Screenshot aus dem Gespräch bei Phönix.

Zu Gast bei phoenix: Meine kurze Einschätzung zur so genannten neuen Bahnstrategie.

Die Deutsche Bahn steht vor einem Neustart: Eine neue Chefin, eine neue Strategie – und wieder einmal das große Versprechen, dass jetzt alles besser wird. Ja, ich bin vorsichtig optimistisch. Aber es braucht endlich konsequentes Handeln, sonst bleibt es bei schönen Worten.

Ohne Bahn keine Zukunft
Für mich ist klar: Ohne eine starke Bahn schaffen wir weder unsere Klimaziele noch eine sozial gerechte Mobilität. Deswegen war ich erleichtert, als Evelyn Palla als neue Chefin ins Gespräch kam. Sie bringt etwas mit, was vielen ihrer Vorgänger fehlte – echte Wertschätzung für das Produkt Bahn. Das gibt mir Hoffnung, dass sie nicht nur über Zahlen spricht, sondern auch über den Auftrag der Bahn als Daseinsvorsorge.

Jahrzehnte der Vernachlässigung
Dass die Bahn heute so viele Probleme hat, liegt nicht an den Mitarbeitenden vor Ort, sondern an politischem Versagen in der Vergangenheit. Verkehrsminister haben über Jahre zu wenig investiert und systematisch kaputtgespart, was wir heute dringend brauchen: eine zuverlässige Infrastruktur. Ich selbst komme regelmäßig nicht ans Ziel, weil Oberleitungen kaputt sind oder Stellwerke ausfallen. Diese Probleme mitschleppen wir seit Jahrzehnten – jetzt muss endlich ein echter Neustart her.

Preise rauf – Vertrauen runter
Besonders ärgere ich mich über die jüngsten Preiserhöhungen beim Deutschlandticket. Dieses Ticket steht für Freiheit, für klimafreundliche Mobilität im ganzen Land – und genau deshalb greifen so viele Menschen zu. Wenn wir ausgerechnet hier die Preisschraube drehen, schicken wir die Leute zurück ins Auto. Wir brauchen den Mut, Geld anders zu verteilen: weniger für klimaschädliche Privilegien wie Dienstwagen, mehr für die Schiene.

Verantwortung muss sich lohnen
Die Diskussion um die Größe des Bahnvorstands interessiert mich weniger als die Frage, woran er gemessen wird. Für mich ist klar: Boni darf es nur geben, wenn die Pünktlichkeit steigt. Es darf sich nicht länger lohnen, Züge einfach ausfallen zu lassen, damit sie nicht als unpünktlich gelten. Wer Verantwortung trägt und hohe Gehälter bekommt, muss auch dafür sorgen, dass die Bahn zuverlässig wird.

Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden
Eine meiner größten Sorgen betrifft die Strecken im ländlichen Raum. Dort will die Bahn aus wirtschaftlichen Gründen weiter kürzen. Genau das ist der falsche Weg. Wenn wir jetzt auch noch diese Verbindungen aufgeben, dann kommen die Menschen nie wieder zurück zur Bahn. Stattdessen müssen wir das bestehende Netz sichern und ausbauen – sonst reden wir vergeblich über Verkehrswende.

Mein Fazit
Ja, ich glaube, dass die Bahn eine Zukunft hat. Aber nur, wenn wir sie nicht länger als reines Wirtschaftsunternehmen betrachten, sondern als Rückgrat der Mobilität von morgen. Evelyn Palla kann dabei eine wichtige Rolle spielen – doch sie allein wird es nicht schaffen. Wir alle müssen begreifen: Ohne eine starke Bahn gibt es keine starke Verkehrswende.

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2 Antworten zu „Zu Gast bei phoenix: Meine kurze Einschätzung zur so genannten neuen Bahnstrategie.“

  1. Avatar von Helmut Dirks
    Helmut Dirks

    Sehr gutes Statement!
    Ich wünsche mir endlich einen zuverlässig funktionierenden ÖPV, bezahlbar und nutzbar für alle.
    Der marode Zustand der Bahn zerstört unseren Glauben an die Demokratie und ist deshalb brandgefährlich.


    1. Sehe ich genau wie du Helmut!


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