„Katja, ich will mich von Big Tech lösen. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
Diesen Satz höre ich ständig. In Mails, in Kommentaren, auf Veranstaltungen. Menschen, die verstehen, dass ihre Abhängigkeit von Google, Meta, Apple & Co. ein Problem ist. Die wissen, dass ihre Daten gesammelt, verwertet, verkauft werden. Die spüren, dass das nicht richtig ist.
Aber dann kommt die Lähmung.
Browser wechseln? Welcher denn? Messenger? Cloud? E-Mail? Suchmaschine? Und was ist mit dem Smartphone? Muss ich da auch was ändern? Und wie mache ich das, ohne dass nichts mehr funktioniert?
Die Komplexität ist überwältigend. Am Ende verzetteln sich viele – und tun gar nichts.
Genau deshalb habe ich mit Mike Kuketz #UnplugBigTech gestartet. Nicht als radikaler Schnitt. Nicht als „ab morgen alles anders“. Sondern als machbare Schritte. Monat für Monat ein Thema. Konkret. Verständlich. Kostenlos.
Und wir fangen mit dem größten Sofort-Hebel an: Ad- und Tracking-Blocker.
Warum ausgerechnet Ad- und Tracking-Blocker?
Weil das der beste Einstieg ist. Aus drei Gründen:
1. Minimaler Aufwand
Du musst keine Konten umziehen. Du musst nichts an deinem Alltag umkrempeln. Du installierst zwei Dinge – und fertig.
2. Maximale Wirkung
Du merkst sofort den Unterschied. Weniger Werbung. Weniger Ablenkung. Oft spürbar schnellere Webseiten. Dein digitaler Alltag wird ruhiger.
3. Sofort wirksamer Schutz
Es wird deutlich schwerer, aus deinem Verhalten ein Profil zu bauen. Das ist keine Kosmetik. Das ist realer Schutz.
Was passiert gerade im Hintergrund?
Jede Website, die du besuchst, ist oft voll mit Trackern. Die melden Drittanbietern, dass du da warst – und oft auch, was du dort machst.
So entsteht über Zeit ein Muster:
- Welche Themen dich interessieren
- Welche Seiten du nutzt
- Worauf du klickst
- Wie lange du bleibst
Das reicht oft schon, um dich über viele Webseiten hinweg wiederzuerkennen und ein Profil zu bauen – auch ohne dass du irgendwo aktiv zustimmst oder dich einloggst.
Tracking steckt besonders häufig in Werbung. Fast jede Werbeanzeige bringt heute irgendeine Form von Nachverfolgung mit. Dazu kommen unsichtbare Analyse-Tracker, die angeblich nur „Statistik“ für den Seitenbetreiber machen – praktisch aber oft über externe Dienste laufen, die genau dafür bekannt sind, Nutzer wiederzuerkennen.
Ein erheblicher Teil dieses Tracking-Ökosystems hängt an wenigen Werbeplattformen – allen voran Google. Viele Seiten binden Dienste wie Google Ads/DoubleClick, Google Analytics oder den Google Tag Manager ein.
Und das passiert nicht nur im Browser.
Auch viele Apps bauen im Hintergrund Verbindungen zu Werbe- und Tracking-Diensten auf. Du siehst davon meistens nichts – aber es passiert trotzdem.






















Die Lösung: Zwei Schutzschichten
Ad- und Tracking-Blocking setzt genau hier an: Es blockiert viele dieser typischen Werbe- und Tracking-Verbindungen, bevor sie überhaupt zustande kommen.
Schutzschicht 1: Browser-Blocker
Ein Blocker im Browser sorgt dafür, dass viele Werbe- und Tracking-Bestandteile auf Webseiten gar nicht erst geladen werden.
Für Einsteiger ist die pragmatische Empfehlung:
- Desktop und Android: Firefox + uBlock Origin
- iOS: Safari + wBlock
Das Wichtigste: Du musst am Anfang nichts „optimieren“. Installieren, Standard-Einstellungen lassen – fertig. Viele machen den Fehler, direkt an Listen und Schaltern herumzuspielen. Das brauchst du für den Einstieg nicht.
Erst mal ein paar Tage nutzen und schauen, wie sich dein Alltag verändert: Weniger Werbung, weniger Einblendungen, oft spürbar schnellere Seiten.
Schutzschicht 2: DNS-Blocker
DNS-Blocking ist die zweite Schutzschicht. Stell dir DNS wie ein Telefonbuch fürs Internet vor: Dein Gerät fragt bei jeder Verbindung zuerst nach „Welche Adresse steckt hinter diesem Namen?“ – erst dann kann es eine Webseite oder einen Dienst erreichen.
Mit DNS-Blocking (wir empfehlen dnsforge.de) werden viele dieser typischen Werbe- und Tracking-Adressen einfach nicht mehr aufgelöst. Die Folge: Diese Verbindungen entstehen gar nicht erst.
Praktisch ist das auch deshalb, weil solche Hintergrund-Anfragen nicht nur im Browser passieren, sondern häufig auch in Apps. DNS-Blocking kann also auch dort helfen – zusätzlich zum Browser-Blocker.
Und: Der Schutz gilt überall. Zu Hause im WLAN genauso wie unterwegs im Mobilfunknetz.
Was bringt das konkret?
Nach ein paar Tagen wirst du merken:
Weniger Werbung
Viele Banner, Popups und Einblendungen sind einfach weg.
Weniger Ablenkung
Dein Blick wird nicht mehr ständig von blinkenden Anzeigen abgelenkt.
Oft schnellere Seiten
Weil weniger Dinge nachgeladen werden müssen.
Schwerer, ein Profil zu bauen
Viele Tracking-Verbindungen werden blockiert, bevor sie entstehen.
Ruhigerer digitaler Alltag
Das Grundrauschen wird leiser.
Ist das kompliziert?
Nein. Das ist genau der Punkt.
Mike hat eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geschrieben, die auch für absolute Einsteiger funktioniert. Keine Fachbegriffs-Parade. Keine endlosen Spezialfälle. Keine „zuerst musst du das verstehen“-Vorlesungen.
Einfach: Was du installieren musst. Wo du es findest. Wie du es einrichtest. Mit Screenshots. Für Desktop. Für Android. Für iOS.
Die komplette Anleitung findest du hier:
→ [Link zu Mike’s Artikel]
Im Carousel zu diesem Post habe ich die wichtigsten Schritte als Schnellübersicht zusammengestellt. Speichern, durchklicken, umsetzen.
Und wenn etwas nicht funktioniert?
Manchmal passiert es: Eine Seite lädt nicht richtig, ein Login funktioniert nicht oder ein Button reagiert nicht. Das ist selten, kommt aber vor – besonders bei Banking, Behörden und Bezahldiensten.
Wichtig: Das heißt nicht, dass dein Setup „falsch“ ist. Es heißt nur, dass diese eine Seite empfindlich reagiert.
Die Lösung ist einfach: uBlock Origin für diese eine Seite kurz ausschalten – der Blocker bleibt auf allen anderen Seiten aktiv. Mike erklärt in seinem Artikel genau, wie das geht.
Und wenn du gar nicht weiterkommst? Im Forum bei Mike kannst du Fragen stellen, Erfahrungen teilen und konkrete Hilfe bekommen – egal ob du bei einem Begriff hängenbleibst, bei einer Einstellung unsicher bist oder einfach wissen willst, was für deinen Alltag am sinnvollsten ist.
Oft ist genau das der Unterschied zwischen „klingt gut“ und „hab ich umgesetzt“: Jemand, der einmal kurz mitdenkt, eine Empfehlung einordnet oder einen pragmatischen Weg zeigt.
Warum mache ich das?
Ich bin Mobilitätsexpertin. Keine IT-Sicherheitsexpertin. Warum also #UnplugBigTech?
Weil ich in meiner Arbeit jeden Tag sehe, wie Macht und Abhängigkeit funktionieren.
Wir haben ein Mobilitätssystem gebaut, das Menschen abhängig macht vom Auto. Nicht, weil das Auto „das beste Verkehrsmittel“ ist. Sondern weil wir Strukturen geschaffen haben, die andere Optionen unmöglich machen.
Mit Big Tech ist es ähnlich.
Wir sind abhängig von Google, Meta, Apple & Co. – nicht, weil ihre Produkte „die besten“ sind, sondern weil wir Strukturen akzeptiert haben, die Alternativen unsichtbar machen.
Und genau wie in der Mobilität gilt: Individuelle Lösungen reichen nicht. Aber sie sind der Anfang.
Ich kann nicht allein die Verkehrswende schaffen. Aber ich kann Menschen zeigen, dass Alternativen existieren. Dass es machbar ist. Dass sie nicht allein sind.
Genau das ist #UnplugBigTech.
Was als Nächstes kommt
Das ist der Anfang. Nächsten Monat schauen wir uns den Browser selbst an: Welche Einstellungen sinnvoll sind, was du abschalten solltest – und wie du ihn langfristig stabil, alltagstauglich und möglichst datensparsam nutzt.
Bis dahin:
1. Installieren
Nimm dir 20 Minuten. Folge Mike’s Anleitung. Setz die zwei Schutzschichten.
2. Testen
Ein paar Tage nutzen. Merken, wie sich dein Alltag verändert.
3. Teilen
Schick die Anleitung weiter. In Familien-Chats. Elterngruppen. Vereine. An alle, die fragen: „Wo fange ich an?“
Weil genau hier fängt es an.
Und weil wir das nicht allein schaffen. Aber gemeinsam schon.

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