Eigentlich bin ich Mobilitätsexpertin und möchte den Fokus immer darauf halten. Aber: Ich war auch mal Journalistin.
Es begann am 21. September 2026 mit einer Blockade am Lycée Saint-Exupéry in Créteil, einer Vorstadt von Paris. Der Schule fehlten eine stellvertretende Schulleitung, eine Krankenschwester und eine Betreuungskraft für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Aus der Blockade wurde eine Bewegung von Schüler*innen in ganz Frankreich. Sie gingen auf die Straße, weil zuvor niemand ihre Forderungen ernst genommen hatte.
Es ist die Generation, deren Zukunft schon in den Startblöcken des Lebens auf vielerlei Weise durch die erwachsene Welt schlecht gestaltet wird.
Klassen mit bis zu 35 Kindern sind normal, weil Lehrkräfte fehlen. Vielerorts ist die Infrastruktur veraltet, die Stundenpläne überladen, die Gebäude sind baufällig. Schüler*innen berichten von Ratten im Klassenraum, fehlenden Toiletten und Heizungen. Seit Jahren werden die Budgets im Bildungsbereich gekürzt.
Besonders Jugendliche aus den Banlieues sehen sich benachteiligt. Sie kritisieren das zentralistische Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen, was sie als sozial selektiv und rassistisch empfinden.
Die in den ersten Tagen vorherrschende und gut dokumentierte Gewalt ging ausschließtlich vom Staat und seiner Polizei aus: 86 Prozent der Inhaftierten in den ersten Tagen waren minderjährig. Eine Studie von Acrimed in Frankreich zeigt: Acht Prozent der Sendezeit waren den Forderungen der Schüler*innen gewidmet, 75 Prozent den Sachschäden.
Während Human Rights Watch dokumentiert, dass Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse gegen Kinder eingesetzt werden.
Bis heute protestieren Hunderttausende Minderjährige in Frankreich weiterhin friedlich.
Doch die mediale und politische Aufmerksamkeitsökonomie genießt es, sie und ihre berechtigten Forderungen unsichtbar zu machen.
Ihre Anliegen werden delegitimiert und es wird zugelassen, dass Gewalttäter*innen ihnen jedwedes Hinschauen auf ihre Forderungen stehlen können.
Währenddessen werden die kaputten Schaufenster und zerstörte öffentlichkeitswirksam beklagt. Zu Recht! Aber warum haben wir uns in dieser Wut so entfremdet von dem, ohne dass unser Leben nicht lebenswert ist? Der erste Klimakipppunkt ist offiziell überschritten. 84 Prozent der Korallenriffe weltweit haben Bleich-Hitze erlebt. Tuvalu, Kiribati und die Marshallinseln sind Staaten, die noch in diesem Jahrhundert untergehen werden. Über all das regen wir uns nicht auf. Verzweiflung, Solidarität und der Wunsch nach einem guten Leben haben keinen Nachrichtenwert.
Wir alle haben die Aufgabe, unsere Medienkompetenz zu schulen. Wir müssen genauer hinschauen, welche Narrative von wem benutzt werden und vor allem auch, welche Bilder in den Vordergrund geraten, obwohl sie nicht die wahren Verhältnisse vor Ort zeigen – vor allem nicht die Kinder, die einfach nur eine gute Zukunft wollen.
Quellen:


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