Graues Sharepic mit dem Text: Seit ich selbstständig bin und mich fairer, intersektionaler Mobilität widme, spüre ich wie noch nie zuvor eine innere Ruhe und Gewissheit, das Richtige zu tun. Umso schmerzhafter ist es, zu sehen, wie innerhalb von vier Jahren (da wurde mein erstes Buch #Autokorrektur auf Platz 5 Spiegel-Bestseller) das Thema von der Agenda der Parteien verschwunden ist.

Zwischen Tankrabatt und Kinderbuch: Warum gerechte Mobilität mehr braucht als nur gute Absichten

Seit ich mich selbstständig gemacht habe, um mich fairer, intersektionaler Mobilität zu widmen, spüre ich eine innere Ruhe und Gewissheit wie nie zuvor, das Richtige zu tun. Umso schmerzhafter ist es für mich, zu sehen, wie das Thema innerhalb von nur vier Jahren von der Agenda der Parteien verschwunden ist. Damals, kurz nachdem mein erstes Buch „Autokorrektur“ auf Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste kletterte, war ich teilweise sechs Tage die Woche gefordert. Ich las aus dem Buch, hielt Keynotes und saß auf Panels. Es schien, als wäre der Moment gekommen, in dem sich etwas Fundamentales ändert.

Im Rückblick fühlt sich diese Phase jedoch wie ein Hype an. Nicht wie der Beginn eines anderen Denkens und Handelns. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Jeder Parkplatz hat mehr Lobby als Arme, Behinderte oder Kinder zusammen. Die politische Aufmerksamkeit konzentriert sich auf diejenigen, die laut sind, nicht auf diejenigen, die strukturell benachteiligt sind.

Die bittere Realität: Tankrabatt statt Sozialticket

Schon wieder Tankrabatt. Wie schon unter der Ampelkoalition. Ja, Deutschlandticket! Aber auch das wird immer teurer, es gibt bis heute kein echtes Sozialticket, und den Kommunen mindert es letztlich sogar das Geld für Sanierung und Ausbau. Seit Angela Merkel gibt es Autogipfel; auch unter der Ampel war kein echter „Rück“ spürbar. Bis heute fließen fossile Autosubventionen weiter.

Die Idee einer inklusiven, kinderfreundlichen und bezahlbaren Mobilität ist auf Bundesebene noch nie wirklich auf der Agenda gewesen. Meine These dazu lautet: Gerechte Mobilität macht auch ohne Klimakatastrophe Sinn. Deswegen findet sie aber gerade nicht statt. Weil zu wenige intrinsisch motiviert sind, dass es allen gut geht. Und weil Gerechtigkeit hinter „der Wirtschaft“ immer zurückstehen muss.

„Leider“ muss ich meine Miete bezahlen. Sonst wäre alles gut! Es macht mich traurig und wütend, dass selbst jene auf der linken Seite des politischen Spektrums so wenig ernst nehmen, wie sehr Mobilitätsarmut sich ausbreitet. Sie vergessen Menschen mit Behinderung, Arme, Kinder und ältere Menschen.

Vom Elterntaxi zur politischen Forderung

Dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Politik begleitet mich im Alltag und bei der Arbeit. Oft denke ich über die Frage nach, ob wir das Elterntaxi nutzen, weil unsere Städte und Dörfer für Autos, aber nicht für Kinder gestaltet wurden. Sind öffentliche Räume unsicher, fehlen Gehwege oder fährt der Bus zu selten, dann ist das tägliche Autofahren keine Freiheit, sondern eine Notwendigkeit.

Mein Kinderbuch zeichnet die Vision, die ich in Bezug auf die Transformation der Mobilität, gerade auch für die Jüngsten, habe. Es geht darum, Kindern zu zeigen, dass Mobilität gerecht sein kann. Dass man nicht zwingend ein Auto braucht, um teilzuhaben. Ein sicherer Weg zur Schule oder zum Spielplatz ist kein Luxus, sondern ein Recht.

Während meiner Keynote in Differdingen am Freitag habe ich versucht, diese Brücke zu schlagen. Dort verknüpfte ich das Konzept der 15-Minuten-Stadt mit dem der 30-Minuten-Region, das ich an ländliche Räume angepasst habe. Der Schwerpunkt lag auf den Menschen, die nicht Auto fahren können oder wollen und in der Verkehrspolitik allzu oft vergessen werden. Ironischerweise erreichte uns während meines Vortrags die Eilmeldung über den Tankrabatt und den ggf. mal eintretenden Spritpreisdeckel. Mal wieder milliardenschwer. Es ist eine Maßnahme, die nachweislich weder systemisch etwas verbessert noch bei jenen ankommt, die sie am meisten benötigen: Menschen, die auf das Auto angewiesen sind und in Armut leben.

Solidarität als Handlungsfähigkeit

Nach meinem Impuls hatte ich ein wunderbares Gespräch mit Jörg Altekruse, Präsident von Youth4planet. Er fragte mich zu meiner Arbeit für kinderfreundliche Räume. Diese Begegnung erinnert mich daran, warum ich tue, was ich tue.

Was mich total freut, ist mein Grundeinkommensprojekt – mein wöchentlicher Newsletter. Dieser erlaubt mir mittlerweile „locker“, dass ich meinen Selbstschutz finanzieren kann. Mit jedem neuen Abo kommen kleine Beträge ab sieben Euro im Monat dazu. Ich glaube an die Macht der vielen. Ich habe zehn Newsletter als Soli abonniert. Ich schaffe es nicht, diese immer zu lesen. Aber darum geht es mir auch nicht.

In düsteren Zeiten wie diesen braucht es nicht nur eine gerechtere Mobilität, sondern auch finanzielle Solidarität. Spenden an Vereine, die stabil für die Demokratie kämpfen. Zuwendungen an NGOs, denen staatliche Förderung entzogen wird. Es ist völlig okay, wenn euer Leben grad nicht viel Engagement zulässt. Aber falls ihr Geld habt, investiert es in die Stimmen, die euch wichtig sind.

Ich möchte mich weiterhin für diese Gruppen einsetzen. Im Kapitalismus bedeutet das: Geld. Aber es bedeutet auch: Sichtbarkeit. Es bedeutet, die Narrative zu verändern. Von der Subvention fürs Auto hin zur Investition in Menschen. Von der Effizienz des Verkehrsflusses hin zur Teilhabe jedes Einzelnen.

Die Verkehrswende scheitert nicht an Technologie. Sie scheitert an Prioritäten. Und genau deshalb werde ich weiter daran arbeiten, diese Prioritäten neu zu setzen.

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