Der größte Feind des Fortschritts ist nicht der Irrtum, sondern die Trägheit.

Vier Stichworte, die jedes kommunale Mobilitätskonzept aufmischen.

Immer wieder erreichen mich Mails und Nachrichten von Menschen, die meiner Aufforderung folgen, selbst in der Demokratie eine Rolle zu übernehmen: Sie gehen da hin, wo es wehtut. In den Verkehrsausschuss ihrer Stadt, in die öffentliche Beratung des zukünftigen Nahverkehrsplans ihrer Gemeinde, in die Diskussionsrunde zur Zukunft ihrer Region. Und sie schreiben mir: Welche Punkte überzeugen, Diskurse mal anders als autokonservativ zu führen? Was irritiert positiv? Wie kann Empathie für Jene entstehen, die ohne eigenes Auto gut mobil sein wollen?

Die Mail, die ich grad mal wieder beantwortet habe, brachte mich zu der Idee, diese Antworten mal öfter in meinen Blog einzubinden, damit auch ihr davon partizipiert. Ein Bürger aus Würselen, einer Kleinstadt mit rund 50.000 Einwohner:innen bei Aachen, ist zum städtischen Workshop über das neue Mobilitätskonzept eingeladen. Parteiunabhängig. Er sei bekannt dafür, „aufrüttelnde Aspekte“ einzubringen und scheut die Diskussion nicht. Er will kommunikativ gestalten und die richtigen Debatten entstehen lassen. Er fragt mich: Welche vier Punkte müssen unbedingt in die Diskussion?

Vier. Nicht zehn. Nicht fünfzehn. Denn als Zuhörer:in bekommt man in solchen Runden selten mehr unter – und wer sich verzettelt, verliert.

Die Antwort ist übertragbar: Was in Würselen gilt, gilt in Ahrensburg, Pirmasens, Neustrelitz oder Lahr. Der Autoverkehr wurde jahrzehntelang als Planungsgrundlage gesetzt, nicht als eine Option unter mehreren. Genau hier müssen die Hebel ansetzen.

Die ersten beiden Stichworte teile ich hier offen. Die anderen zwei – inklusive der kontraintuitivsten Wahrheit kommunaler Verkehrsplanung, der Link-Sammlung und meinem praktischen Tipp, wie man eine solche Runde strategisch moderiert, ohne zu dominieren – stehen hinter der Bezahlschranke für meine Newsletter-Abonnent*innen.

Auch das musste ich lernen: Mein Wissen ist etwas wert, eben auch Geld. Ab sieben Euro im Monat gibt es wöchentlich meinen Newsletter mit exklusiven Inhalten, Webinaren und vielem mehr. Das ist weniger als zwei Hafercappuccini. Am meisten hilfst du mir, wenn du weder Paypal noch Kreditkarte, sondern einfach die Bankzahlung nutzt, da gehen kaum Kosten für mich runter. Danke!


1. Flächengerechtigkeit statt Autozentrierung

Die eigentliche Kernfrage jeder Verkehrsdebatte lautet nicht „Wie bekommen wir den Verkehr flüssiger?“, sondern: Wem gehört der öffentliche Raum?

In den meisten deutschen Kommunen sind 60 bis 70 Prozent der Verkehrsfläche für den ruhenden und fließenden Kfz-Verkehr reserviert. Obwohl nur ein Bruchteil der Bevölkerung ihn in dieser Intensität nutzt. Die Stichworte dazu: Parkraumbewirtschaftung, Anwohnerparken zu realistischen Preisen (die aktuellen 10 bis 30 Euro pro Jahr sind ein absurder Subventionssatz, den kein Mietwagenunternehmen der Welt anbieten würde), Rückgewinnung von Flächen für Aufenthalt, Rad, Kinder, Grün.

Das rüttelt auf, weil es alle betrifft – und weil Lebensqualität in einer sich erhitzenden Stadt ein Thema ist, das alle wollen. Niemand möchte im Hitzesommer auf Asphaltwüsten starren.

Mein Tipp: In meinem Podcast gibt es eine Folge über die verdrängten Autokosten, die hier extrem hilfreich ist, weil Prof. Carsten Sommer ein konkretes Tool entworfen hat, mit dem sich diese Kosten beziffern lassen: 👉 Warum lassen wir uns das Auto Milliarden kosten, während Rad und ÖPNV sogar Nutzen bringen?


2. Kinder- und Seniorenmobilität als Planungsmaßstab

Eine Stadt, die für 8-Jährige und 80-Jährige sicher funktioniert, funktioniert für alle.

Dieser Maßstab entlarvt innerhalb von Minuten, wo Infrastruktur heute versagt: bei Schulwegen, Querungen, Fußwegbreiten, Ampelschaltungen. Konkret für Würselen – und für jede vergleichbare Kommune: Wie viele Kinder dürfen heute allein zur Schule gehen? Und wie viele wurden „Elterntaxi-pflichtig“, weil die Wege zu gefährlich wurden?

Das ist ein besonders wirkungsvoller Hebel, weil er emotional und unideologisch zugleich ist. Keine Partei kann sich hinstellen und sagen: „Wir finden den Schulweg eigentlich nicht so wichtig.“

Und: Fast alle von uns sind irgendwann im Leben durch Krankheit, Alter oder andere Einschränkungen auf Barrierefreiheit angewiesen. Die „Fußläufigkeit“ im Alltag steigt im Alter wieder deutlich an. Wenn ältere Menschen einfach vor die Tür gehen und am Leben teilnehmen können – nicht nur, wenn Angehörige sie fahren –, ist das eine wunderbare Vision der Stadt. Und eine Vision, die sich jede Kommune leisten sollte.


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Die Punkte 3 und 4 sind die, die in kommunalen Workshops typischerweise das größte Aha-Erlebnis auslösen – und zugleich die größten Reflexe wecken. Besonders Punkt 4 ist der Moment, an dem viele Verkehrsdiskussionen kippen, weil er gegen den Common Sense läuft, aber empirisch sehr gut belegt ist.


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📖 Für Abonnent:innen: Die vollständigen Punkte 3 und 4:

3. Vernetzung statt Einzelmaßnahmen – die Stadt der kurzen Wege

Einer der häufigsten Fehler kommunaler Mobilitätsplanung ist die Projektlogik: Hier eine neue Radspur, dort ein neues Parkhaus, dazwischen vielleicht ein Kreisverkehr. Das klingt nach Fortschritt, ist aber oft nur Symbolpolitik. Denn die entscheidende Frage lautet nicht „Was bauen wir als Nächstes?“, sondern: Wie hängt alles zusammen?

Gerade Kleinstädte, die aus mehreren gewachsenen Ortsteilen bestehen, haben hier eine riesige, oft übersehene Chance. Die Distanzen zwischen den Ortsteilen liegen häufig unter fünf Kilometern. Das ist, ehrlich gesagt, Radgebiet par excellence. Und zwischen dem eigenen Ortsteil und der nächsten Bäckerin, Kindergarten oder Arzt liegen oft weniger als 1,5 Kilometer. Das ist Fußweg-Distanz – zumindest dann, wenn der Weg nicht durch eine sechsspurige Ausfallstraße zerschnitten wird oder entlang einer L…

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