Twitter-Beitrag von Daniela Kluckert über mich.

Gedanken zum „Überleben“​ von Autokorrektur. Was es bedeutet, in Zeiten wie diesen Autozentrierung zu hinterfragen.

Dieser Newsletter erschien heute bei LinkedIn.

Kurzer Zwischenstand nach (m)einem „Februar des Hasses“ – in einem Ausmaß, das ich so hoffentlich nie wieder erleben oder wenn dann vielleicht schlicht verpassen werde.

Twitterpost von Daniela Kluckert, FDP, zu meiner Person.

Auch, weil sich Staatssekretärinnen von Bundesministern an dieser Hatz gegenüber meiner Person lustvoll beteiligten, im Fall von Daniela Kluckert sogar mit dem Hashtag versehen, habe ich anerkennen müssen, dass ich mittlerweile eine öffentliche Person bin, die sich schützen muss.

Ich bin stärker als die Wörter, die andere sagen, und größer als die Schublade, in die sie mich stecken wollen.

David Levithan

Ich möchte daher erstmal über das Loslassen sprechen. Denn das war und ist für mich nicht leicht. Aber es ist notwendig. Eben auch, um gesund zu bleiben.

Worum geht es da?

Meinen Humor nimmt mir kein Mensch 🙂

Vor allem auch um das Loslassen meines Bildes der Einzelkämpferin, die für die menschenzentrierte Mobilitätswende kämpft. Deren Expertise in der Fachwelt genauso anerkannt ist wie ihre „hehren Ziele“ in der Welt der Veränder:innen. Die, wenn schon nicht geliebt, dann doch bitte nicht gehasst wird!

Ein Stück weit auch um auch die Anerkennung einer Geschichte, für die andere riesige Summe erhalten, wenn sie sie berichten: Den Ausstieg aus einem sehr gut bezahlten Job, um „die Welt zu verbessern“ und damit einen weit größeren Sinn zu finden als das Berichten von Quartalszielen und das Erklimmen von Organigrammstufen.

Mein Mantra.

Denn – hej! – ich habe keine bösen Absichten, im Gegenteil, ich will das autozentrierte und vielschichtig schädliche und abhängig machende Verkehrssystem zu einem guten System für alle gestalten. Eine Wahlfreiheit der Mobilitätsmittel gestalten, in der alle, die nicht Auto fahren können oder wollen, selbstbestimmt mobil werden.

Zu sehr im Außen zu verbleiben ist schädlich

Und ja – natürlich – da schwang ganz bestimmt auch der Wunsch nach Anerkennung mit. Den ich loslassen musste. Denn es ist, wie es ist: Das, was ich tue, ist nicht nur etwas, von dem viele denken, dass dies pro bono erfolgen sollte, sondern es ist Teil des absurden Schubladendenkens in unserer Welt, dass, wer sich engagiert, immer kritisch zu hinterfragen ist. Von links im Sinne der reinen Lehre („Katja ist nicht links genug“ – siehe auch Strömungen wie Neutribalismus und andere Phänomene wie „fehlender Stallgeruch“), von konservativ (im Sinne von Status bewahren wollen) dann unter „Gurke“

HUST! Wach´ auf Katja!!!

So könnte ich den Prozess der ersten vier Jahre meines Weges unter beschreiben.

Ich werde gehasst, immerhin von allen, weil ich den einen die „bekennende Autohasserin“ und den anderen die geldgeile industrienahe Beraterin bin. Meine Expertise wird trotz entsprechender Berufserfahrung und vor allem Zugewandtheit zu allen Menschen täglich in Zweifel gezogen, weil ich u. a. Literaturwissenschaft und Soziologie studiert habe. Und das in einer Welt, wo die immer gleichen Gesichter ohne Expertise zu jedem Thema als Expert:innen interviewt und gehört werden. Auch mein fester Wille, das, was ich tue, so zu monetarisieren, um damit ein gutes Leben zu führen, wird von nicht wenigen „links der Mitte“ angeekelt weggewischt. Denen bin ich dann wiederum KEINE Aktivistin, während die eher konservativeren Teile der Gesellschaft mich lustvoll als ebenjene betiteln und damit diskreditieren.

Ich habe es schon oft gesagt: Manchmal wünsche ich mir die Zeit herbei, in der es genügt, einen Raum zu betreten, den eigenen Namen zu benennen und wie die jeweilige Person die Welt verbessern will. Aber bevor das eintritt, muss ich loslassen,

Nun aber zum aktuell sondierenden Lösungspfad, den ich endlich mal angetreten habe, weil ich einen umfassenden Crash durch 14 Tage Morddrohungen und Hass erlitt. Und ja: Ich bereue, dass ich nicht vorher schon reagiert habe. Deswegen vielleicht auch als Hilfe für andere, die grad suchen.

Meine drei Schritte in mentale und finanzielle Sicherheit.

Ich sehe aktuell drei Säulen auf meinem Weg der „stabilen mentalen und finanziellen Sicherheit“ – so habe ich mein Projekt mal genannt. Und innerlich gehe ich jetzt schon wieder in Abwehrhaltung, weil ich weiß, dass Teile dieses Newsletters wieder bei Twitter und anderen Netzwerken landen werden, um mich zu diskreditieren. Aber – wir erinnern uns: Zu sehr im Außen zu sein ist schädlich. Der Sinn liegt im Innen.

Versuche nicht, den Fluss zu steuern.

Deepak Chopra

Ok, ich versuche es. Und wissen Sie was? Den Fluss nicht zu steuern, das heißt in meinem Leben vor allem auch, um Hilfe zu bitten. Aber dazu am Ende mehr.

1. Schritt:

Etablierung eines Grundeinkommens mit meinem Steady Angebot. Das ist ziemlich ambitioniert, da mein wöchentlicher Newsletter ab fünf Euro im Monat zu beziehen ist, aber vielleicht entscheiden sich ja auch Unternehmen oder Teams oder Einzelpersonen, die etwas teureren Modelle zu beziehen, die immer auch weitere vier Zugänge erhalten.

2. Schritt: Outsourcing von Kommunikationspunkten.

Was meine ich damit? Vor allem, nicht mehr direkt mit Angriffen auf meine Person konfrontiert zu sein. Da wäre Damian, der meine Mails betreut, Philipp Mentis, der mir ab Ende März in Sachen Instagram-Account zur Seite steht (und sich aktuell zu Hate Speech fortbildet – uff, aber richtig!), da wäre Stefan Bergmeier von Neue Formation GmbH, der mit seinem Team für mich weitere Potentiale der Optimierung meiner vorhandenen Kanäle, der Vermarktung meines Podcasts (heute neue Folge!!) eruiert. Das alles kostet für eine Soloselbstständige wie mich sehr viel Geld, aber ich glaube daran, dass der Newsletter so wachsen wird, dass ich das schaffe.

3. Etablierung als Speakerin und beratende Expertin.

Ich war im letzten Jahr viel auf Lesereise, aber vor allem auch viel auf Bühnen. Und habe – nicht immer beabsichtigt – mitbekommen, WAS manche Menschen mit Vorträge verdienen. Sechsstellige Beträge für – sorry to say – wiedergekäute Reden, nicht mal angepasst an die jeweilige Veranstaltung. Es ist schon schräg. Um mich hier zu positionieren, habe ich schon länger mit dem London Speaker Bureau eine Zusammenarbeit geschlossen. Denn meine Vorträge sind stets neu, in enger Abstimmung mit den Auftraggebenden und vor allem: Ich werde gebucht, um Gedanken anzuregen und nicht unbedingt nur zu bestätigen.

Ich freue mich über Anregungen und Ideen.

Auch über eine Diskussion, warum es in unserer Gesellschaft so selbstverständlich ist, dass viele, die die Welt verbessern wollen, nicht in Lohnarbeitsjobs zu finden sind. Warum ist so offensichtlich kein Platz für Transformation in der „üblichen Berufswelt“? Ich verurteile niemanden, wenn die Entscheidung fällt: Ich habe keine Kapazität, die Veränderung zu gestalten. Aber ich bin enorm irritiert, wenn Konzerne mit Hochglanzbroschüren nicht genug Räume für klima- und sozial gerechte Veränderung schaffen, sondern lieber Aktionen starten, wo der gesamte Konzern EINE STUNDE oder EINEN TAG an Nachhaltigkeit arbeitet.

Ich habe anerkannt, dass ich keine Person mit einer Wahl bin, sondern eine Mission habe. Aber dass mir das zum Nachteil gereicht, das aktzeptiere ich nicht. Ich muss mich in diesem Land selbst schützen, um gegen Morddrohungen und andere Bedrohungen gewappnet zu sein. Nehme dafür mein Geld und auch meine Zeit in die Hand. Das kann nicht Jede:r und auch mir macht es Sorge, was diese Investitionen bedeuten. Aber mein Bauchgefühl wähnt mich auf dem richtigen Pfad. Nicht zuletzt, weil ich dieses Jahr im Herbst ein zweites Buch abgeben werde, das im Frühjahr 2024 erscheinen wird.

Aktuell – das hat aber jetzt nichts mit dem Newsletter zu tun – suche ich nach Personen, die die Interviews für mein zweites Buch transkribieren können und nach einer Unterkunft für vier oder sechs Wochen im Sommer, um mein Buch dort in Ruhe schreiben zu können.

Danke, wenn Sie bis hierhin gelesen haben!

Ihre Katja Diehl

Eine Antwort zu „Gedanken zum „Überleben“​ von Autokorrektur. Was es bedeutet, in Zeiten wie diesen Autozentrierung zu hinterfragen.“

  1. […] Tage später kommt es zu einem massiven Shitstorm gegen die Aktivistin. Sie selbst spricht vom „Februar des Hasses“. Wir haben uns die Dynamiken dahinter im Rahmen einer Datenrecherche näher angesehen. Im Fokus: […]


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