Ich hatte kurz die Hoffnung, dass es unter „mächtigen Männern“ auch jene gibt, die aufgrund ihrer Geburts- und anderen Privilegien demütig werden, nach vorne schauen, an einer besseren Welt mitbauen. Ja, ich weiß. Ich weiß es besser, und trotzdem hoffe ich jedes Mal aufs Neue. Deshalb musste ich diesmal auch kommentieren.

„Fightbürgertum in the making“, schrieb Kienbaum dazu. Wirtschaft sei die Hauptsache, nicht alles, aber ohne sie sei alles nichts. Deutschland brauche endlich den Mut, Wirtschaft zur absoluten Priorität zu machen. Jetzt!
Bückbürgertum. Was soll das überhaupt sein? Egal. Ich werde deswegen jedenfalls nicht anfangen, „diese“ „Bücher“ zu lesen.
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Die Sachebene

Ich habe stattdessen kommentiert, was mir zu dieser Woche einfiel: Hitzewellen, die Tausende Menschenleben gekostet haben. Ein Sozialstaat, der in Rekordtempo demontiert wird. Ein gestrichenes Informationsfreiheitsgesetz. Ein durchgewunkenes Infrastrukturgesetz, das Umweltrecht und Beteiligungsrechte aushebelt – zugunsten genau der Wirtschaftslogik, die hier gerade gefeiert wird.
Wirtschaft ist keine Voraussetzung für Freiheit, Wohlstand und Zusammenhalt. Das Gegenteil ist der Fall: Die entstehen aus guter Bildung, funktionierenden Gesundheitssystemen, Klimaschutz und dem Schutz vulnerabler Gruppen. Wirtschaft, die das für nachrangig hält, zerstört genau das, was sie angeblich ermöglichen soll.
„Fightbürgertum“ trifft es also ziemlich gut: zwei privilegierte Männer, die sich für eine Haltung feiern, die uns in diese Krisen erst hineingeführt hat. Keine Zukunftsvision. Die 1950er als Selfie in Sepia.
Die Antwort

Kienbaum fand meinen Kommentar „originell“ und fragte, süffisant, ob es in „meiner Welt“ wohl Platz für den Gedanken gäbe, dass eine prosperierende Wirtschaft zu Bildung, Gesundheit und Klima beitragen könnte. Unterschrieben als „Mann mittleren Alters europäischen Ursprungs“.
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Das Traurige an diesen Männern ist das Traurige in ihnen. Das Fehlen eines Kompasses in einer Welt, die immer deutlicher zeigt, wie sehr „die Wirtschaft“ von „den Menschen“, von der Gesundheit des Planeten und von neuem Denken über Erfolg abhängt. Da fehlt einfach eine Vision. Man kann Männern mittleren Alters europäischen Ursprungs viel vorwerfen – aber selten Souveränität, Demut und Selbstironie.

Dann kam Poschardt. Kein Argument, kein Gegenbeweis, kein einziges Wort zur Sache. Sondern behindertenfeindliche Takes ohne Mehrwert. Emotional, fragil, impulsiv, unsouverän. „Katja Diehl verlässlich die dümmsten Takes. Glückwunsch!!!“
The guys have left the Sachebene ages ago. Weil sie so hilflos sind. Wenn das Beste, was zwei erfolgreiche, mächtige Männer einer Frau entgegenzusetzen haben, eine süffisante Unterschrift und vier Ausrufezeichen sind – dann ist das Kapitulation vor dem guten Leben für alle, weil die eigenen Privilegien als „hart erarbeitet“ gelten.
Fazit
Ich bleibe dran. Das fossile Patriarchat wackelt. <3
Wenn dir gefällt, dass ich die richtigen Männer hilflos mache: Supporte gern meine Arbeit. XOXO


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