LinkedIn News hat Menschen gefragt, was sie von Waymos Start in München halten. Ich habe mir 17 Antworten angesehen.
Die für mich stärkste, weil analytische und nicht rein technikbegeisterte Stimme ist Katrin-Cécile Zieglerler. Sie seziert den Widerspruch im Statement von Staatssekretär Hirte:
Deutschland wolle diese Technologien „nicht nur nutzen, sondern auch hier entwickeln und betreiben” – während exakt das Gegenteil passiert. München bekommt keine autonomen Taxis, sondern eine „vertikal integrierte Plattform einer Alphabet-Tochter“. Karten, Fahrmodell, Chips, Betriebsdaten – alles Google. Ihr Fazit trifft den Kern: „Deutschland nutzt. Mal wieder. Entwickeln und betreiben tun andere.“
Ganz passend zu meinen #UnplugBigTech Newslettern diesen Jahres 🙁
Auch Alexander Herwig benennt die Eigentumsfrage:
Kein deutscher Industriepartner, hundert Prozent Alphabet.
Was für mich bei allen Posts fehlt, ist die Betrachtung des Mehrwertes solcher Angebote im Rahmen der Intersektionalität:
Wem nützt es – und wem nicht?
Keiner der 17 Beiträge verbindet die Souveränitätsfrage mit der Gerechtigkeitsfrage. Barrierefreiheit wird nur beiläufig erwähnt. Bezahlbarkeit wird nur von einer Person erwähnt – Silke Velten nennt Waymo eine mögliche „Antwort auf bezahlbaren ÖPNV”. Das wird ganz sicher nicht geschehen: Waymo ist kapitalistisch angetrieben und nicht gemeinwohlorientiert. Ein Plattform-Unternehmen, das Rendite für Alphabet-Aktionär*innen erwirtschaften muss, wird immer dort fahren, wo es sich rechnet, nicht dort, wo der Bedarf am größten ist.
Interessant: In zwei Beiträgen im selben Thread wird fast beiläufig erwähnt, was ich für den eigentlich richtigen Weg halte. Christian Marquordt nennt den autonomen Linienbus von UNVI/Imagry sowie das Münchner Projekt „Minga”. Isabel Hernandez Cabrera ergänzt die Hamburger ALIKE-Shuttles und das hessische KIRA-Projekt. Autonomes Fahren sollte in bestehende Nahverkehrsnetze eingebettet werden, um echte Lücken zu schließen, statt als privates Parallelsystem mit Taxi, Bus und Bahn um dieselben Fahrgäste zu konkurrieren. Diese Projekte erhalten im Waymo-Hype kaum Aufmerksamkeit. Dabei sind sie das Modell, über das wir eigentlich reden sollten.
Digitale Souveränität und soziale Gerechtigkeit in der Mobilität dürfen sich nicht (mehr) ausschließen. Sie sollte barrierefrei (Quote bei Waymo 0%) sein, in den bestehenden Nahverkehr integriert und vor allem: Sie sollte auch autofreie Zonen in Städten ermöglichen, damit Kinder autonom unterwegs sein können – und nicht selbst Robotaxis nutzen müssen, um unversehrt an der Kita anzukommen.
Wie seht ihr das?


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