Ich höre immer wieder denselben Satz in unterschiedlichen Verkleidungen. „Könntest du nicht einfach über Mobilität sprechen, ohne so politisch zu werden?” Er klingt harmlos, fast freundlich gemeint. Aber er enthält eine Prämisse, der ich nicht länger unwidersprochen zustimmen möchte: dass es eine unpolitische Version meines Themas gäbe.
Die gibt es nicht. Wer verlangt, Kunst, Journalismus oder fachliche Arbeit müsse unpolitisch sein oder gar „neutral“, der verlangt insgeheim, dass sie den Status quo nicht infrage stellen. Wer sich diesen Status quo leisten kann, ohne von seinen Schattenseiten betroffen zu sein, empfindet Neutralität als Normalzustand. Genau das ist ein Privileg: das eigene Nicht-Betroffensein für die neutrale, objektive Position zu halten und jede Position, die diese Ruhe stört, als „übergriffig politisch” zu markieren.
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Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit dem Thema Mobilität. Für mich war Mobilität nie nur eine Frage von Verkehrsmitteln, Taktungen oder Antrieben. Sie ist eine Frage des Zugangs, der Teilhabe und der Demokratie. Wer ohne Auto in einer autozentrierten Stadt lebt, wer als Rollstuhlfahrerin auf Aufzüge angewiesen ist, die seit Wochen kaputt sind, wer als Kind, als älterer Mensch oder als Mensch mit geringem Einkommen auf ein Nahverkehrsnetz angewiesen ist, das kaputtgespart oder gar eingestellt wurde, für den ist Mobilität längst eine politische Frage. Sie hatten nie die Wahl, sie unpolitisch zu betrachten.
Deshalb betone ich in meiner Arbeit immer wieder: Gerechte Mobilität, von der wirklich alle profitieren – Kinder, alte Menschen, Menschen mit wenig Geld, Menschen mit Behinderung, BIPoC, queere Menschen … -, kann nur in einer Gesellschaft entstehen, die sich klar gegen faschistische und ausgrenzende Tendenzen stellt. Eine Mobilitätswende ohne diese Haltung ist keine Wende, sondern Kosmetik. Und genau an dieser Stelle kommt der Hinweis, ich solle doch „nicht so politisch werden”.
Ich werde ihm nicht folgen.
Das hat seinen Preis, und ich will ihn nicht kleinreden. Es gibt Honorare, die ausbleiben, weil meine Haltung manchen zu unbequem ist. Wer mir rät, „neutraler” aufzutreten, um wirtschaftlich erfolgreicher zu sein, hat womöglich sogar recht – und trifft damit genau den Punkt, um den es geht. Wenn Haltung wirtschaftlich bestraft wird, zeigt das nämlich nur, wie tief die Erwartung an unpolitische Kunst und unpolitische Fachlichkeit sitzt und wie sehr diejenigen geschützt werden, die vom Status quo profitieren.
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Ich mache trotzdem weiter. Nicht, weil mir die Konsequenzen egal wären, sondern weil die Alternative – leiser werden, um es allen recht zu machen – am Ende niemandem nützt außer denen, die ohnehin schon gut durch dieses System kommen. Solange es mir möglich ist, bleibe ich laut. Und ich freue mich über jede und jeden, der oder die das nicht allein durchziehen muss. Und ebenso über alle, die mit kleinen Beträgen dafür als Community Sorge tragen, dass ich von meiner Arbeit leben kann.


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