Der ländliche Raum wartet auf Erlösung. Und wer kommt? Das autonome Fahrzeug. Als Heilsversprechen, als Technologierevolution, als Antwort auf alles, was der ÖPNV nicht lösen konnte.
Ich bin skeptisch. Nicht, weil ich Technologie ablehne. Sondern weil ich die Fehler kenne, die wir beim Auto gemacht haben – und weil ich sehe, wie wir dabei sind, sie zu wiederholen.
Ohne systemisches Denken ist es die nächste Stufe der Autoabhängigkeit – nur ohne Lenkrad.
Was autonomes Fahren braucht: zwei Grundbedingungen.
Erstens: Die Kommune muss verantwortlich bleiben. Was passiert, wenn ein Anbieter pleitegeht oder sich aus Regionen zurückzieht, in denen er nicht genug verdient? Die Oma, die zum Arzt muss, hat dann wieder keine Verbindung. Grundversorgung ist keine Frage der Profitabilität. Sie ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Zweitens: Ergänzung statt Konkurrenz. Autonome Fahrzeuge sollen den ÖPNV ergänzen, nicht kannibalisieren. Intelligente Zubringerdienste zu Knotenpunkten, nahtloser Wechsel zwischen Verkehrsmitteln – und keine parallelen Privatangebote, die dem öffentlichen Verkehr Fahrgäste entziehen.
Zwei Felder, die dabei oft übersehen werden.
Logistik in der Nacht: weniger Lärm, weniger Emissionen, weniger gestresste Fahrer*innen – wenn es nicht privatwirtschaftlich zersplittert bleibt. Und Carsharing neu gedacht: Wenn das Auto zu dir kommt, ist es eine echte Alternative zum Zweit- oder Drittwagen.
Technologie ist kein Plan.
Autonomes Fahren kann ein Baustein einer gerechten Mobilität sein – aber nur, wenn Kommunen die Steuerung behalten, Kosten transparent sind und die Technologie in ein Gesamtsystem eingebettet wird. Ein autonomes Fahrzeug löst nicht die Probleme, die das Auto als System verursacht.
Was es braucht, ist politischer Wille. Und ehrliche Rechnungen.
Der Text in voller Länge erschien zuerst im Rahmen meiner Kolumne beim t3n Magazin – was sind deine Gedanken!?


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