Wir brauchen das Tempo-Limit. Genau jetzt!

Es wird dringend Zeit, die Geschwindigkeit aus dem öffentlichen Verkehr zu nehmen. Dafür gibt es viele Gründe. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Gewerkschaft der Polizei NRW, der ökologische Verkehrsclub VCD (in dessen Vorstand ich mitwirke), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Nichtregierungsorganisation „Changing Cities“ setzen sich gemeinsam für ein Tempolimit im ganzen Land ein. Und es betrifft nicht nur die Autobahnen, sondern auch die Bereiche außerhalb und in den Städten. Dort ganz besonders.

Wer sich die langjährige Diskussion zu diesem Thema ansieht, erkennt sofort, dass es keine vernünftigen Gründe gibt, mit der Einführung eines  Tempo-Limits noch länger zu warten. Nahezu perfide ist Schein-Argumentation der FDP, das eine Geschwindigkeitsbegrenzung besonders auf den Autobahnen nichts bringen würde, weil die meisten Unfälle sich innerhalb der Städte und auf den Landstraßen ereignen. Hört man die FDP zur Verringerung der Geschwindigkeit auf Landstraßen und in den Städten? Nein, das passiert nicht.

Nahezu abenteuerlich ist die Argumentation des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Mit einer mehrfach bewiesenen komplizierten Beziehung zur Logik glaubt der Mann, das E-Autos kein Kohlendioxid produzieren. Die Wahrheit ist anders. 

Heute sind es zwei wichtige Gründe, das Tempo auf den Straßen in Deutschland dringend zu reduzieren. Der erste Grund ist die Sicherheit der Menschen auf der Straße.

Auch wenn die Zahl der Verkehrstoten seit vielen Jahren zurück geht: Noch immer sterben jeden Tag im Jahr sieben Menschen. Genau 2 719 Menschen sind im Jahr 2020 bei Verkehrsunfällen gestorben, heißt es in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Presseinformation. Das waren 327 Verkehrstote oder 10,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Zahl der Verletzten ging gegenüber dem Vorjahr um 14,8 Prozent auf 327 550 zurück. Damit sank die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten auf den tiefsten Stand seit mehr als 60 Jahren. Dennoch sind dies durchschnittlich etwa 6 135 polizeilich erfasste Verkehrsunfälle, knapp 900 Verletzte und sieben Todesopfer pro Tag im Straßenverkehr.

Wer sich mit dem Thema Geschwindigkeit im Straßenverkehr beschäftigt, sieht mit einiger Fassungslosigkeit auf eine Liste der Rekorde. Das ist die technische Faszination, bei denen einzelne Menschen bis an ihre Grenzen gegangen sind. Nur wann hat es begonnen, das die Geschwindigkeit auf den Straßen Einzug gehalten hat? Die Antwort ist: Schon vor vielen Jahrzehnten, mit der immer besser gewordenen Technik der Automobilindustrie, der “heiligen Kuh” der deutschen Politik. Dass aber die Menschen mit der immer maßloseren  Geschwindigkeit nicht umgehen können, zeigt dieses Interview mit dem Verkehrspsychologen Jörg-Michael Sohn: “Bei Tempo 100 hört der Verstand auf”.

Der Glauben an die “heilige Kuh” Automobilindustrie in der deutschen Politik hat fatale Auswirkungen. Ein Ergebnis allein in Deutschland: Bei etwas mehr als 80 Millionen Einwohnern in Deutschland sind laut dem Kraftfahrt-Bundesamt mehr als 66 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Und es werden immer mehr. 

Und damit sind wir beim zweiten wichtigen Grund für ein Tempo-Limit auf deutschen Straßen. Die schon jetzt existierende Klimakatastrophe. Die Fahrzeuge belasten die Städte mit ihrem Raum, mit Lärm, und mit dem Abgas-Ausstoß, der wiederum viel zu viel Kohlendioxid produziert. Die Ziele sind also deutlich: Wir müssen die Zahl der Fahrzeuge verringern, wir müssen den Ausstoß der klimaschädlichen Emissionen auf möglichst Null reduzieren, wir brauchen Alternativen. Und, hiermit sehr klar: Schon jetzt ein Tempo-Limit. Besser heute als morgen.

Und hier wird das Umweltbundesamt schon im letzten Jahr sehr deutlich: Ein generelles Tempolimit auf Bundesautobahnen könnte die Treibhausgasemissionen jährlich je nach Ausgestaltung um 1,9 bis 5,4 Millionen Tonnen verringern. Das ist das Ergebnis aktueller Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA). Dirk Messner, Präsident des UBA: „Ein Tempolimit auf Autobahnen hilft uns, die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland zu senken. Bei Tempo 120 km/h liegen die Einsparungen bei 2,6 Millionen Tonnen jährlich. Selbst ein Tempolimit von 130 km/h reduziert die Emissionen bereits um 1,9 Millionen Tonnen – und zwar sofort und praktisch ohne Mehrkosten.“ Für ein Tempolimit von 100 km/h ergäben sich sogar jährliche Treibhausgasminderungen in Höhe von 5,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten.”

Jetzt bist du an der Reihe. In dem leider noch immer inhaltslosen Wahlkampf vor der Bundestagswahl muss das Thema “Tempo-Limit” eine zentrale Rolle spielen. Es ist nämlich nicht nur ein Symbol, sondern tatsächlich der Start für viele Veränderungen, damit wir nicht nur weniger tote Menschen auf den Straßen beklagen müssen, sondern auch wirksame Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe beginnen können.

Hat das eigentlich auch Nachteile?

Nein, es hat nur Vorteile!

  • Weniger Tote im Straßenverkehr
  • Weniger Schadstoff-Emissionen
  • Weniger Kraftstoffverbrauch
  • Flüssiger Verkehrsverlauf und damit weniger Staus
  • Weniger Stress

Was kannst du tun?

Überzeuge deine Freundinnen, deine Familie, deine Nachbarinnen und deine Kolleginnen von diesen Argumenten für ein Tempo-Limit.  Zeig’ ihnen diesen Blogpost, verteile ihn auf allen Kanälen, die du erreichen kannst.

Schreibe deinen Abgeordneten im Gemeinde- und Stadtrat, deinen Abgeordneten im Landtag und deinen Bundestagsabgeordneten einen Brief oder eine E-Mail. Schreibe ihnen, dass sie sich möglichst bald für das Tempo-Limit einsetzen sollen.

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