Automania 2000, er ist von 1963, gemacht von John Halas und Joy Batchelor – und er ist so bitterböse treffend, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will.
Die Zukunft, die sie sich 1963 ausgedacht haben
Der Film beginnt so, wie jede gute Techno-Utopie beginnt: mit einer Erzählerstimme, die uns erklärt, wie gut es uns doch geht. Die Wissenschaft habe der Menschheit „neue und ungeahnte Lebensstandards“ beschert. Billige Energie im Überfluss. Nahrung aus Kohle und Erdöl – „appetitlich und nahrhaft“, versteht sich. Freiheit von Mangel. Und Freiheit vom Kochen. Und da kommt zumindest bei mir schon recht schnell das Gefühl von Dytopie auf, auch, weil ich heutzutage selbst in Teilen des grünen Spektrums der parteipolitischen Systeme den Glauben an Grünen Kapitalismus und immerwährenden Konsum durch scheinbar immerwährende Energie verorte.
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Alles im Film klingt also vertraut: nach Fortschrittsversprechen, wie wir sie auch heute kennen. Der Treppenwitz kommt erst danach: All dieser Fortschritt, dieser „weltweite Wohlstand“, habe – O-Ton – „gewisse Probleme geschaffen“.
Und dann zeigt der Film, welche. In den dicht besiedelten Gegenden der Erde leben die Menschen seit über fünf Jahren in ihren Autos. Kinder kennen es gar nicht mehr anders, dass man sich in einem Auto überhaupt noch fortbewegen konnte. Warum? Weil früher jeder schneller sein wollte als der Nächste – und jeder ein größeres Auto haben wollte als der Nächste. Und weil Designer, Wissenschaftler, Hersteller, Verkäufer (muss ich nicht gendern) und, extra aufgeführt: Psychologen diesem Wunsch treu gedient haben.
Das Ergebnis: der 40-Fuß-Supercar. Zwölf Meter Blech. Ein Trend, der sich sofort weltweit durchsetzt.
Ein Auto für jeden Anlass
Was danach kommt, WAR Werbe-Satire in Reinform, und sie tut weh, weil sie so real geworden ist: Ein Auto für den Sonntag. Ein Auto für die Frömmigkeit. Ein Auto für pensionierte Admiräle. Und als vorläufiger Höhepunkt: der automatische Kinderwagen, den die Mutter per Fernsteuerung lenkt – während kinderlose Paare sich vorsorglich schon mal zwei, drei dieser Autos zulegen.
Die Erzählerstimme kommentiert trocken: „Eine neue Struktur der Zivilisation zeichnet sich bereits ab.“
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Man wohnt jetzt im Auto. Man bekommt seine Bedürfnisse per Farbsignal angezeigt und die Versorgung erfolgt – vertraut als Technogläubigkeit der Techgiganten heutzutage – per Helikopter, weil sich unten ja nichts mehr bewegt. Und weil Wohnen im Stau irgendwann eine Frage des Status wird, entsteht sofort eine neue Hierarchie: Wer weiter oben lebt, hat es besser. Prestige des Oberschicht-Wohnens im Stau. Das garantiert, sagt der Film, „eine nie endende Nachfrage nach neuen Autos“.
Am Ende erfindet ein Wissenschaftler das Auto, das sich selbst reproduziert. Die ultimative Automatisierung. Und die Stimme aus dem Off schließt zufrieden: Dank des Genies der Wissenschaftler stehe die Welt „auf einem festen Fundament“.
Ein Nebensatz im Film, den ich mir gerne noch mal unterstreichen möchte: Mit universeller Immobilität sei Krieg jetzt undenkbar geworden. Selbst der Weltfrieden wird hier zynisch als Kollateralnutzen der totalen Verstopfung verkauft. Wenn sich keiner mehr bewegen kann, kann auch keiner mehr angreifen. Das ist 1963er-Schwarzhumor auf einem Niveau, das man sich heute kaum noch traut.
Warum mich das 2026 kalt erwischt hat
Ich habe mir den Film angeschaut und musste die ganze Zeit an unsere Innenstädte denken. An SUV, die mittlerweile so breit sind, dass sie nicht mehr in Parkbuchten passen. An Elterntaxis, die täglich vor Schulen „automatische Kinderwagen“ in groß spielen – nur dass es echte Kinder sind, die da eingeschlossen durch die Stadt kutschiert werden, weil die Stadt selbst für sie zu gefährlich geworden ist. An eine Automobilindustrie, die uns bis heute erzählt, das nächste, größere, schwerere Modell sei „Fortschritt“. Und an eine Subventionspolitik, die genau dieses Modell noch immer billiger rechnet als jeden Meter Schiene oder Radweg.
1963 war das Satire. Eine Übertreibung, gedacht als Warnung. 2026 erkenne ich: Unser Autowahn ist grenzenlos, der Glaube an Fortschritt und Wachstum ist schlecht maskierte Gier. Wir bauen die Autos einfach weiter größer, weiter schwerer, weiter PS-stärker – bei uns heißt das nicht Dystopie, …


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