Eine Person mit dunklen, hochgesteckten Haaren und dunkler Brille schaut ernst in die Kamera.

Let´s share our fuck ups! „Wir zahlen doch nicht, dass ein paar Leute durch die Gegend reisen“

Die zweite große Hoffnung auf Förderung für meine Idee von vier Delegationsreisen innerhalb Deutschlands ist kurz vor dem Ziel doch noch gescheitert.

Dabei lief es zunächst richtig gut: Ich habe den Abteilungsleiter und den zuständigen Sachbearbeiter in zwei Videotelefonaten schnell überzeugen können, viele kommunale Netzwerke standen bereits als Multiplikator*innen an meiner Seite. Und dann kam die Person auf der höchsten Entscheidungsebene – und wischte den Antrag mit einem einzigen Satz vom Tisch: „Wir zahlen doch nicht, dass ein paar Leute durch die Gegend reisen.“ Ich hätte dieser Person gern erklärt, wie falsch dieses Bild von meinem Ansatz ist. Die Chance dazu habe ich nie bekommen.

Das ist für mich inzwischen auch ein Symptom: ein echter Nachteil der Digitalisierung. Wir nehmen uns nicht einmal mehr fünf Minuten Zeit, um uns ein wahrhaftiges Bild von etwas zu machen, bevor wir es abtun. Es gewinnen Jene mit Salesqualitäten, mit auf die Kacke hauen, nicht die mit den leiseren Stimmen. Und natürlich werden jetzt wieder Stimmen laut werden, die die Schuld ausschließlich bei mir sehen – ich hätte halt nicht performt. Ist mir egal, weil es nicht stimmt. Das habe ich aus den vielen Gesprächen über mein Projekt mitnehmen können: Diese Idee schließt eine wichtige Lücke im Wissenstransfer. Dieser ist schlicht nicht vorgesehen – auch nicht bei Projekten der Stiftung, die mich ablehnte btw 😉

Mit dieser Förderung wären 50 Prozent der Kosten gedeckt gewesen. Ich hätte endlich einen gewissen Geldstrom für die nächsten drei Jahre gehabt, um Dinge zu finanzieren, die ich – muss ich ehrlich sagen – ohnehin mache, weil sie mir zu wichtig sind, um sie zu lassen.

Kurz zuvor kam die zweite Absage, kurze Mail, Standardtext, von einer weiteren großen Stiftung: Mein Projekt entspreche nicht dem Förderschwerpunkt. „Im Zentrum unserer Strategie stehen die Themen Demokratie, Diversität und Klima“, hieß es. Ich frage mich seitdem: Wenn ich mit kommunalen Politiker*innen zu Orten in Deutschland fahre, um Wissenstransfer zwischen ihnen zu ermöglichen – ist das wirklich keines dieser drei Themen? Bessere kommunale Entscheidungen sind Demokratie. Zugängliche, für alle nutzbare Mobilität ist Diversität. Und jeder Kilometer, der nicht mit dem eigenen Auto gefahren wird, ist Klimaschutz.

Uff.

Das war ein ziemlicher Downer. Ich kann mittlerweile immer besser damit umgehen, weil die Welt einfach eine schlechte ist für Menschen, die etwas zum Guten für alle verändern wollen. Trotzdem: Finanzielle Sorgen sind etwas, das ich auf Dauer gerne loswerden würde. Mir wird dabei immer klarer, wie wichtig mein wöchentlicher Newsletter für meine finanzielle Ruhe ist. Immer wieder gibt es großartige Buchungen, die mir einen ganzen Monat finanzieren – nur eben nicht jeden Monat.

Und ich weiß inzwischen auch, dass das kein Zufall ist, sondern der patriarchale, fossile Backlash, der gerade überall spürbar wird. Er zeigt auch, wie wenig substanziell der Hype um mein erstes Buch vor vier Jahren tatsächlich war. Ein aktuelles Beispiel dafür, wie schnell sich politische Substanz verflüchtigt: Die Grünen regieren seit Mai gemeinsam mit der CDU in Baden-Württemberg – und haben im Koalitionsvertrag einer Kombination aus Verhaltensscanner und Live-Gesichtserkennung im öffentlichen Raum zugestimmt, testweise in mehreren Städten, ganz ohne erhöhte Kriminalitätsrate als Voraussetzung. Das sind nicht die Grünen, wie sie einmal waren.

Ich schreibe das alles auf, weil Transparenz für mich dazugehört – auch die unbequeme. Wenn dich meine Arbeit trägt oder wichtig für dich ist:

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Große Empfehlung meinerseits ist auch WERO, das gute Paypal, das sich viel mehr ausbreiten sollte.

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