Eine Person mit Brille, Kapuze, pinkem Schal schaut komplett verschneit, aber lächelnd in die Kamera.

Was wäre, wenn wir vertrauen dürften?

Das Beeindruckendste an Malmö und Kopenhagen ist nicht die Infrastruktur. Es ist das Vertrauen.
Menschen radeln hier im Schneesturm, weil sie wissen: Ihre Wege sind sicher.

Die Fakten:
🇸🇪 Malmö:

  • 515 km Radwege
  • Im Winter mit demselben Fokus geräumt wie deutsche Autostraßen
  • Radfahren war im Schneesturm schneller als Auto (Autos standen kilometerlang im Stau)

🇩🇰 Kopenhagen:

  • 63% der Bevölkerung fährt täglich Rad
  • 9.000 Radfahrende pro Stunde auf einer Copenhagen-Qualität-Radlane (vs. 1.000 Autos auf einer Autospur)
  • Schneeräumung: Erst Radwege, dann Gehwege, dann Autostraßen

    Deutschland zum Vergleich
  • Berlin: Rekord-Winter-Unfälle bei Radfahrenden und Fußgänger*innen
  • Menschen im Rollstuhl, Ängstliche, Gebrechliche bleiben zuhause – aus Angst
  • Autostraßen: perfekt geräumt. Rad- und Gehwege: Eisbahnen.
    Das ist kein Wetter-Problem. Das ist ein Prioritäten-Problem.

Vertrauen entsteht nicht durch Worte. Vertrauen entsteht durch Taten. Durch die Entscheidung, wessen Sicherheit uns wichtig ist.

Skandinavien zeigt: Es geht. Jeden Tag. Auch im Schneesturm.
Würdest du mehr Rad fahren, wenn du sicherer wärst?

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3 Kommentare zu „Was wäre, wenn wir vertrauen dürften?“

  1. Avatar von Martin Sraier-Krügermann
    Martin Sraier-Krügermann

    Hi Katja, konntest du herausfinden, wie die Skandinavier es schaffen das deutsche Totschlagargument zu entkräften: Die Strassen in D werden zuerst geräumt, damit Einsatzwagen und der ÖPNV sicher durch den Winter kommen und dabei werden dann auch schonmal Fahrradwege und Gehwege mit dem Schnee der Strasse bedeckt, weil irgendwo muss er ja auch hin.
    Haben die Skandinavier weniger Einsätze der Rettungskräfte, weil es weniger Wegeunfälle gibt? Ok, das ist ketzerisch formuliert.
    Ich bevorzuge persönlich auch zuerst geräumte Radwege, dann brauche ich auch keinen ÖPNV, aber das ist zu egoistisch gedacht…
    Wäre ein Fahrverbot des MIV denkbar, wenn die Strassen noch nicht geräumt sind, sodass die Busse (die vielleicht durch zusätzliche Umbauten, ihre Wege selber freiräumen könnten) wenigstens nicht im Stau stehen?
    Gibt es überhaupt eine Lösung für das Problem. Und nein, ich will jetzt nicht den Kopf in den Sand, äh Schnee, stecken…


    1. Aus meiner ÖPNV-Vergangenheit weiß ich, dass Busse nur mit Glätte ein Problem haben, aber nicht mit Schnee. Aus Skandinavien weiß ich, dass Blechschäden nicht so teuer sind wie gebrochene Knochen. In vielen Städten ist es dort zudem eine Gleichzeitigkeit, weil sie in Personal und kleinere Fahrzeuge für Rad- und Gehwege investieren. Hier in Hamburg – und auch in Berlin – haben Gebrechliche und Behinderte tagelang nicht ihre Wohnungen verlassen können. Ich denke, wir sind hier noch ganz am Anfang der Diskussion. Was auf jeden Fall NICHT der Weg ist, obwohl er in Hamburg und Berlin eingeschlagen wurde: Jetzt doch wieder Salz streuen.


    2. Avatar von Norbert Wannenmacher
      Norbert Wannenmacher

      Geht nicht?
      Vor dem Hintergrund dass Tübingen mittlerweile 3 weitgehend mit erneuerbaren Energien beheizbare Radbrücken hat und eine kurze Distanz in Arnheim in den Niederlanden eines Radschnellweges mit Abwärne beheizt ist, Utrecht dahingehend auch Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben hat, ist es nicht die Frage ob es geht, Fahrradwege zu räumen respektive frei zu halten, sondern wie es geht.

      Letztendlich mündet alles in die Frage, welches Verkehrssystem wie und warum priorisiert – oder sollte ich besser sagen – privilegiert wird?

      Aber da liegen selbst bei uns in Konstanz Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit wie auch progressiv innovativen und verharrenden, reaktionären und der Roll Back Politik zugewandten Kräften.

      Es ist zum verrückt werden: Wenige Städte wie Konstanz haben eine solche kompakte und dichte Infrastruktur mit allen elementaren Versorgungssystemen und Behörden bei einer gleichzeitig recht guten topographischen Lage ohne allzuviel Steigungen und trotzdem wird um jeden Platz für DAS Auto gekämpft.

      Neben den psychischen Phänomenen kognitiver Dissonanz und pluralistischer Ignoranz ist mir endlich das Phänomen der Motonormativity untergekommen, dass der Wissenschaftler Ian Walker definiert hat.

      https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2023/09/motonormativity-warum-uns-die-nachteile-von-autos-oft-egal-sind/

      Das war für mich endlich mal erhellend. Es löst das Problem der Transformation und Verkehrswende nicht.
      Zeigt aber, wo wir ansetzen müssen. Und da ist das steinzeitliche Hirn gemeint.

      Siehe Helmut Knoflacher in seinem Buch Virus Auto 4.0

      Von mir als Fahrradaktivist aus Konstanz allen an der Verkehrswende Arbeitenden viel Kraft, Mut und die Zuversicht, dass nichts umsonst ist – und Hoffnung heißt, dass es Sinn macht was wir tun, egal wie es ausgeht.
      Geklaut von Václav Havel.

      Alles Gute Euch Wirkmächtigen da draussen im Äther!

      Und Dir Katja: Ein ganz herzliches und tiefes Dankeschön für Dein bewundernswertes Engagement!


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