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Zu Gast bei perspective daily: die 8 liebsten Neuerscheinungen der Redaktion

Willst du Auto fahren oder kannst du gar nicht anders? Bei vielen lautet die Antwort, sie »müssen« Auto fahren, weil an ihrem Wohnort der Nahverkehr zu schlecht ausgebaut ist oder die öffentlichen Verkehrsmittel schlichtweg zu teuer sind. Ihre Beschwerden geben einen ersten Hinweis darauf, woran das Verkehrssystem in Deutschland krankt.

In ihrem neuen Buch argumentiert Autorin Katja Diehl, die früher selbst in der Mobilitäts- und Logistikbranche arbeitete, dass sich eine Verkehrswende nicht nur darin erschöpfen darf, möglichst viele Elektroautos auf die Straße zu bringen. Denn das würde den öffentlichen Raum nicht für alle Menschen lebenswerter machen. Vielmehr müsse es darum gehen, inklusivere, selbstbestimmtere und gerechtere Verkehrssysteme zu schaffen. Der CO2-Ausstoß und die damit verbundenen Klimafolgen von Verbrennungsmotoren sind nur ein Aspekt davon, was laut Diehl in Sachen Mobilität derzeit schiefläuft.

Unser gesamtes Verkehrssystem wurde in der Vergangenheit, analog dem patriarchalen System, in dem wir leben, von einer Gruppe von Personen gestaltet: männlich, weiß, cis, heterosexuell und wohlhabend. Das so entstandene Muster besteht bis heute fort. Weil es auch in unserer Gesellschaft fortbesteht.Katja Diehl, Autokorrektur

In einer optimalen Welt dürften für die Autorin nach wie vor alle Menschen Auto fahren – aber niemand wäre auf ein Auto angewiesen. Diehl legt dar, dass die bestehende Verkehrsinfrastruktur nur auf eine bestimmte Gruppe ausgerichtet ist, deren Bedürfnisse sie bedient. Marginalisierte Gesellschaftsgruppen, die in Summe aber den größeren Teil unserer Gesellschaft ausmachen, werden hingegen zu wenig berücksichtigt: Die Bedürfnisse von Kindern, Alten und Menschen mit Einschränkungen, von Frauen und anderen von Sexismus oder Rassismus Betroffenen, von kranken oder armen Menschen werden nicht mitgedacht. Warum geht es bei einer Verkehrswende nicht mehr um sie?

Neben einem historischen Abriss darüber, wie Deutschland zu dem autofokussierten Land wurde, das es heute ist, und Auszügen aus Interviews mit Menschen, die das Auto unfreiwillig nutzen, stellt Diehl auch Städte vor, in denen es bereits besser läuft. Dazu gibt sie konstruktive Tipps, wo jede:r Einzelne selbst ansetzen kann, um eine gerechte Verkehrswende auf die Straße zu bringen.

Hier geht es zu den weiteren sieben Büchern.

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