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Zu Gast bei der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen

Ich durfte am Mittwoch in Emden auf der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (AGFK) nach Landesminister Olaf Lies eine Keynote halten.

Ich wählte dabei den Titel:
„Gebt uns endlich autofrei!“



Und es war etwas schade, dass Olaf Lies sich nur virtuell zuschalten konnte, weil ich gern mit ihm auf dem Panel diskutiert hätte:
Warum haben Sie tolle Pläne und Bilder vorgestellt, wie der Radverkehr in Ihrem Bundesland wachsen soll und wird – aber nicht auch offen adressiert, dass dies nur gelingen wird, wenn die Autoprivilegien fallen?

Denn ohne Push kein Pull. Das sehe ich täglich bei mir vor der Haustür in Hamburg-Eimsbüttel. Der am dichtesten besiedelte Stadtteil ist bis zum Kragen zugeparkt, Lebensqualität null. Zwar wurde Anwohnerparken in Teilen eingeführt, aber 17 Cent am Tag sorgen nicht dafür, dass die in Masse zur Verfügung stehenden Alternativen genutzt werden. Weil der „Automensch“ in seiner Routine schlicht nicht unterbrochen wird.

Es ist sogar noch schlimmer: Die Autos werden kaum noch bewegt, in Angst, den wertvollen Parkplatz zu verlieren.

Ich kann es natürlich verstehen, dass sich ein wenig vor Adressierung der notwendigen Schritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Fuß-, Rad- und eben Autoverkehr gedrückt wird, weil der Gegenwind massiv ist. Aber was hilft dieser Aufschub? Und wem? Und ist es visionär? Ich denke nein.

Auf dem Panel musste ich dann in einem Nebensatz hören:
„Im Gegensatz zu Ihnen Frau Diehl möchte ich die Menschen nicht drangsalieren.“
Interessanter Blickwinkel, der mir fast täglich begegnet und der zeigt, wie sehr das Mindset „Auto“ in allen Köpfen verankert ist. Auch in Jenen, die privat viel Rad fahren, politisch aber gewohnt sind, Autofahrende als zu schützende Spezies zu sehen. Denn „drangsaliert“ werden grad alle ohne Auto!
Oder übersehe ich etwas?

Mir tat gut, dass ein „weiser alter Mann“ wie Heiner Monheim nach meinem Vortrag zu mir kam und mir für meine klaren Worte dankte. Mit Frank Otte habe ich einen „alten Verbündeten“ wieder getroffen, der als Stadtbaurat auf dem Rad in seiner Stadt Osnabrück unterwegs oft Zustimmung für das erhält, was er täglich vorantreibt:
Die Stadt den Menschen zurückzugeben.

Inspirierend auch die klare Vision aus Nordhorn, vorgestellt von Thimo Weitemeier, der als Stadtbaurat verstanden hat, dass weniger Wagen wagen positiv für alle ist.
Das macht Mut!

Urheberrecht der Fotos: AGFK/Angela von Brill

2 Gedanken zu „Zu Gast bei der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen“

  1. Der Grund warum es gesellschaftlich schwierig ist, die kontinuierlich seit dem 3. Reich für das Auto geschaffenen Bevorzugungen rückzubauen, hat Prof. Knoflacher mit seinem Bild des vom „Autovirus“ befallenen Stammhirns der meisten Menschen doch gut erkannt („als Autofahrer halber körperlicher Energiebedarf pro Zeiteinheit als ein langsamer Fußgänger“).

    Um das aufzuheben bräuchte es eine alternative Realität, in dem das Auto nie erfunden worden ist. Als nächstbeste Lösung in der bestehenden Realtität verbliebe, Elektromobilität mit viel mehr E-Carsharing zu ermöglichen, um die Städte auch mal unabhängig von Verdi/EVG/GDL und ohne Abgase und Lärm verlassen zu können.

    Prof. Monheim hingegen mit mit seinen 2.000 km PKW-Erfahrung Anfang der 1970er und seinem Plan für 4,3 Meter breiten innerstädtischen Auto-Fahrbahnen im Zweirichtungsverkehr (weil auf den Autobahnbaustelle oft Angabe von 2,10 Metern für eine Fahrspur steht), um durch den gewonnen Platz kilometerlange Fußgängerboulevards (für glückliche Kühe?) in der Stadt zu ermöglichen, kann ich jedenfalls nicht mehr ernst nehmen.

    1. Sie können eine Person aufgrund von Planungen aus den 70ern nicht mehr ernst nehmen? Hmmmm… ich denke und hoffe, dass wir alle uns weiterentwickeln 🙂 Heiner Monheim habe ich gerade für mein Buch interviewt und fand ihn ähnlich inspirierend wie Herrn Knoflacher, der ja auch schon in meinem Podcast war.

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