Verweigerte Transformation. Steckt dahinter Angst vor dem Fremden und Privilegienschutz für den eigenen Lebensentwurf?

Verhindern Privilegien die notwendige Veränderung?

In den letzten drei Wochen war ich viel unter Menschen mit völlig anderen Lebensentwürfen als dem meinen, die gut verdienen, im Eigenheim wohnen – und sich damit, bewusst oder nicht, sehr effektiv von einer Realität abschotten können, die andere Menschen in Deutschland längst leben. Und die in meiner Lebensrealität längst Alltag und auch Grund für große Sorge um diese Menschen sind.

Rund 50 % der Haushalte in Deutschland besitzen Wohneigentum. Das ist keine kleine Gruppe.

Was mich dabei am meisten beschäftigt: Ich habe in vielen Gesprächen nicht nur Zufriedenheit gehört – sondern auch einen tiefen Widerwillen gegenüber Veränderung. Wenig Interesse an anderen Lebensentwürfen. Wenig Neugier auf das, was jenseits der eigenen Welt passiert.

Und ich hatte zunehmend das Gefühl: Das „Glück“ dieser Menschen ist nicht nur mit dem verbunden, was sie haben. Es ist auch damit verbunden, andere fernhalten zu können. Andere Lebensrealitäten. Andere Menschen.

Was es bedeuten kann, allein solche Gedanken zu äußern, habe ich nicht nur einmal schmerzlich erfahren.
Die schlimmste Anekdote basierte auf einem verfälschten Zitat:
Aus „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir (mit der Reaktion auf die Klimakatastrophe) den Traum der Deutschen von Auto und Eigenheim hinterfragen – wir brauchen daher neue Träume und Bilder für ein erfülltes Leben“ machte eine Zeitung die Headline:
„Katja Diehl: Wir nehmen den Deutschen den Traum vom eigenen Auto und vom Eigenheim.“
Bewusst verfälscht. Bewusst auf Empörung ausgelegt. Und interessanterweise (aber nicht unerwartet) in der Reaktion aus rechten Milieus so gar nicht mit dem konnotiert, was diese immer für sich adressieren: Meinungsfreiheit 🙂

Denn: Was folgte, waren Morddrohungen und Zusendungen an meine private Adresse.

Diese Wut war kein Zufall. Sie war ein Symptom. Ein Zeichen dafür, wie tief die Angst vor Veränderung bei einigen sitzt – vor allem bei denen, die sich ihre geschützten Räume aufgebaut haben. Wer viel zu verlieren glaubt, reagiert scheinbar nicht mit Neugier. Sondern mit Abwehr.

Ich schreibe diesen Post nicht leichten Herzens. Ich weiß, was solche Gedanken auslösen können. Aber ich schreibe ihn, weil ich diese Gespräche hatte. Weil ich dieses Muster zu oft beobachtet habe, um es zu ignorieren. Und weil Schweigen hier keine Lösung ist.

Was nehmt ihr in euren Begegnungen wahr?
Ich bitte um respektvolle Diskussion.

6 Kommentare zu „Verhindern Privilegien die notwendige Veränderung?“

  1. Avatar von Jan-Philipp
    Jan-Philipp

    100% Wahrheit.


    1. danke und uff.


  2. Avatar von Helmut Dirks
    Helmut Dirks

    Das ist auch das, was ich hier erlebe: Ausweisen von Flächen für weitere Industrieansiedlungen, neue Baugebiete für Einfamilienhäuser (mit der Vorgabe jeweils 2 Autos-Stellplätze nachzuweisen), weitere Altenheime aber keine Treff-Möglichkeit für Jugendliche, kein Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen, eine Verkehrspolitik in erster Linie für Autos.
    Ich vermute hier eine Strategie der CDU-Ratsmehrheit, den Ort für einkommensstarke, konservative Bürger zu optimieren und alle anderen auszugrenzen.


    1. So traurig!


  3. Ich mache diese Beobachtungen ebenfalls – es gibt ein starkes Gefühl von Entitlement derjenigen, die den privilegierten und ja auch verständlicherweise von vielen verfolgten Traum von Eigenheim und Auto leben (können). Mich macht es immer sehr traurig, wenn ich da so wenig Phantasie und Bereitschaft entdecke, sich auch mal anderen Varianten wie eine Zukunft des wieder mehr MIteinander aussehen könnte zu öffnen. Denn die privilegierten Menschen – mich eingeschlossen – sind ja nicht wirklich glücklicher (haben nur weniger Sorgen). Gleichzeitig will man ja in einem erheblichen Teil dieses „Millieus“ wenn ich Umfragen trauen kann zurück in eine glorifizierte Vergangenheit in der es ja durchaus mehr Miteinander und weniger Abschottung gab. Und die derzeit politisch mit der Macht betrauten, tun sich ja sichtlich schwer positive Visionen einer Zukunft zu entwickeln die irgendwie über das „Mein Haus, Mein Auto“ hinausgehen und die die Wählerschaft inspirieren könnten, was ziemlich betrüblich ist.


    1. Danke, dass du deine Beobachtungen teilst – so wertvoll!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dir gefällt, was ich tue?

Unterstütze mich gern! Du und ich: Wir sind ein Kollektiv!

Detailbeschreibung ausklappen

Ich freue mich sehr, wenn meine Arbeit dir Mehrwert bietet und du mich dabei unterstützen möchtest!

Um meine Projekte langfristig fortsetzen zu können, möchte ich mir ein Grundeinkommen sichern. Seit einiger Zeit habe ich ein unterstützendes Team um mich aufgebaut: Jemand kümmert sich um meine E-Mails, eine andere Person übernimmt meinen Instagram-Account, und ein weiterer Mensch mixt meinen Podcast ab. Auch mein Steuerberater und meine Rechnungsfee gehören dazu. Dieses Outsourcing entlastet mich enorm, bringt aber natürlich auch Kosten mit sich. Deshalb möchte ich im ersten Schritt diese Kosten decken und freue mich über jede Unterstützung.

Exklusive Inhalte und virtuelle Treffen

1 × wöchentlich schaue ich in den Rückspiegel: Wo stehen wir in der Mobilitätswende? Und gebe Abonnent:innen exklusive Inhalte.

Detailbeschreibung ausklappen

Für nur fünf Euro pro Monat erhältst du meinen wöchentlichen Steady-Newsletter. Es gibt auch weitere Pakete, die Gastzugänge oder größere Pakete für Unternehmen beinhalten, die bis zu 20 Zugänge für Mitarbeiter:innen oder Kolleg:innen bieten. Bei den größeren Paketen ist ein virtuelle