Meine Notizen aus dem Publikum eines Panels über Schiene und Luftverkehr
Am Dienstag war ich bei einem Panel zum Thema „Schiene und Luftverkehr im Wettbewerb“. Und nein, danach mit Fieber im Bett zu liegen, war nicht Teil des Plans. Ich hoffe, ich habe niemanden angesteckt. Ich hatte an dem Abend keinerlei Symptome, sonst wäre ich ferngeblieben.
Ich gehe bewusst in solche Räume, um herauszufinden, was Menschen beschäftigt, die Mobilität unter reinen Wettbewerbsbedingungen betrachten. Und ja, ich wünschte, umgekehrt wäre das auch der Fall. In den Räumen, die ich gestalte, sitzen meist nur Menschen, die das Thema auch aus sozialer und klimapolitischer Perspektive betrachten. Wie bringen wir diese Perspektiven zusammen? Denn Ökologie braucht es, um ökonomisch zu handeln.
Der Satz, den ich nicht loslasse
Moderiert hat Daniela Kluckert, die ich aus ihrer Zeit als verkehrspolitische Sprecherin kenne. Und die uns diesen Satz geschenkt hat: „Ryanair und andere Billigflieger haben mehr für die Völkerverständigung getan als jedes Erasmus-Projekt.“
Das können wir uns alle als Eröffnung für den nächsten Small Talk merken. Er war vielleicht nicht ganz ernst gemeint, aber die Richtung war klar: Billigfliegen als europäische Friedensmission, Völkerverständigung, die auf 30-Euro-Tickets basiert und daran gemessen wird, wie oft wir uns gegenseitig besuchen, berücksichtigt jedoch nicht die Kosten dieser Entwicklung. Uns allen, dem Klima und den Menschen, die von den Folgen zuerst getroffen werden.
Ich bin mit Respekt für alle Teilnehmenden rausgegangen, denn es wurde offen und substanziell diskutiert. Dennoch hat es mich getroffen, wie selbstverständlich alles weiterhin auf Wachstum im Luftverkehr ausgelegt war. Das Klima spielte keine Rolle und eine lebenswerte Zukunft für alle wurde nicht thematisiert. Die Frage, welche ökologischen Auswirkungen dieses Wachstum hat, wurde kaum gestellt. Es gibt planetare Grenzen, doch wir kümmern uns kaum um diese.
Ich habe die Zahlen, die ich notierte, hinterher mit den öffentlichen Quellen abgeglichen. Hier die auffälligsten:
Wachstum und Kürzung gleichzeitig. Tage vor dem Panel hatte Ryanair die Schließung seiner Berliner Basis und einen Abbau von rund 50 Prozent der BER-Kapazität für diesen Winter angekündigt, was rund 700.000 entfernten Sitzplätzen entspricht. Kapazitäten folgen der Rendite, nicht der Steuerrate. Das Narrativ „nur die Steuer hält uns auf” hält dieser Gleichzeitigkeit nicht stand.
Die Steuer wurde bereits gesenkt, die Forderung bleibt bestehen. Zum 1. Juli 2026 wurde die Luftverkehrsteuer auf das Niveau vor Mai 2024 zurückgesetzt, was zu einer Entlastung von bis zu 11,40 Euro pro Ticket führt. Die Einnahmen im Jahr 2025 beliefen sich auf 2,1 Milliarden Euro für rund 84 Millionen Tickets. Trotzdem war auf dem Podium von der „zweithöchsten Steuer Europas” die Rede. Das war bis zum 1. Juli korrekt, seither jedoch nicht mehr. Die Niederlande sind deutlich teurer und werden es weiterhin sein. Eine Zahl, die benutzt wir…


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