Aber dazu später.
Es gibt eine internationale Studie, die 17 Länder auf sechs Kontinenten untersucht hat.
Die Ergebnisse sind eindeutig:
Wo Radfahren sicher und alltagstauglich ist, fahren alle Rad.
Wo nicht, bleiben bestimmte Gruppen zu Hause.
In Städten mit einem Radverkehrsanteil unter sieben Prozent sind Frauen immer in der Minderheit. Kinder und ältere Menschen massiv unterrepräsentiert.
In Städten mit höheren Radverkehrsanteilen?
Ausgeglichen. Das ist kein Zufall. Es ist Infrastruktur.
Die Studie zeigt: Unterschiede in der Risikobereitschaft sind der zentrale Faktor. Wer weniger Risiko toleriert – und das betrifft Frauen, Kinder und ältere Menschen überproportional – bleibt eher vom Rad, wenn die Bedingungen unsicher sind.
Das bedeutet: Wenn wir Infrastruktur bauen, die nur die Nachfrage der aktuellen Nutzer bedient (oft: Männer mittleren Alters auf dem Weg zur Arbeit), zementieren wir Ungleichheit.
Japan wird oft für seine High-Tech-Züge bewundert. Aber auf den Straßen dominiert eine Technologie, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat: das Fahrrad. In Osaka machen Frauen 64 Prozent aller Radfahrenden aus. In Tokyo sind es 57 Prozent. Damit liegen beide Städte vor Amsterdam und Kopenhagen.
Das ist kein Wunder. Es ist das Ergebnis einer Infrastruktur, die von Anfang an auf Alltagstauglichkeit ausgelegt war. Japan hat Radfahren nicht als Sport oder Bewegung verstanden, sondern als Werkzeug. Für Einkäufe. Für den Schulweg. Für den Weg zur Arbeit. Für alle.
Die Erkenntnis ist simpel: Wer Infrastruktur für die am meisten gefährdeten und vorsichtigsten Nutzergruppen baut, baut Infrastruktur für alle.
Zwei Fakten:
– Je nach Region sind 50 bis 60 Prozent der Wege in Deutschland kürzer als fünf Kilometer.
– Die Studie zeigt: In Städten mit hohem Radverkehrsanteil werden Räder mindestens genauso häufig für Nicht-Arbeitswege wie für Arbeitswege genutzt. Oft sogar häufiger.
Conclusio:
Wir brauchen keine Pendler-Radschnellwege als Hauptfokus. Wir brauchen sichere Schulwege. Wir brauchen fahrradfreundliche Nachbarschaften. Wir brauchen Infrastruktur, die auch die Person mit dem Lastenrad zum Einkaufen mitdenkt – nicht nur den sportlichen Pendler im Lycra.
Solange wir nur für die bauen, die ohnehin schon fahren, werden wir Potenziale nicht heben. Das ist ein Gerechtigkeitsproblem.
Wie adressieren wir diese Genderungerechtigkeit, ohne dass bestimmte Männer mit den Augen rollen und aussteigen? Denn DAS ist der Elefant im Raum.
Und zum Schluss eine persönliche Freude!
Mein Podcast She Drives Mobility hat es gerade auf Platz 4 der weltweiten Podcasts geschafft, die Mikromobilität thematisieren. Das zeigt mir: Das Interesse an gerechter, zugänglicher Mobilität wächst. Und es wird Zeit, dass unsere Infrastruktur diesem Interesse endlich folgt!


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