Ich habe mehrere Jahrzehnte meines Lebens damit verbracht, einem „Normal" hinterherzuhecheln, das es nicht gibt. Die Befreiung, Vulnerabilität nicht mehr kaschieren zu müssen, ist enorm. Das System, in dem Menschen mit chronischen Erkrankungen leben müssen, macht jedoch Angst und frisst Teile der Befreiung gleich wieder auf.

Radikale Ehrlichkeit ist keine Schwäche. Sie ist Teil meiner Expertise.

Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich in meinem wöchentlichen Newsletter schon länger nicht mehr radikal ehrlich war. Erkennbar daran, dass ich die Zahlschranke oft nur noch gesetzt habe, um auf exklusive Inhalte zu verweisen – nicht, weil dahinter etwas Intimes, Vulnerables stand. Ich bin wieder ein bisschen zu sehr auf die „Normalo“-Schiene geraten. Das schleicht sich immer wieder ein, weil es einem leichter gemacht wird, Ängste und Sorgen wegzulachen, als einfach mal zu sagen: Mir geht’s heute nicht gut.

Öffentlich zu teilen, dass es einem nicht gut geht, ist leider immer auch Grund für Abwertung. Dabei liegt genau in dieser unmenschlichen Härte – mit uns selbst und mit anderen – die Wurzel einer immer kälter werdenden Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der Menschen Auto fahren, um anderen nicht begegnen zu müssen, um für sich sein zu können, um sich von der Welt abzuspalten.

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Ich habe mich Sonntag entschieden, zwei dieser Themen im Newsletter offen aufzugreifen. Die Reaktionen meiner Community waren sehr liebevoll. Mir selbst hat es immer geholfen und wird es immer helfen, wenn Menschen keine glattpolierten Instagram-Accounts sind, die nach den Regeln des Algorithmus funktionieren, sondern zeigen, wie verdammt schwer es in diesem fossilen, patriarchalen Backlash ist, morgens froh und zuversichtlich in den Tag zu gehen.

Und genau daraus spricht auch meine berufliche Haltung.

Ich habe großartige Kund*innen, die wissen, dass ich leistungsfähig bin. Nicht im Sinne einer 70-Stunden-Woche, sondern mit Expertise und einer angstfreien, hinterfragenden Sicht auf das System. Ich sehe diejenigen, die nicht mobil sind, die nicht mitgedacht werden – und ich hole sie in die Räume, in denen gestaltet wird. Das ist unbequem für das patriarchale System. Klar!

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Ich habe mehrere Jahrzehnte meines Lebens damit verbracht, einem „Normal“ hinterherzuhecheln, das es nicht gibt. Die Befreiung, Vulnerabilität nicht mehr kaschieren zu müssen, ist enorm. Das System, in dem Menschen mit chronischen Erkrankungen leben müssen, macht jedoch Angst und frisst Teile dieser Befreiung gleich wieder auf.

Im Newsletter gewähre ich meinen zahlenden Abonnent*innen deshalb einen ungeschminkten Blick hinter die Kulissen der „öffentlichen Person“ Katja. Mir wird nahezu wöchentlich davon abgeraten – andere könnten es als Schwäche sehen, heißt es. Und genau da fängt das Dilemma an. Wie kann es eine Schwäche sein, zu mir und meinen Bedürfnissen zu stehen?

Wie kann ich radikal intersektional arbeiten und dabei meine eigenen Realitäten ausblenden? Ist die Unfähigkeit, mit dieser Offenheit umzugehen, nicht selbst Teil der Härte in unserer Gesellschaft – einer Härte, die alles nach rechts rutschen lässt, weil „rechts“ alles ausmerzen will, was als „anders“ oder „schwach“ markiert ist? Wie kann ich Demokratin und Antifaschistin sein und trotzdem ein rechtes Spiel mitspielen? Undenkbar. Aber bis zu dieser Haltung war es ein langer Weg.

Was ich trotz meiner chronischen Erkrankungen leiste, ist enorm. Manchmal denke ich sogar, es ist ein „wegen“. Ich bin stolz darauf, etwas zu bewegen. In den letzten Jahren habe ich die Begriffe „gesund“ und „normal“ als kapitalistische, neoliberale Leistungsgüter demaskiert. Alle übernehmen diese Begriffe – aber niemand fragt, wem dieses Konzept eigentlich nützt und was sein Ziel sein könnte.

Alle Menschen, die sich für die Verbesserung der Welt einsetzen, für Menschenrechte, Antifaschismus, Solidarität und für den längst überfälligen Degrowth, werden als „nicht normal“ markiert. Sie haben Verluste und Krisen erlitten, sind behindert oder haben Erkrankungen, die sie davon abhalten, im Kapitalismus und in dieser kranken (!) Leistungsgesellschaft mitzuhalten. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Aussteiger*innen. Sie suchen nach einem neuen gesellschaftlichen Vertrag, der auf bedingungsloser Empathie basiert. Sie sind es gewohnt, Communities aufzubauen – weil die leistungsorientierte Gesellschaft mit „Leistung“ eben nicht die Carearbeit meint, die so viele Facetten hat und ohne die diese Leistungsgesellschaft gar nicht funktionieren könnte.

Meine „Flauschis“, wie ich meine Bezahlabonnent*innen nenne, gewährleisten, dass auch Monate mit weniger Aufträgen meinen Selbstschutz nicht gefährden. Ich baue diese Community kontinuierlich weiter aus, und ich bin mir sicher, dass ich zeitnah von diesem Geben und Nehmen leben kann. Denn der Backlash zeigt: Es braucht uns Weirdos.

Wo stehst du auf deiner Reise zu dir selbst? Noch am Anfang? Welche Dinge erkennst du heute systemisch ganz anders als noch vor ein paar Jahren? Hilft dir Härte weiter – oder Menschen, die dir zeigen, dass reine Härte nicht menschlich ist und dass tiefe Begegnung nur in der Verletzlichkeit als Mensch möglich ist?

Wenn dich diese Art zu denken und zu arbeiten trägt: Mein wöchentlicher Newsletter ist der Ort, an dem ich radikal ehrlich bin – über Mobilitätswende, über System, über mich. Werde Flauschi, abonniere ihn, und mach ihn zu dem, was er für mich werden soll: mein Grundeinkommen für diese Arbeit.

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Um meine Projekte langfristig fortsetzen zu können, möchte ich mir ein Grundeinkommen sichern. Seit einiger Zeit habe ich ein unterstützendes Team um mich aufgebaut: Jemand kümmert sich um meine E-Mails, eine andere Person übernimmt meinen Instagram-Account, und ein weiterer Mensch mixt meinen Podcast ab. Auch mein Steuerberater und meine Rechnungsfee gehören dazu. Dieses Outsourcing entlastet mich enorm, bringt aber natürlich auch Kosten mit sich. Deshalb möchte ich im ersten Schritt diese Kosten decken und freue mich über jede Unterstützung.

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