She Drives Mobility #49: Mit dem Elektroflugzeug von der Schweiz nach Norderney – Zukunftsforscher Morell Westermann

Obwohl der Anteil der Luftfahrt am Treibhauseffekt heute bereits bei fünf Prozent liegt und gerade Emissionen in großer Höhe als besonders klimaschädlich gelten, beschränkt sich elektrisches Fliegen aktuell noch auf Sonderlösungen. Dies liegt daran, dass bis vor kurzem kein Flugzeug-Hersteller den aufwändigen EASA-Zertifizierungsprozess hinter sich gebracht hat, um ein elektrisches Leichtflugzeug zur Marktreife zu entwickeln. Somit waren bisher schlicht keine Batterie-Flieger am Markt erhältlich.

Weltneuheit Elektroflugzeug
Im Juni konnte nun der slowenische Hersteller „Pipistrel” als erster sein neuartiges Modell „Velis Electro” erfolgreich zertifizieren lassen. Die Zertifizierung ist der entscheidende Schritt aus dem Protoypen- und Experimental-Stadium hin zur kommerziellen Nutzung.

Alle Vorteile der Elektroautos kommen auch in der Fliegerei zum Tragen. Der extrem leise Antrieb ermöglicht hohe Steigleistungen und schont die Ohren der Anwohner: Ein Elektroflieger ist ab etwa 150 Metern Entfernung quasi unhörbar. Im Gegenzug müssen die Pioniere aber auch alle Herausforderungen der Elektromobilität bewältigen: Die geringere Energiedichte im Zusammenspiel mit dem Gewicht der Akkus führt zu realistischen Reichweiten um die 100 km, die bisher nicht existente Ladeinfrastruktur macht den Weltrekordflug zu einer echten logistischen Herausforderung.

Eine Tour mit mehreren „Legs“
Die Strecke wurde in mehreren Abschnitten abgeflogen, zwischen denen die Flugakkus nach 100 Kilometer Reichweite (etwa eine Stunde Ladung) wieder aufgeladen wurden, natürlich nahe eines Rollfeldes. Im ersten Schritt musste das Team daher kleine Sportflugplätze entlang der Strecke finden, die überhaupt über den notwendigen Drehstromanschluss mit bestenfalls 32 Ampère (22 kW) verfügen. Mehr zu diesem Abenteuer hier.

Wenn ich aber schon einen Zukunftsforscher zu Gast habe, dann will ich natürlich noch mehr als die Zukunft der Luftfahrtt besprechen. Als Senior Partner bei Future Matters beschäftigt sich Morell mit den Meta- und Megatrends der nahen und fernen Zukunft und hat damit einen sehr speziellen Blick auf bestimmte Entwicklung in Deutschland. „Wir versuchen eine Industrie am Leben zu erhalten, die de facto schon tot ist.“ Klare These von Morell: Die Wettbewerber sind längst nicht mehr in der klassischen Autobauer-Branche zu suchen, sondern die Wachstumstechnologien der Zukunft sehen das Auto als Device – weit weniger autoverliebt, als wir es hier in Deutschland fatalerweise sind.

Abschließend betrachten Morell und ich die Corona-Krise, die als sichtbare Bedrohung sehr schnell für Reaktionen in der Abwendung sorgte. Wissenschaftlich und technisch war es für Morell ein Siegeszug ungeahnter Geschwindigkeit. Dasselbe wäre für die Abwendung der Klimakrise zu wünschen, hier jedoch ist die Krise weit weniger spürbar, die Menschen, die an ihr sterben, sind unsichtbar, da die Ursachen sehr viel komplexer und weniger unmittelbar sind. Was tun? Auch darüber sprechen wir zum Ende des Podcasts.

2 Gedanken zu „She Drives Mobility #49: Mit dem Elektroflugzeug von der Schweiz nach Norderney – Zukunftsforscher Morell Westermann“

  1. Leider ist die Aufforderung zur eigenen Verbesserung ein charakteristischer Anspruch der betuchteren Kreise zur extrapolierten Weltverbesserung. Das ist zwar nett und baut die eigene Moral auf, wenn man das mit einer Utopie verknüpft („Wenn keiner mehr Shampoo mit Mikroplastik kauft, stellt die Industrie auch keines mehr her.“) aber geradezu rührend naiv. Denn erstens macht es nicht jeder und zweitens reicht es bei weitem nicht aus.
    Dieses Eremitendenken hat sich im Gegenteil die Wirtschaft zunutze gemacht, um sich zusammen mit der Politik aus einer Verantwortung zu stehlen, die weitaus mehr Hebel zur Veränderung besitzt als alle Stromer-Regionalkauf-Missionare. Wir sollten damit aufhören.

    1. Danke für dein Feedback! Ist es nicht eine Mischung? Persönliche Verantwortung ist ja Basis allen Handelns, beginnend bei der Bundeskanzlerin, Wissenschaftler:innen, Unternehmenslenker:innen…

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