UnplugBigTech Sharepic-blau mit weißer und gelber Schrift. Deine Navi-App weiß mehr über dich, als du denkst und willst.

#UnplugBigTech Part 8! Deine Navigations-App weiß mehr über dich, als du denkst – und willst.

Ein Ziel eintippen, losfahren, ankommen – Navigation gehört für die meisten von uns so selbstverständlich zum Alltag, dass wir nicht mehr darüber nachdenken, was dabei im Hintergrund passiert. Und zwar sekündlich. Weil wir bei der Installation ziemlich viele Rechte abgegeben haben, um den Service „gut“ nutzen zu können. Und genau das macht Standortdaten zu einem der aufschlussreichsten Datenpunkte überhaupt: Aus wenigen Wochen Standortverlauf lässt sich ein erstaunlich genaues Bild eines Menschen zeichnen, ganz ohne eine einzige Nachricht oder Suchanfrage auszuwerten:
– wo du wohnst,
– wo du arbeitest,
– welche Praxis du regelmäßig aufsuchst,
– wie oft und
– wohin du fährst.

Stellt euch nur vor, jemand liest aus euren Bewegungsdaten heraus, dass ihr zu Glücksspiel neigt oder gerade in einer Krebsbehandlung seid. Genau das macht Bewegungsdaten so tückisch: Sie wirken harmlos, sagen aber oft mehr über uns aus als alles, was wir je bewusst eingegeben haben.

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Google Maps sendet diese Daten kontinuierlich, auch wenn ihr die App gerade gar nicht aktiv nutzt, und speist sie in Googles Werbe-Ökosystem ein. Apple Karten verknüpft Standortdaten nicht direkt mit der Apple-ID, verarbeitet aber ebenfalls weit mehr, als für reine Navigation nötig wäre. Beiden Ansätzen gemeinsam: Ihr gebt eure Standortdaten an einen zentralen Anbieter ab, obwohl das gar nicht sein müsste.

Die Alternativen

Der einfachste Umstieg gelingt mit Organic Maps oder dessen unabhängigem Fork CoMaps, den ich persönlich nutze. Beide funktionieren komplett offline: Karten einmal herunterladen, danach läuft die Navigation ganz ohne Internetverbindung, Konto, Anmeldung oder Telemetrie. Bedienung bewusst schlicht gehalten, Sprachausgabe für Auto, Rad und zu Fuß inklusive – für den Einstieg genau richtig. CoMaps ist übrigens entstanden, weil einige aus der Community mit der Projektführung von Organic Maps unzufrieden waren; technisch nehmen sich beide Apps kaum etwas, welche ihr wählt, ist im Kern eine Vertrauensfrage.

Wer mehr Komfort will, etwa Echtzeit-Verkehrsdaten oder CarPlay-Unterstützung, findet in Magic Earth eine brauchbare Alternative. Die App basiert ebenfalls auf OpenStreetMap-Daten, kommt ohne Kontoanmeldung aus und bietet nahezu alles, was man von Google Maps gewohnt ist.
Der Haken: Die meisten Komfortfunktionen hängen inzwischen an einem Premium-Abo, und der Quellcode ist nicht offen einsehbar – anders als bei Organic Maps lässt sich also nicht unabhängig nachprüfen, was im Hintergrund übertragen wird. Wer diesen Kompromiss bewusst eingeht, bekommt dafür einen der komfortabelsten Google-Maps-Ersatz überhaupt.

Und wer wirklich alles selbst in der Hand haben will – von Rad- und Wanderrouten bis zu frei einstellbaren Routing-Profilen -, landet bei OsmAnd. Offline-Routing für Auto, Fahrrad, Fußwege und ÖPNV, umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten, vollständig quelloffen. Dafür auch die steilste Lernkurve der drei Optionen: Wer sich am Anfang aufs Nötigste beschränkt (Kartenregion laden, Profil wählen, Standardnavigation testen), kommt gut rein – alles auf einmal einrichten zu wollen, erschlägt eher.

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Was beim Umstieg oft falsch eingeschätzt wird

Zwei Sorgen gibt es immer wieder, wenn es um den Wechsel geht.
Die eine: Ohne Echtzeitverkehr sei so eine App doch nutzlos. Stimmt für alle, die täglich im Berufsverkehr auf aktuelle Staudaten angewiesen sind – für viele andere Wege ist das aber eher Komfort als Notwendigkeit, und wer es wirklich braucht, greift gezielt zu Magic Earth.
Die andere: Die Karten seien doch veraltet oder unvollständig. Tatsächlich ist OpenStreetMap, die Datengrundlage aller drei Apps, in vielen Regionen mittlerweile detaillierter als Google Maps, gerade abseits der Hauptstraßen und bei Rad- und Wanderwegen. Wer eine Lücke findet, kann sie sogar selbst nachtragen – das Netzwerk lebt von genau solchen Beiträgen.

Fazit

Navigation ist einer der unauffälligsten Datenpunkte im Alltag – und gleichzeitig einer der aussagekräftigsten. Der Wechsel weg von Google Maps oder Apple Karten gehört deshalb zu den wirkungsvolleren Schritten, wenn ihr digital souveräner unterwegs sein wollt. Und anders als bei manch anderem Big-Tech-Ausstieg ist er hier wirklich einfach: App installieren, Karten herunterladen, losnavigieren.

Für alle, die jetzt wissen wollen, wie die Einrichtung im Detail funktioniert, welche App zu welchem Einsatzzweck passt und welche typischen Stolperfallen beim Umstieg lauern: Mike hat das in seinem Part von #UnplugBigTech wie immer sehr viel ausführlicher, aber stets einsteigerfreundlich aufgeschrieben. Die vollständige Anleitung samt Schritt-für-Schritt-Erklärungen findet ihr in seinem Original-Beitrag: #UnplugBigTech: Von A nach B – ohne dass jemand mitfährt – Teil 8.

Wer sich generell für ein datensparsameres digitales Leben interessiert, findet auf kuketz-blog.de ebenfalls unsere gesamte Serie – von Tracking-Blockern über E-Mail-Alternativen bis zum Fediverse.

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