Wissenschaftlerin Elena (Peri Baumeister) polarisiert mit ihrem Buch "Eine bessere Welt" mit Ideen für eine ökologische Zukunft. © Honorarfrei - nur für diese Sendung inkl. SocialMedia bei Nennung ZDF und Julia Feldhagen.

„Gewalt ist Gewalt“ – Warum ich bei „Eine bessere Welt“ dabei war.

Hass, Bedrohung, Menschen, die äußern, dass mein Leben enden soll.
Täglich.
Frauenhass ist wieder „salonfähig“, das zeigt auch die Bagatellisierung, die dieser vor allem durch Männer – also durch die Tätergruppe – erfährt.

Am Montag, 23. März 2026, um 20.15 Uhr läuft im ZDF der Film „Eine bessere Welt“ – Primetime. Ich hatte das Privileg, im Hintergrund als Beraterin für Dramaturg, Schauspielerin und Regisseur zu arbeiten. Und ich möchte euch sagen, warum mir das so wichtig war.

Der Film erzählt die Geschichte von Elena, einer Wissenschaftlerin, die nach öffentlichen Äußerungen zu einem Ziel von digitalem Hass wird. Was dann passiert, bleibt nicht im Bildschirm – es sickert in ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Selbstwahrnehmung.

Hauptdarstellerin Peri Baumeister bringt es auf den Punkt: „Gewalt ist Gewalt. Die Psyche macht keinen Unterschied zwischen digitaler oder analoger Gewalt. Das ist wissenschaftlich belegt – und noch immer nicht ausreichend in der gesellschaftlichen Debatte angekommen.

Für mich wurde digitale Gewalt im Zuge von Fridays for Future und der Coronapandemie in ihrer vollen Wucht sichtbar: Frauen, die faktenbasiert auf relevante Themen aufmerksam machten, wurden systematisch unter Beschuss genommen. Autorin Nadine Gottmann beschreibt das treffend: Digitale Gewalt wirkt wie ein Brennglas auf die gesellschaftliche Kluft, die wir gerade erleben.

Was mich an diesem Film besonders bewegt: Er erklärt das nicht nur – er macht es fühlbar. Wie es sich anfühlt, wenn der Hass durch Zuklappen des Laptops nicht verschwindet. Wie Selbstzweifel entstehen. Wie eine Familie zu zerbrechen droht. Regisseur Sebastian Hilger spricht von einem „unsichtbaren Krieg im Netz“ – und er hat recht: Jede Person, die verstummt oder das Netz verlässt, ist ein gewonnener Hügel für die, die Meinungshoheit anstreben. Seitdem ich bei Anne Will in der Primetime war, hat der Hass gegen mich als „öffentliche Person“ Primetime. Ohne dass ich als Betroffene je wahrnehmen konnte, dass mich der Staat und die Gesellschaft schützen.

Schauspieler Serkan Kaya benennt etwas, das mich persönlich sehr berührt: „Plötzlich kommt aus der digitalen Welt Gift in die reale Welt.“ Sein Charakter Deniz zweifelt an Elenas Wahrnehmung – nicht aus Bosheit, sondern aus Überforderung. Auch das ist Realität: Digitale Gewalt isoliert Betroffene, weil selbst die Nächsten irgendwann nicht mehr einordnen können, was real ist und was nicht.

Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht. Ein verfälschtes Zitat in einer Zeitung, ein Shitstorm, Morddrohungen, Zusendungen an meine private Adresse. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der digitale Hass die eigene Haustür erreicht.

Deshalb war mir diese Beratungsarbeit wichtig. Nicht nur als Expertin. Sondern als Mensch, der möchte, dass wir als Gesellschaft endlich aufhören, das kleinzureden.

Schaltet ein. Sprecht darüber. Mit euren Kindern, euren Freund*innen, euren Kolleg*innen.

Stellt euch vor, hinter und neben die Betroffenen, die von dieser Bedrohung berichten. Stellt sie vor allem nicht in Frage, sondern richtet den Fokus endlich auf die Täter. Denn nur gemeinsam können wir zeigen: Frauen- oder schlicht Menschenhass ist hier unerwünscht.

PS: Ich führe gleich ein Interview mit Regisseur Sebastian Hilger und Schauspieler Serkan Kaya. Dieses ist für Abonnent*innen meines Newsletters frei zugänglich.

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„Eine bessere Welt“ – Montag, 23. März, 20.15 Uhr, ZDF.

2 Kommentare zu „„Gewalt ist Gewalt“ – Warum ich bei „Eine bessere Welt“ dabei war.“

  1. Avatar von Gaby Hilger
    Gaby Hilger

    Es macht einen wirklich ärgerlich, wenn man sieht, wie Menschen im Netz so angegangen werden und das, weil sie scheinbar Spass dran haben. Man darf die Betroffenen nicht alleine lassen. Echt schlimm, dass es sowas überhaupt gibt.


    1. Es braucht mehr Wut, vor allem die der Männer über ihre toxischen Geschlechtsgenossen.


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