Screenshot von der Studie auf der Webseite der Universität.

Was Autofahren wirklich kostet: Neue Studie zeigt Weg zu fairerer Verkehrsfinanzierung.

Es ist beinahe täglich eine Diskussion wert: Fahrradfahrende sollen auch endlich Steuern zahlen, Autofahrende denken, dass mit der Kfz-Steuer alles abgegolten ist. Viele Studien haben bereits ausführlich das Gegenteil bewiesen, eine neue aus der Schweiz liefert aktuelle Zahlen. Denn: Wer mit dem Auto zur Arbeit pendelt, zahlt für Sprit, Versicherung und Unterhalt – aber nicht für die Kosten, die dabei der Allgemeinheit entstehen. CO₂-Emissionen, Luftverschmutzung, Lärm, Unfallrisiken und Stau verursachen reale Kosten, die bislang kaum sichtbar sind, weil sie externalisiert an alle und nicht von den Verursachenden getragen werden. Die Universität Basel zeigt nun, wie sich das ändern liesse – und was das für den Verkehr in der Schweiz, aber auch in anderen Ländern bedeuten könnte. Erstaunlich für mich: Konfrontiert mit dem Ausmaß der Externalisierung und der Idee einer Bonus-Malus-Prämie stimmen Autofahrende vor allem zu, dass diese Prämie dem Ausbau von Autoalternativen zugute kommen sollte, anstatt als Rückzahlung zu fungieren.

Die Studie

Ökonom Prof. Dr. Beat Hintermann und sein Team an der Universität Basel haben acht Wochen lang das Verhalten von 3.600 Personen aus urbanen Regionen untersucht. Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 65 Jahre alt, fuhren regelmäßig Auto und zeichneten ihre Mobilität über eine Smartphone-App auf. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Review of Economic Studies erschienen.

Nach einer vierwöchigen Beobachtungsphase wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin nur eine Übersicht über ihr Mobilitätsverhalten.
  • Eine zweite Gruppe wurde zusätzlich über die externen Kosten ihrer Fahrten informiert.
  • Eine dritte Gruppe erhielt dieselben Informationen – plus ein persönliches Budget, von dem die berechneten externen Kosten tatsächlich abgezogen wurden. Was übrig blieb, durften die Teilnehmenden behalten.
Information allein bewirkt wenig – finanzielle Anreize schon

Das zentrale Ergebnis: Reine Information über die verursachten Kosten veränderte das Verhalten der meisten Teilnehmenden kaum. Erst als die Kosten tatsächlich von einem persönlichen Budget abgezogen wurden, fuhren die Teilnehmenden spürbar weniger Auto und wichen häufiger auf andere Verkehrsmittel aus.

Ein flächendeckendes, GPS-basiertes Abrechnungssystem wäre in der Praxis aufwändig und würde erhebliche Datenschutzfragen aufwerfen. Die Modellrechnungen der Studie zeigen aber: Ein großer Teil des gesellschaftlichen Nutzens ließe sich auch mit einer deutlich einfacheren Lösung erzielen: Etwa über Abgaben auf den Treibstoffverbrauch oder, bei Elektroautos, auf gefahrene Kilometer.

Rückverteilung statt reiner Belastung

Die Einnahmen aus einer solchen Abgabe könnten in einen Fonds fließen und ganz oder teilweise an die Bevölkerung zurückverteilt werden. Hintermann schätzt, dass dabei pro Person und Jahr etwa 1.600 Franken zurückgezahlt werden könnten. Ein Vorbild dafür gibt es in Basel-Stadt bereits beim Strom: Eine Lenkungsabgabe pro Kilowattstunde fliesst in einen Fonds, aus dem am Jahresende alle Einwohner*innen denselben Betrag zurückerhalten. Wer weniger verbraucht, profitiert stärker.

„Alle leisten einen Beitrag: entweder über ihr Verhalten oder über ihr Portemonnaie.“

Prof. Dr. Beat Hintermann

Zur Einordnung, was der durchschnittliche Verkehr pro Tag kostet:

KostenartDurchschnitt
Zurückgelegte Distanz48 km
Unterwegs verbrachte Zeit93 Minuten
Private Kosten23 Franken
Externe Kosten insgesamt4.60 Franken
– Luftverschmutzung und Lärm2 Franken
– Stau 1.10 Franken
– Klimaschäden90 Rappen
– Gesundheitskosten (z. B. Unfälle)60 Rappen
Soziale Komponente und Präferenz der Befragten

Von der Rückverteilung würden vor allem Menschen mit tieferem Einkommen profitieren, die sich Fahrten weniger leisten können. Bemerkenswert: Die meisten Studienteilnehmenden – selbst regelmäßige Autofahrende – wünschten sich keine direkte Auszahlung der Einnahmen, sondern einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Ein Grund dafür könnte sein, dass ein besserer ÖV auch den Straßenverkehr entlastet und damit letztlich allen zugutekommt – auch denjenigen, die weiterhin Auto fahren.

Quelle: Studie von Prof. Dr. Beat Hintermann, Universität Basel, veröffentlicht im Journal „Review of Economic Studies“, 10. August 2026, Bericht von Catherine Weyer.

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