verfolgten einer links-grünen Bubble sehen. Irgendwann wurde „Gutmensch“ zum Schimpfwort und die notwendige Transformation zu einem demütigeren Lifestyle auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen zu einer Aufgabe, die nur noch einem gewissen Spektrum zugeordnet wird. Dabei wurde das Umweltbundesamt mal von der FDP gegründet, konservativ stand mal u. a. für die Achtung und den Erhalt der Schöpfung und sozial… ich verliere mich.
In unseren Debatten um Klima und Gesellschaft gibt es eine hartnäckige Erzählung. Man hört sie bei Podiumsdiskussionen, liest sie in Kommentaren und spürt sie in der politischen Rhetorik: Der Konflikt zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlichem Wohlstand sei ein Nullsummenspiel. Wer zu streng reguliere oder zu schnell wende, gefährde Arbeitsplätze, die Leistungsfähigkeit und letztlich den Lebensstandard. Diese Haltung, die durch zwei Herren bei LinkedIn jüngst mal wieder verkörpert wurde, beruht auf einem fundamentalen Missverständnis der Realität.
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Sie basiert auf der Annahme, dass der Status quo gerecht, gut für alle und vor allem ohne Probleme haltbar ist. Dass wir uns leisten können, die Erde weiter zu erwärmen, solange wir der Wirtschaft den Vorrang geben. Doch zwei aktuelle, schwerwiegende Studien zertrümmern diese Illusion. Sie zeigen nicht, dass Klimaschutz teuer, sondern dass Untätigkeit ruinös ist. Und dass die Wirtschaft, so wie z. B. Marktliberale wie Kienbaum und Poschardt sie kennen, auf einem erhitzten Planeten in dieser Form gar nicht mehr existieren kann. Gar nicht erst davon zu beginnen, dass die Herren und viele ihrer Art wohl kaum Menschen in Armut und andere marginalisierte Gruppen in unserem Land oder gar Menschen im so genannten Globalen Süden kennen, die jetzt schon Klimaflüchtlinge sind, weil der westliche Lifestyle ihre Lebensgrundlagen und Heimaten zerstört hat.
Die nationale Ebene. Eine aktuelle Studie des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) liefert erschreckende Zahlen zu den direkten ökonomischen Folgen des Klimawandels am Arbeitsplatz. So kostet ein einziger Hitzetag mit Temperaturen ab 30 Grad Celsius die deutsche Wirtschaft bereits jetzt 431 Millionen Euro. Davon entfallen 97 Prozent auf Produktivitätsverluste. Die Menschen arbeiten nicht weniger lange, aber deutlich ineffizienter. Hitze ist ein stiller Killer der Leistungsfähigkeit. Dies bedeutet auch 76.500 Fehltage pro Tag aufgrund hitzeinduzierter Krankheiten und Unfälle. Besonders betroffen sind die Säulen unserer Volkswirtschaft: die Land- und Forstwirtschaft, das Baugewerbe, die Logistik und das produzierende Gewerbe. Bis 2060 rechnen Experten mit fünf bis zehn zusätzlichen Hitzetagen pro Jahr. Das würde bedeuten: Die jährlichen direkten Zusatzkosten für Unternehmen lägen bei bis zu 4,5 Milliarden Euro, inklusive indirekter volkswirtschaftlicher Effekte sogar bei bis zu 9 Milliarden Euro. Süddeutschland wäre mit zusätzlichen Kosten von bis zu 700 Millionen Euro pro Jahr besonders stark betroffen.
Wer hier noch argumentiert, Klimaanpassung koste zu viel, ignoriert sowohl Physik als auch Mathematik. Präventiver Arbeits- aber auch Lebensschutz ist längst wirtschaftlicher Imperativ. Jede Investition in kühlere Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten oder eine angepasste Infrastruktur zahlt sich sofort in vermiedenen Milliardenschäden aus. Die alte Logik, dass Schutzmaßnahmen die Wirtschaft bremsen, kehrt sich um: Ohne Schutz bricht das System zusammen, das nunmal auf der Leistungsfähigkeit von Menschen in Bereichen beruht, wo auch „KI“ nicht so schnell übernehmen kann.
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Global gesehen bestätigt das World Economic Forum (WEF) in seinem „Energy Transition Index 2025“ dieses Bild, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Trotz Rekordinvestitionen in saubere Energie von über zwei Billionen Dollar stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen erneut auf einen neuen Höchststand von 37,8 Milliarden Tonnen. Der Grund? Der Bedarf wächst schneller als die Dekarbonisierung. Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektrifizierung – all das treibt den Verbrauch in die Höhe. Gleichzeitig bleiben fossile Brennstoffe tief verwurzelt. Es bräuchte ein Maß halten, einen Degrowth. Doch zuviele in Macht glauben, wie eingangs beschrieben, dass es Einhorntechnologie geben wird, die erlaubt, dass wir weiter asen auf Kosten Dritter – im eigenen Land und weltweit.
Länder, die frühzeitig handeln sichern sich nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch ihre industrielle Zukunftsfähigkeit. Wer wartet, verfällt.
Genau hier scheitert die Argumentation der Skeptiker. Auf einem um 2,5 oder 3 Grad wärmeren Planeten gibt es keinen Schutz mehr vor den Folgen. Die Lieferketten brechen zusammen, weil Häfen überschwemmt sind oder Hitze Streiks erzwingt. Die Landwirtschaft endet, weil Extremwetter Ernten vernichten. Die Gesundheitssysteme kollabieren unter der Last der Hitzschläge. Die Gefahr geht nicht von Regulierung, sondern von Trägheit aus. In einer Welt, die sich rasant wandelt, ist Anpassungsfähigkeit der einzige Wettbewerbsvorteil. Wer an Modellen festhält, die auf stabilen Klimaverhältnissen basieren, wird obsolet. Can you hear me knocking guys?
Die Botschaft beider Studien ist eindeutig: Es gibt kein „Entweder-Oder“ zwischen Wirtschaft und Klima. Es geht nur noch um die Frage der Geschwindigkeit. Eine schonende Herangehensweise an ein Problem, das unsere Existenzgrundlage bedroht, ist nicht angebracht. Wir brauchen einen radikalen Fokus auf Klimaschutz und Anpassung. Nicht aus Moralismus, sondern aus kalter, harter Wirtschaftlichkeit.
Die Zeit, in der man glauben konnte, man könne die Rechnung hinauszögern, ist vorbei. Die Hitze kommt. Und sie wird jeden Cent, den wir heute sparen wollen, morgen doppelt kosten.


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