Gerade eben habe ich die neueste Erkenntnis aus meinem Reisealltag gewonnen: „Wegen einer Verzögerung auf der deutschen Strecke kann dieser Zug zwischen Hamburg-Altona und Zürich HB nicht fahren.”
Mein österreichischer Nachtzug, mit dem ich in die Schweiz wollte, wo ab Sonntag meine Delegation sich trifft, fällt aus, weil in Deutschland das System es verhindert.
Ich werde die Strecke im ICE fahren müssen, im Sitzen. Für chronisch Kranke mit das Beste, was passieren kann. Haha. Sorry, aber es reicht allmählich.
Ich bin auf eine funktionierende Bahn angewiesen. Ohne sie kann ich nicht arbeiten, nicht moderieren, nicht auf Bühnen gelangen und „witzigerweise“ natürlich auch nicht meine Arbeit für eine gerechte Verkehrswende leisten.
Ich fühle mich wie am Seitenrand eines Mannschaftsspiels, wo auf dem Spielfeld alles schief läuft und ich nicht eingreifen kann und soll. Und die anderen schlicht nicht daran interessiert sind, etwas zu verbessern. Laut wird gebrüllt, wenn etwas an den Autoprivilegien zugunsten einer guten Mobilität für alle verändert werden soll. Stille herrscht, wenn Menschen wie ich ihrer Mobilität beraubt werden. Dabei mache ich doch sogar die Straßen frei!
Jedes Jahr wird der Service des Staatskonzerns gegenüber meiner Person schlechter, OBWOHL ich dafür bezahle. Und nein, die Verantwortung sehe ich nicht nur bei den Konzernspitzen, sondern auch bei der Verkehrspolitik und der Gesellschaft, die Auto fährt. Und nicht daran interessiert ist, dass alle gut mobil sind. Jeder Parkplatz erhält mehr gesellschaftliche Solidarität als wir, die wir einfach nur komfortabel Bahn fahren wollen. Wo sind wir im deutschen Freiheitsbegriff von Mobilität?
Bahn-Bashing ist hierzulande Volkssport Nummer eins, doch kaum jemand denkt dabei systemisch: Dieser Zustand wurde nicht durch eine Naturkatastrophe herbeigeführt, sondern durch jahrzehntelange Unterlassung. Durch unterbliebene Investitionen, durch Prioritätenfokus auf Autoverkehr und durch eine Politik, die den öffentlichen Nahverkehr als Kostenfaktor statt als Rückgrat unserer Gesellschaft begreift.
Es ist Zeit für solidarische, wahrnehmbare, laute Wut. Nicht gegen einzelne Fahrgäste oder das Personal an vorderster Front, sondern gegen die Strukturen, die uns das antun.
Wir brauchen keine Entschädigungen. Wir brauchen eine Mobilmachung für die Bahn. Eine echte. Mit milliardenschweren zeitnahen Investitionen, die es seit Jahrzehnten in den Autoverkehr ohne Murren gab.
Wie ist dein Leben mobil? Hättest du auch gern eine gute Bahn?


Schreibe einen Kommentar