Kann es sein, dass sich bisher fast nur Frauen zum Fall Collien Fernandes geäußert haben?
Oh, the irony.
Ich schaue auf meinen Social-Media-Feed und sehe:
Betroffenheit, Wut, Solidarität – von Frauen.
Schweigen – von Männern.
Auch von denen, die sich gerne mal den Feminist-Badge ans Revers heften.
Das ist performativer Feminismus in Echtzeit.
Frauenhass, sexualisierte Gewalt, Femizide – das sind keine Frauenthemen. Das sind Männerthemen. Weil Männer sie verursachen. Und weil Männer sie beenden könnten, wenn sie aufhören würden, wegzuschauen.
Die Spiegel-Recherche von Juliane Löffler und Team ist ein Momentum. Einer dieser Momente, in denen man sich entscheiden kann:
Zuschauen oder handeln. Schweigen oder benennen. Raus aus der Performance. Rein in die Verantwortung. Die Scham muss endlich die Seite wechseln.
Meine volle Solidarität gilt allen Betroffenen sexualisierter Gewalt.
Es ist eine Schande, dass Collien Fernandez nach Spanien ausweichen muss, weil dort die Rechte von Frauen besser geschützt werden als hier. Danke an Christina Clemm für die juristische Begleitung und an HateAid für den Support – und danke an Collien selbst, die sich aus ihrer eigenen Betroffenheit heraus so stark für die Regulierung von Plattformen einsetzt, die Deep-Fake-Pornos erst möglich machen.
Der Hass gegen Frauen hat durch diese technischen Möglichkeiten eine Dimension erreicht, die mir den Atem verschlägt. Es ist längst überfällig, hier klare Kante zu zeigen – gesellschaftlich, juristisch.
Aber vor allem: durch Männer. Nicht durch die Frauen, die bereits Opfer wurden.
Wie steht es um eure Wut?


Schreibe einen Kommentar