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François Bausch: Wir müssen Menschen bewegen, nicht Fahrzeuge. Was wir von Luxemburg lernen sollten.

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Was passiert, wenn ein Politiker zehn Jahre lang ein Verkehrsministerium führt – im Interesse aller, die mobil sein wollen, und nicht nur Jener, die ein Auto fahren können oder wollen.

François Bausch war von 2013 bis 2023 Verkehrsminister in Luxemburg. Er hat eine Stadtbahn gegen den Widerstand von zwei Dritteln der Bevölkerung gebaut. Er hat Fahrspuren für Autos in Fahrradinfrastruktur umgewandelt. Und er hat 2020 kostenlosen Nahverkehr eingeführt – nicht als politisches Gadget, sondern als Kirsche auf einem Kuchen, den er vorher gebacken hat.

Über diesen Kuchen sprechen wir heute.

Aber zuerst ein kurzes Wort in eigener Sache.

Dieser Podcast existiert, weil ich glaube, dass die richtigen Gespräche geführt werden müssen – auch wenn sie unbequem sind, auch wenn sie keine schnellen Lösungen liefern, auch wenn sie länger brauchen als ein Nachrichtenformat – und auch, weil leider nicht sehr viele intersektional in diesem Bereich arbeiten, also menschenzentriert für Jene, die immer wieder vergessen werden. Ich investiere in die Recherche, die Organisation, die Aufnahmen und Nachbereitung Zeit, die bekanntermaßen Geld ist. Das mache ich alles ohne Zahlschranke, weil ich möchte, dass alle an dem Wissen teilhaben können.

Zur Finanzierung meines Podcasts suche ich deshalb Partner*innen, die zu meiner Arbeit und meiner großartigen Community passen. Unternehmen, Organisationen oder Initiativen, die Mobilität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel nicht als Kulisse nutzen, sondern selbst daran arbeiten. Wenn ihr Teil davon sein wollt – als Förderer, als Kooperationspartner, als Sponsor einer Folge oder auch eines ganzen Monats, dann meldet euch!

Ich mache das nicht mit allen. Aber mit den Richtigen sehr gern.

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In dieser Folge sprechen wir über einen Weg, der nicht mit einer großen Vision begann, sondern mit einer nüchternen Bestandsaufnahme: eine Hauptstadt, komplett aufs Auto ausgerichtet. Kaum Fahrradinfrastruktur. Eine Stadtbahn, die seit 30 Jahren diskutiert wurde, ohne dass etwas passierte. Und Investitionsrückstände in der Bahn, die sich über Jahrzehnte aufgestaut hatten.

François hat das systematisch abgearbeitet. Erst als Beigeordneter Bürgermeister der Stadt Luxemburg, wo er einer zentralen Brücke eine Autospur wegnahm – und damit einen Sturm der Entrüstung auslöste. Dann als Minister, mit einem Investitionsprogramm, das Prioritäten setzte, einem nationalen Mobilitätsplan bis 2035 und dem Leitprinzip, das alles zusammenhält: Wir müssen Menschen bewegen, nicht Fahrzeuge.

Die Stadtbahn ist dabei das eindrücklichste Beispiel. Als Bausch das Projekt 2013 anschob, waren nur 38 Prozent der Bevölkerung dafür. Er baute trotzdem – ließ vorher einen maßstabsgetreuen Holzprototyp mitten in der Innenstadt aufstellen, sammelte sechs Wochen lang Feedback aus der Bevölkerung, integrierte Vorschläge sichtbar und öffentlich, veranstaltete Tage der offenen Tür in der Werkstatt. Als die erste Strecke eröffnet wurde, kippte die Stimmung: 80 Prozent Zustimmung. Heute nutzen 140.000 Menschen täglich diese eine Linie. Und niemand stellt das Projekt mehr in Frage.

Der kostenlose Nahverkehr, für den Luxemburg weltweit bekannt wurde, ist in diesem Gespräch fast eine Randnotiz – und das mit Absicht. François erklärt, warum er ihn selbst zunächst für „zu früh“ hielt, unter welcher Bedingung er zugestimmt hat, und warum er bei jedem Interview zum Gratisticket die Journalist*innen bat, kurz zuzuhören: Dieser sei „nur“ die Kirsche auf dem Kuchen. Den Kuchen muss man erst backen. Das kostet Investitionen, Qualität, Verlässlichkeit. Wer nur die Kirsche hinsetzt, schafft Frustration.

Deutschland bekommt von François einen klaren Spiegel vorgehalten. Das Deutschlandticket ohne Investitionsstrategie, der Tankrabatt als Reflex, das fehlende Gesamtkonzept – er spart nicht mit Analyse und macht keinen Hehl daraus, dass er das strukturelle Problem in Deutschland nicht für lösbar hält, solange kein verbindlicher nationaler Plan existiert, der Minister*innen über ihre Amtszeit hinaus bindet.

Am Ende frage ich ihn, was jemanden ausmacht, der Mobilitätspolitik wirklich gestalten will. Die Antwort von François ist direkt: Geduld, Überzeugungskraft, Zuhören und echten Willen, sich mit Herz und Seele reinzuschmeißen. Wer Verkehrsminister werden will, weil es das einzige Ministerium war, das noch übrig blieb, sollte lieber die Finger davon lassen.

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