Deutschlands konsumbasierter CO2-Fußabdruck – alles, was wir tatsächlich verbrauchen, inklusive dem, was in jedem Importgut steckt – liegt 20 Prozent über dem, was offiziell als „in Deutschland produziert“ gilt (Umweltbundesamt/Destatis). Wir haben nicht unsere Emissionen ausgelagert. Nur die Schlote.
Denn diese Konzerne produzieren nicht für sich selbst. Sie produzieren seit Jahrzehnten vor allem für uns im Globalen Norden. Die Schlote rauchen, weil sie unseren Konsum befriedigen.Wir haben die Schlote ausgelagert, nicht die Verantwortung. Länder wie Indien und afrikanische Staaten haben historisch kaum beigetragen und haben dahernoch viel mehr „Spielraum“ innerhalb des globalen Klimabudgets. Auch aktuell: Deutschland liegt bei rund 8,2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr, Afrika im Schnitt bei etwa einer Tonne, Länder wie Äthiopien sogar nur bei 0,16, Niger bei 0,11, Somalia bei 0,05 (Our World in Data, Statista/IEA-Daten).
Der Gap zeigt: Die Verantwortung liegt bei uns.
Sie liegt auch insofern bei uns, als sehr viele von uns Parteien wählen, denen die fossile Wirtschaft wichtiger ist als die Lebensqualität der eigenen Kinder. Man kann nicht auf Konzerne zeigen und gleichzeitig an der Wahlurne für ihr Geschäftsmodell stimmen.
Und der Fußabdruck ist auch innerhalb Deutschlands kein Zufall, sondern ein Klassenthema. Laut DIW Berlin verursachen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte im Schnitt mehr als zehn Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr – doppelt so viel wie die einkommensschwächsten zehn Prozent mit 5,6 Tonnen (DIW Berlin, Umweltbundesamt). Klimazerstörung ist ein Privileg, das mit monetären Mitteln einhergeht.
Aber: Diese Verantwortung über den eigenen Konsum trifft vor allem jene, die in der Mittelschicht oder darüber leben – laut IW Köln beginnt die Mittelschicht bei einem Single-Nettoeinkommen von rund 1.850 Euro im Monat, bei einem Paar mit zwei Kindern bei rund 3.880 Euro (IW Köln). Arme Menschen sind nicht qua Ökobewusstsein mit weniger CO2 unterwegs. Sie wohnen an lauten Hauptstraßen, weil die Miete dort günstiger ist, fahren seltener Auto, fliegen seltener in den Urlaub – geschweige denn unternehmen sie Fernreisen oder Kreuzfahrten. Während der Durchschnittsdeutsche im Jahr 19 Kilogramm Kleidung kauft, liegen einkommensschwache Haushalte auch beim Konsum klar darunter.
Ihr kleinerer Fußabdruck ist keine Leistung, sondern eine Folge von Mangel.
Das heißt nicht, dass Konzerne und Überreiche aus der Verantwortung sind – im Gegenteil. Ein Mensch aus dem reichsten 0,1 Prozent in Deutschland verursacht mit rund 307 Tonnen CO2 im Jahr 52-mal mehr als ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent (Oxfam).
Es braucht beides: Demut und Anerkennung der eigenen Privilegien bei allen, die es sich leisten können zu konsumieren – und politischen Druck, damit Konzerne und Überreiche endlich zahlen.
Wer bei der Analyse „die Konzerne“ stehenbleibt, hat es sich damit oft zu bequem gemacht – weil sich so trefflich jede eigene Verantwortung wegschieben lässt. Aber wer dort stehenbleibt, hat ebenso noch nicht verstanden, welchen Anteil der Kapitalismus und ein neoliberales Weltbild an dieser Katastrophe haben. Die Lösung liegt nicht im Du, sie liegt nur im Wir. Auch wenn gerade sehr gewollt ist, dass wir uns vereinzeln lassen. Dabei brauchen die Marginalisierten in Deutschland und weltweit genau jetzt unseren Support. Wir müssen ihre Stimme sein.
Deshalb: Alle über 40 sollten mal drüber nachdenken, welchen Anteil sie über die Jahrzehnte hatten. Und alle unter 40 sollten reflektieren, welche Vorbilder sie sich aussuchen. Ist es Greta Thunberg oder Taylor Swift? Ist es Jeff Bezos, Elon Musk, Trump, Putin – oder José Mujica (der frühere Präsident von Uruguay lebte bis zu seinem Tod 2025 in einem einfachen Farmhaus. Er gab über 90 Prozent seines Gehalts für andere Menschen weiter. Anti-Konsum, gelebt statt gepredigt.), Bill McKibben (wird als einer der intellektuellen Väter der modernen Klimabewegung bezeichnet. Seit der Publikation seines wegweisenden Buches „The End of Nature“ 1989 hat er einen signifikanten Einfluss auf die öffentliche Debatte ausgeübt. 2007 folgte die Gründung der globalen Graswurzelorganisation 350.org durch ihn. Im Gegensatz zu vielen anderen Akteur*innen im Klimasektor verzichtet er auf milliardenschwere Geschäftsmodelle oder egozentrische Projekte. Stattdessen steht sein jahrzehntelanges, konsequentes Engagement für eine postfossile Gesellschaft und lokale Widerstandsbewegungen im Vordergrund).
Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ehrlicher wäre es, anzuerkennen: Dabei zeigen vier Finger auf dich und mich zurück.


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