#UnplugBigTech, Teil 9: Mehr Kontrolle über Android und iOS.
Ich sage seit Jahren: Mobilität ist eine Machtfrage. Wer darf sich wie bewegen, wer bekommt Platz, wer wird übersehen? In Teil 8 haben Mike Kuketz und ich gezeigt, wie du navigierst, ohne dass Google oder Apple mitfährt. Heute geht es um einen Beifahrer, den wir alle vergessen: dein Smartphone.
Denn selbst wenn du die beste Karten-App, den sichersten Messenger und den saubersten Browser nutzt, kann das Betriebssystem Daten absaugen. Wenn das Betriebssystem darunter jedoch Daten absaugt, bleibt der Effekt gering. Dein Handy liegt nachts neben deinem Bett. Es ist auf jedem Weg dabei. Es kennt deinen Standort, deine Kontakte, deine Gewohnheiten und oft sogar deine Gesundheitsdaten. Wer dieses Gerät kontrolliert, schaut direkt in dein Leben.
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Das Fundament gehört zwei Konzernen
Android ist kein neutrales System. Es ist ein Produkt des Konzerns Google, der sein Geld mit Daten und Werbung verdient. Die Google Play Services sind tief im System verankert, verfügen über weitreichende Rechte und funken regelmäßig nach Hause. Das passiert auch, wenn du gar keine Google-App öffnest. Samsung, Xiaomi, Oppo und Co. legen mit vorinstallierten Apps, eigenen Trackern und eigenen Interessen noch eine Schicht obendrauf.
Und das iPhone? Apple hat einige gute Entscheidungen getroffen, etwa die App-Tracking-Transparenz. Aber das System ist komplett geschlossen. Niemand kann unabhängig prüfen, was iOS im Hintergrund tut. Privatsphäre als Werbeslogan ist keine Kontrolle, sondern ein Versprechen, das wir glauben sollen.
Dazu kommen die Apps. Viele wollen beim ersten Start gleich mehrere Berechtigungen. Wir klicken schnell auf „Erlauben“, weil wir nur schnell ein Busticket kaufen wollen. In vielen Apps stecken Werbe- und Analyse-Bausteine, die im Hintergrund Daten an Dritte übermitteln. Das Ergebnis ist ein Datenstrom auf mehreren Ebenen gleichzeitig, während du „einfach nur“ dein Handy benutzt.
„Ich hab doch nichts zu verbergen“
Doch, du hast ein Leben. Und genau darum geht es. Datenschutz hat nichts mit Geheimnissen zu tun, sondern damit, wer über dich Bescheid weiß und was mit diesen Informationen geschieht. Dein Standort, deine Kontakte, deine Fotos, dein Mikrofon: All das zeigt, wo du dich aufhältst, wen du kennst, was dich beschäftigt.
Und das trifft nicht alle gleichermaßen. Für Aktivist:innen, queere Menschen, Frauen, die sich aus einer gewaltvollen Beziehung lösen, oder Journalist:innen ist ein lückenloses Bewegungsprofil kein abstraktes Risiko. Wer „nichts zu verbergen“ sagt, tut dies meist aus einer privilegierten Position heraus. Digitale Selbstbestimmung ist deshalb für mich keine Nerd-Frage. Sie ist eine Demokratiefrage.
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Was du heute Abend tun kannst.
Die gute Nachricht: Du brauchst kein neues Gerät, um mehr Kontrolle zu erlangen. Mike hat alles Schritt für Schritt aufgeschrieben – für Android 16 und iOS 27.
Hier sind die wichtigsten Hebel.
Auf Android schaltest du unter
Google → Alle Dienste → Werbung
die personalisierte Werbung ab, löschst die Werbe-ID und deaktivierst die drei Punkte unter „Datenschutz bei Werbung“. Anschließend suchst du nach „Aktivitätseinstellungen“ und schaltest die Zeitachse ab – Googles lückenloses Protokoll, das verzeichnet, wo du wann warst. Wähle „Deaktivieren und Aktivitäten löschen“. Dasselbe machst du mit den Web- & App-Aktivitäten und dem YouTube-Verlauf.
Auf dem iPhone gehst du zu
Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit.
Unter „Tracking“ deaktivierst du die Option „Apps erlauben, Tracking anzufordern“. Unter „Analyse & Verbesserungen” schaltest du alles aus. Den „App-Datenschutzbericht“ schaltest du dagegen ein. Er zeigt dir, welche Apps wie oft Daten übertragen. Unter „Apple-Werbung“ stellst du außerdem die Personalisierung ab.
Bei den Apps hilft vor allem eins: ausmisten.
Was du seit Monaten nicht geöffnet hast, kannst du löschen. Hersteller-Apps, die sich nicht löschen lassen, kannst du unter Android zumindest deaktivieren. Danach nimmst du dir die Berechtigungen vor. Der Berechtigungsmanager zeigt dir pro Berechtigung, welche Apps sie nutzen. Das ist oft erhellend. Auf dem iPhone findest du dieselbe Übersicht unter „Datenschutz & Sicherheit“. Die Faustregel lautet: Standort nur bei Verwendung der App und Kontakte nur, wenn es einen echten Grund gibt. Eine Taschenlampen-App braucht dein Adressbuch nicht. Wenn eine App wirklich eine Berechtigung benötigt, meldet sie sich.
Und falls du es noch nicht gemacht hast: Richte einen DNS-Blocker ein, wie in Teil 2 beschrieben. Der bremst Tracker systemweit aus, auch in Apps.
Das hier ist ein Einstieg, kein Ausstieg.
Nur weil du ein paar Schalter umlegst, hören weder Google noch Apple auf zu sammeln. Wer weitergehen will, schaut sich GrapheneOS an. Das ist derzeit das konsequenteste alternative Android-System: Es ist gehärtet und verfügt nicht über die Sonderrechte der Google-Dienste. Die Ironie dabei ist, dass es bislang nur auf Google-Pixel-Handys läuft. Das ändert sich aber. Motorola hat eine langfristige Partnerschaft mit GrapheneOS angekündigt, die ersten Geräte sollen 2027 auf den Markt kommen.
Für das iPhone gibt es eine solche Alternative nicht. Dort bleibt nur, die Einstellungen konsequent umzusetzen. Und Vorsicht vor Schnellschüssen! Ein Bastel-System ohne verlässliche Sicherheitsupdates kann neue Risiken bergen.
Nicht Verzicht. Rückeroberung.
Ich weiß, wie das klingt: Noch eine Baustelle, noch eine To-do-Liste. Aber es geht nicht um Verzicht. Es geht darum, dir etwas zurückzuholen, das dir nie hätte genommen werden dürfen. Nimm dir heute Abend 15 Minuten, dein Handy und diese Liste. Du musst das auch nicht allein machen. Zu jedem Teil der Serie gibt es im Kuketz-Forum Menschen, die mitdenken und helfen.
Die komplette Anleitung mit allen Screenshots findest du bei Mike: #UnplugBigTech: Mehr Kontrolle über Android und iOS – Teil 9.
Wir holen uns unsere Wege zurück. Die auf der Straße und die in unserer Hosentasche.
#UnplugBigTech













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