Vor ein paar Stunden postete der offizielle CDU-Kanal auf Instagram eine Kachel, die eher nach Luxus-Werbung als nach politischer Verantwortung aussieht: Friedrich Merz, Sonnenbrille, Jackett lässig über die Schulter, Strand im Hintergrund. Dazu die „Bilanz“ von 15 Monaten Kanzlerschaft, serviert wie eine Werbeanzeige für ein Investmentprodukt. „Wir haben Deutschland sicherer gemacht.“ „Gerechter.“ „Rente zukunftsfest.“ Alles im Ton von: Lehn dich zurück, wir haben das im Griff.
Wo war ICH, als das alles geschah?
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„Wir haben Deutschland sicherer gemacht.“ Sicherer für wen? Der eigene Kanzler hat mit dem Wort „Stadtbild“ eine Debatte entfacht, die im Kern definiert, wessen Aussehen als bedrohlich gilt. Sein aktueller Verkehrsminister Steffen Bilger hat diese Aussage öffentlich verteidigt. Der Vorgänger im Amt musste seinen Rücktritt beantragen, um – in seinen Worten – einen „unwürdigen Zustand“ zu beenden. Das ist kein Bild von Sicherheit, sondern willkürlicher Dauerkrisenmodus.
„Wir haben Deutschland gerechter gemacht.“ Rückwirkend wurde das Bürgergeld für ukrainische Geflüchtete gekürzt. Die Krankenkassenbeiträge steigen für Millionen Menschen spürbar an. Die versprochene Kindergrundsicherung zur Bekämpfung von Armut kommt 2026 nicht. Gerechtigkeit scheint hier primär nach oben zu fließen.
„Wir haben das Gesundheitssystem gestärkt.“ Eine Zahl widerlegt das sofort: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung steigt 2026 von 2,5 auf 2,9 Prozent. Fast jede zweite Kasse erhöht zum Jahreswechsel. Stabilisierung sieht anders aus.

„Wir haben bessere Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Verbraucher geschaffen.“ Umfragen zeigen: Zwischen 74 und 87 Prozent der Menschen sind mit dieser Regierung unzufrieden. Merz‘ persönliche Zustimmung sank zeitweise auf historische Tiefwerte von 13 Prozent (Forsa). Wenn die Rahmenbedingungen wirklich besser wären, müsste das doch irgendwo anklingen?
„Wir machen die Rente zukunftsfest.“ Bewusst im Präsens, nicht in der Vergangenheit. Die sogenannte „tiefgreifendste Rentenreform“ soll langfristig sinkende Beitragssätze über Kapitalerträge bringen. Soll. Also Zukunftsmusik. Bis dahin zahlen wir weiter.
„Wir entlasten Familien.“ Das Kindergeld steigt 2026 um vier Euro auf 259 Euro. Sozialverbände warnen: Das deckt nicht einmal die gestiegenen Lebensmittelpreise. Für Familien im Bürgergeld-Bezug ist es ein Nullsummenspiel, da die Erhöhung voll angerechnet wird. Keine Entlastung, nur Buchhaltungstricks.
„Wir sorgen für Bürokratierückbau und mehr Flexibilität.“ Angekündigt wurde viel. Umgesetzt: mühsame Kompromisse bei der Arbeitsmarktflexibilisierung und die Aussicht, dass Berichtspflichten irgendwann wegfallen sollen. Angekündigt, nicht geliefert.
Acht Behauptungen. Keine davon hält der eigenen Realität stand, die diese Koalition in 15 Monaten geschaffen hat. Und die Folgen leben nicht am Strand, sondern woanders: bei der Krankenkasse, beim Bürgergeld, bei der x.ten Hitzewelle 2026, wo laut RKI bereits 11.600 Menschen in Summe ihr Leben verloren. Auch das eher kein Symbol von Sicherheit oder Lebensqualität.
Dazu passt perfekt der neue Verkehrsminister Bilger: ein altes Automindset in einem Sektor, der als einziger „darf“, Emissionen zu steigern. Gegen Verbrenner-Aus, gegen Tempolimit.
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Was bleibt, ist eine Kachel, die aussieht wie ein Duftwerbespot und sich liest wie eine Pressemitteilung, die niemand gegengelesen hat. Man kann sich fünfzehn Monate lang selbst auf die Schulter klopfen- irgendwann kommen die Schmerzen, die Bürger*innen schon jetzt durch diese Politik erleiden, vielleicht auch am eigenen Körper an.
Am Strand lässt es sich gut Bilanz ziehen. Nur leben muss man mit den Folgen woanders.


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