Eine Frau sitzt vorne in einem Lastenrad und hebt jubelnd die Arme, während sie von einem Mann auf diesem gefahren wird.

Helsinki erreicht (wieder) Vision Zero – und zeigt, wie menschenfreundliche Städte Leben retten

Helsinki macht es vor: Null Verkehrstote – wieder einmal.
Vision Zero ist hier keine leere Worthülse, die auf irgendeinem Papier in irgendeiner Schublade versteckt wird, sondern echtes Bekenntnis zu einer menschenzentrierten Stadt, deren Planung bei den Schwächsten beginnt.
Also Jenen außerhalb von stählernen Fahrgastzellen.

Helsinki hat in den letzten 12 Monaten keinen einzigen Verkehrstoten zu beklagen.
Der letzte tödliche Unfall in der Stadt ereignete sich Anfang Juli 2024.
Die Behörden bezeichnen die Situation als außergewöhnlich.

Bereits 1965 verzeichnete die finnische Hauptstadt noch 84 Verkehrstote pro Jahr. Seither hat die Stadt diese Zahl um ganze 96 Prozent gesenkt. Der letzte tödliche Unfall im Stadtgebiet ereignete sich im Juli 2024 – seither: keine weiteren Todesopfer.

Diese Entwicklung ist das Resultat vieler Faktoren, wie Verkehrsingenieur Roni Utriainen erklärt. Zentrale Rolle spielt die Geschwindigkeitsreduktion: Auf über der Hälfte der Straßen in Helsinki gilt heute Tempo 30. Zusätzlich werden ab dem neuen Schuljahr alle Straßen rund um Schulen auf 30 km/h begrenzt – eine Maßnahme, die den Schutz von Kindern klar priorisiert.

Doch nicht nur Tempolimits tragen zum Erfolg bei. Die Stadt hat in den letzten Jahren massiv in sichere Infrastruktur investiert: breite Gehwege, getrennte Radspuren, klar gestaltete Kreuzungen, gut beleuchtete Übergänge. Hinzu kommen eine intensivere Zusammenarbeit mit der Polizei, der verstärkte Einsatz automatischer Überwachungssysteme und eine verlässliche Datengrundlage für gezielte Maßnahmen. Jeder Gefahrenpunkt wird analysiert – nicht erst nach einem Unfall, sondern präventiv.

Ein weiterer Schlüssel liegt im hervorragenden öffentlichen Nahverkehr. Weniger Autoverkehr bedeutet automatisch weniger Konfliktpotenzial – besonders für vulnerable Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Die Strategie „Vision Zero“, also das langfristige Ziel, keine Verkehrstoten mehr zu verzeichnen, ist in Helsinki kein leeres Versprechen. Sie prägt Entscheidungen auf allen Ebenen – von der Infrastrukturplanung bis zur Schulung der Verkehrsteilnehmenden.

Auch neue Herausforderungen wie der zunehmende Gebrauch von E-Scootern nimmt die Stadt ernst. Zwar kam ihre Popularität überraschend, doch Helsinki hat schnell reagiert und entsprechende Lösungen entwickelt, um auch hier Sicherheit zu gewährleisten.

Der Erfolg von Helsinki zeigt: Verkehrssicherheit ist keine Frage des Zufalls oder der individuellen Verantwortung, sondern eine direkte Folge politischer Entscheidungen. Wer Städte menschenfreundlich gestaltet, verhindert Unfälle – und rettet Leben.

Vision Zero ist möglich. Nicht irgendwann – sondern jetzt. Helsinki beweist es.

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Eine Antwort zu „Helsinki erreicht (wieder) Vision Zero – und zeigt, wie menschenfreundliche Städte Leben retten“

  1. Avatar von Helmut Dirks
    Helmut Dirks

    In Deutschland hat eindeutig das Auto und seine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit oberste Priorität. Dies musste ich bei einer Verkehrsbegehung in Wolfsburg erfahren. Hier stellt die Abfahrt von der Autobahn einen Unfallschwerpunkt dar, kreuzende Fahrradfahrer werden oft übersehen, mit zum Teil schweren Unfallfolgen für die Fahrradfahrer. Die besondere Gefährdung wurde von den Verantwortlichen bestätigt, aber man dürfe den Autoverkehr nicht behindern und deshalb könne man leider nichts machen (außer vielleicht den Farradfahrenden das Vorfahrtrecht entziehen und ein Drängelgitter aufbauen). Die Unfälle werden weiter akzeptiert!


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