Die Antwort dieser Führung:
Gespräche mit einem Rüstungsunternehmen.
Ergo: Das Problem sitzt im Management, nicht in der Belegschaft.
Morgen ist Hauptversammlung bei Volkswagen. Zeit für einige Gedanken, die schon länger in meinem Kopf schwirren.
Ende 2024 hatten sich der VW und Gewerkschaft auf ein drastisches Sparpaket geeinigt. Bis 2030 sollen 50.000 Stellen abgebaut werden. Das ist die „sozialverträgliche Variante“. Dadurch sollen die Kosten von 1,6 Milliarden Euro pro Jahr gesenkt werden. Das Unternehmen hatte damals versprochen, keine Standorte zu schließen, bis auf die „gläserne Manufaktur“ in Dresden. Wenn die „ambitionierten Sparziele“ erreicht werden. Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte im März ein paar radikale Vorschläge des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach sollen langfristig nur noch zwei Standorte erhalten bleiben: die Stammwerke von VW in Wolfsburg und von Audi in Ingolstadt. ntv bietet eine aktuellen Übersicht über den „Stand der Dinge“ in Sachen deutsche VW-Produktion, als etwa 42 Prozent des weltweiten Gesamtvolumens der hergestellten VW-Fahrzeuge. Im Mai kamen diese News hinzu:
Volkswagen-Chef Oliver Blume hat den Aufsichtsrat mit einem radikalen Sparplan konfrontiert. Bis 2030 sollen die Investitionen um 15 Prozent gekürzt werden, vier deutsche Werke stehen mittelfristig zur Disposition.
Fakt ist: Die Produktion im VW-Werk in Osnabrück wird 2027 eingestellt. Dort arbeiten über 2.300 Menschen, die Fahrzeuge vom Konzept bis zur Serienreife entwickeln und auf die Straße bringen. Sie haben MOIA gebaut, das jetzt als Lizenzmodell in die USA exportiert wird. Das Management von VW bietet dieses Werk und die in im aufgebauten Kompetenzen scheinbar nur Rüstungsunternehmen an, ohne mal in den Rückspiegel zu schauen, welche eigenen Projekte zu einer sinnstiftenden Skalierung führen könnten. Stattdessen: die Fortsetzung desselben verharrenden Denkens, das den Konzern in die gewinnmindernde Lage gebracht hat. Die Beschäftigten in Osnabrück sind nicht das Problem dieser Transformation, sondern ihre Voraussetzung.
Wir erinnern uns: Volkswagen hat nicht nur das MOIA-Ridesharing aufgebaut, das in Hamburg sogar bald autonom angeboten werden soll, Carsharing erprobt, und sich als 360-Grad-Mobilitätsdienstleister in Kooperation mit Verkehrsunternehmen und Städten versucht. Dann verließ das Management diesen Kurs wieder – nicht weil die Idee falsch war, sondern weil der Verbrenner noch lukrativ lief und der Mut fehlte, rechtzeitig umzuschichten. Jetzt läuft dieser Plan der Nichttransformation und des „weiter so“ – wie seit Jahren absehbar – gegen eine Zukunft, die andere Produkte braucht als den einzeln besessenen Pkw. Die Zukunft ist geteilt, kommunal/lokal und vor allem auch elektrisch. Das hier ein Kleinbus wie der MOIA eine entscheidende Rolle spielen könnte, zeigt eine Kurzstudie von Robin Hood und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Fazit:
Ließe sich einer dieser Entwicklungspfade für das Werk Osnabrück in einer Kooperation von Belegschaft und IG Metall, der ÖPNV-Branche sowie Land und Kommunen umsetzen, würde dies eine Zukunft für das Werk im Fahrzeugbau bieten. Damit könnten Arbeitsplätze sowohl im Werk als auch bei den Zuliefererbetrieben in der Region gesichert, wichtige Voraussetzungen für die Verkehrswende geschaffen und Wertschöpfungseffekte in der Region erzielt werden.
Voraussetzung für ein solches nachhaltiges Nutzungskonzept für das Werk in Osnabrück – und andere Automobilwerke in Deutschland – ist eine Politik, die eine ambitionierte Verkehrswende vorantreibt und dafür ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stellt. Zudem muss die regionale, demokratische und nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Industrie gefördert werden.
Dass die nötigen Mittel für diese Transformation im Unternehmen fehlen, ist kein Zufall. Der Konzerngewinn sank 2025 um 44 Prozent – bleibt aber ein satter Gewinn, was das ständige Krisegebrüll deutlich verschleiern soll. Plus: 2,6 Milliarden Euro sollen an Anteilseigner*innen ausgeschüttet, während Stellen abgebaut werden. „Volkswagen muss verstärkt in die Produktion kleiner, sparsamer E-Fahrzeuge ‚Made in Europe‘ investieren„, sagt Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands der Kritischen Aktionär*innen. „Dafür müssen Finanzmittel im Unternehmen gehalten werden, statt sie durch vergleichsweise hohe Dividenden abfließen zu lassen.“ Die Frage an den Vorstand von Volkswagen: Wer zahlt für die Transformation, wenn das Kapital dafür schon ausgeschüttet wird?
Der eigentliche Markt liegt nicht in Europa. Er liegt in den Milliardenstädten des globalen Südens, wo die Frage nicht lautet: Welches Auto kaufe ich mir? Sondern: Wie komme ich von A nach B? Wer dort mit geteilten Mobilitätslösungen antritt statt mit dem exportierten Traum vom Privatwagen, besetzt einen Weltmarkt – und verhindert, dass der Massenindividualbesitz, den Europa und Nordamerika vorgelebt haben, in Schwellenländern klimapolitisch zu Ende gedacht wird.
Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent an Volkswagen – nicht als stiller Teilhaber, sondern mit demokratischem Auftrag. Wer diesen Anteil hält, während die eigene Konzerntochter MOIA ihr Lizenzmodell in die USA exportiert und der Vorstand gleichzeitig mit einem Rüstungskonzern verhandelt, muss auf dieser Hauptversammlung erklären, wofür diese Beteiligung steht.
Die Krise von Volkswagen ist ein Managementproblem. Das ist die schlechte Nachricht für den Vorstand – und die gute für alle anderen. Denn Managementprobleme sind lösbar.
Dazu sind am 18. Juni durch Momentum von mir Zitate eingespielt worden:
- MOIA eines der fortschrittlichsten Ridepooling-Fahrzeuge der Welt bauen, das jetzt sogar in die USA exportiert wird. Dass sechs von neun Vorstandsmitgliedern die Lage des eigenen Konzerns als existenziell bezeichnen und die Konzernspitze als Antwort Gespräche mit Rüstungsunternehmen führt, statt auf den Zukunftsmarkt Ridepooling zu setzen, zeigt: Das Problem sitzt im Management. Es schielt auf kurzfristige Renditen statt auf die langfristige Transformation.”
- “Volkswagen hat Ridesharing aufgebaut, Carsharing erprobt, mit MOIA eine eigene Mobilitätsmarke etabliert und sich als 360-Grad-Mobilitätsdienstleister in Kooperation mit Verkehrsunternehmen und Städten positioniert. Dann hat das Management diesen Kurs verlassen – weil der Verbrenner noch lief und der Mut fehlte, rechtzeitig umzuschichten. Jetzt läuft dieses Geschäft, wie seit Jahren erwartet, gegen die Wand einer Zukunft, die andere Produkte braucht als den Verbrenner-PKW.”
- “Die große Marktchance liegt außerhalb des gesättigten, europäischen Automarkts in den Milliardenstädten des globalen Südens. Wer dort mit intelligenten, geteilten Mobilitätslösungen antritt, statt mit dem exportierten Traum vom Privatwagen, besetzt einen Weltmarkt – und verhindert gleichzeitig eine Ressourcenkatastrophe.”
- “Volkswagen steckt in einer Krise, die lösbar ist – mit einer Belegschaft, die es kann, mit einer Technologie, die bereits existiert, und mit einem Markt, der auf diese Lösungen wartet. Was fehlt, ist der Mut des Managements, die eigene Vergangenheit loszulassen. Auf dieser Hauptversammlung wäre die Frage an den Vorstand: Wann fangen Sie an?”
Katja Diehl steht ab sofort für Presseanfragen bereit.
Gerne stellen wir den Kontakt her:
Team Momentum: +49 155 63365091,
Alle Zitate können direkt verwendet werden. Bitte geben Sie uns in diesem Fall Bescheid.



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