E-Scooter-Fahrende ärgern Fußgänger*innen. Fußgänger*innen schimpfen auf Radfahrende. Radfahrende bekommen Hass ab. Und irgendwo mittendrin schiebt jemand einen Kinderwagen durch das Chaos.
Ich habe es satt. Nicht die Menschen – sondern das Spiel, das wir spielen, ohne es zu merken.
Während wir uns gegenseitig die Schuld geben, passiert das Eigentliche unbemerkt: 80 Prozent der öffentlichen Straßenfläche in unseren Städten gehören fahrenden und parkenden Autos. Nicht den Fußgänger*innen. Nicht den Radfahrenden. Nicht den E-Scootern. Nicht den Kinderwagen. Den Autos.
In Berlin stehen private Pkw auf 17 Quadratkilometern Fläche. Spielplätze kommen auf 3,3. Das ist keine Naturgewalt. Das ist eine politische Entscheidung – und wir können sie verändern.
Die Daten zeigen, dass der Wandel bereits passiert. In Berlin gibt es immer mehr Fußgänger*innen und immer weniger Autofahrende. Fast jedes zweite Auto bleibt täglich ungenutzt. Die Richtung stimmt. Aber der Raum folgt noch nicht.
Das ist das eigentliche Problem. Nicht der E-Scooter auf dem Gehweg. Der E-Scooter ist auf dem Gehweg, weil es keinen ordentlichen Radweg gibt. Der Radweg fehlt, weil der Platz den Autos gehört. Wir streiten über die Symptome und ignorieren die Ursache.
Wien macht vor, wie es gehen kann. Klare, breite, sichere Radinfrastruktur. Kein Entweder-oder. Einfach: ausreichend Platz für alle, die nicht im Auto sitzen.
Was wir brauchen, ist keine neue Verkehrsregel. Wir brauchen eine Bande.
Fußgänger*innen, Radfahrende, E-Scooter-Fahrende, Menschen mit Kinderwagen, mit Rollator, mit Rollstuhl – das ist dieselbe Lobby. Das sind die Menschen, die zu Fuß, auf Rädern, leise und ohne Abgase durch diese Stadt wollen. Gemeinsam sind wir die Mehrheit. Einzeln streiten wir uns um die Krümel, die das System uns lässt.
Bildet Banden. Hört auf, aufeinander zu zeigen. Zeigt gemeinsam auf das, was uns allen den Raum nimmt.
Im Rahmen von #FediverseFirst findet sich meine Kolumne immer schon donnerstags auf Loops. Ich freue mich, wenn ihr auf der guten Seite der Macht – und nicht auf Meta – mir ein Follow da lasst.


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